Bilanz für erste neun Monate Menschen in Baden-Württemberg spenden 2025 bisher weniger

Menschen in Baden-Württemberg spenden 2025 bisher weniger
«Wer spendet, spendet bewusster und großzügiger», sagte Pastor Ulrich Pohl, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Spendenrates. (Symbolbild: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa)

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Deutsche Presse-Agentur
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Vor Beginn der Adventszeit legt der Spendenrat eine Zwischenbilanz für die ersten neun Monate des Jahres vor. In Baden-Württemberg zeigen sich dabei deutliche Veränderungen – das Geld sitzt nicht mehr so locker wie zuvor. Wie entwickelt sich das Spendenverhalten?

Die anhaltende Wirtschaftskrise wirkt sich spürbar auf das Spendenverhalten der Menschen in Baden-Württemberg aus. Von Januar bis Ende September gingen rund 373,5 Millionen Euro an Spenden ein – ein Rückgang um 32 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (546,1 Millionen Euro). Das zeigt eine Erhebung des Deutschen Spendenrats. Auch die durchschnittliche Spendenhöhe sank leicht, von 38 auf 36 Euro.

Bundesweit wurde ebenfalls weniger gespendet als im Vorjahr. In den ersten neun Monaten kamen deutschlandweit knapp 2,8 Milliarden Euro zusammen – rund 14 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2024 (etwa 3,2 Milliarden Euro).

Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Spendensumme laut den Angaben auf ein Rekordniveau von 41 Euro pro Spende, drei Euro mehr als im Vorjahr. „Wer spendet, spendet bewusster und großzügiger – das ist ein starkes Signal in schwierigen Zeiten“, sagte Ulrich Pohl, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Spendenrats.

Prognose: «Moderater Rückgang»

Für das gesamte Jahr rechnet der Spendenrat mit einem Spendenvolumen von rund 4,7 Milliarden Euro. Dies entspreche einem moderaten Rückgang, der durch die herausfordernden Rahmenbedingungen erklärbar sei.

Während die Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen im Vergleich zum Vorjahr elf Prozent mehr spendete, brach das Spendenaufkommen bei den über 70-Jährigen um 27 Prozent ein. Zudem sank die Zahl der Spendenden: Von Januar bis September 2024 spendeten 13,2 Millionen Menschen, in diesem Jahr bislang nur 11,8 Millionen.

Inflation, Rentendiskussion und Pflegekosten

Die Haushaltsbudgets seien durch Inflation, steigende Lebenshaltungskosten, Unsicherheiten aufgrund anhaltender Rentendebatten und hohe Pflegekosten stark belastet. Hinzu komme eine gewisse Erschöpfung durch zahlreiche globale Krisen. Dennoch zeigten die Daten, dass viele Menschen weiterhin wirksame Projekte unterstützen wollen – insbesondere in ihrem direkten Umfeld.

Die Ergebnisse basieren auf einer Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag des Deutschen Spendenrats. Als Spenden zählen dabei ausschließlich Geldspenden deutscher Privatpersonen an gemeinnützige Organisationen, Hilfs- und Wohltätigkeitsorganisationen sowie Kirchen. Nicht berücksichtigt werden Erbschaften, Spenden an politische Parteien oder Großspenden über 2.500 Euro.