Trotz klarer gesetzlicher Vorgaben beschäftigen viele Unternehmen in Baden-Württemberg weiterhin keine Menschen mit Behinderung. Das hat spürbare Folgen für den Arbeitsmarkt.
Die Zahl arbeitsloser Menschen mit Behinderung in Baden-Württemberg bleibt auf einem hohen Niveau. Bereits im Oktober dieses Jahres waren rund 17.460 Menschen mit Behinderung ohne Job – das sind über sechs Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres, wie aus dem aktuellen Inklusionsbarometer Arbeit von Aktion Mensch und dem Handelsblatt Research Institute hervorgeht. Die Arbeitslosenquote unter Menschen mit Behinderung sei im vergangenen Jahr gestiegen und liege inzwischen bei über 9 Prozent.
Auch die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen mit Behinderung erhöhte sich – um fast fünf Prozent auf 16.130. Die wirtschaftliche Lage habe die Situation am Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung in eine anhaltende Krise geführt. Die Sprecherin von Aktion Mensch, Christina Marx, erklärte, der Negativtrend verfestige sich weiter. «Wir sehen uns mit einem drastischen Rückschlag für die Inklusion auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert.» Es werde Jahre dauern, diese Entwicklung zu überwinden.
Viele Firmen verfehlen die Einstellungsquote
Arbeitgeber mit mindestens 20 Beschäftigten sind verpflichtet, Menschen mit Schwerbehinderung einzustellen. Wird die gesetzliche Quote von fünf Prozent nicht erreicht, muss für jeden unbesetzten Pflichtarbeitsplatz eine Ausgleichsabgabe gezahlt werden.
Der Abstand zur vorgeschriebenen Quote habe sich im vergangenen Jahr erneut vergrößert – mit 3,9 Prozent erreichte die Beschäftigungsquote den niedrigsten Wert seit Veröffentlichung des ersten Inklusionsbarometers 2013, heißt es weiter. Gleichzeitig sei die Zahl der Unternehmen, die unter die Beschäftigungspflicht fallen, auf 24.939 gestiegen – und damit auch die Zahl potenzieller Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung.
Konkret bedeutet das: Trotz Verpflichtung beschäftigt im Land mehr als jedes vierte Unternehmen keine Menschen mit Behinderung, weitere 38 Prozent erfüllen die Vorgaben nur teilweise, so das Inklusionsbarometer. Die Studie erscheint seit 2013 jährlich und stützt sich vor allem auf Daten der Bundesagentur für Arbeit.