Krankschreibung per Telefon – Hausärzte froh über Möglichkeit

Die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung erleichtere die Praxisabläufe und helfe auch den Patienten, so der Hausärzteverband.
Die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung erleichtere die Praxisabläufe und helfe auch den Patienten, so der Hausärzteverband. (Bild: Hannes P. Albert/dpa)

Deutsche Presse-Agentur
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Wer bei einem Arzt bereits bekannt ist und keine schweren Krankheitssymptome hat, soll sich auch künftig telefonisch krankschreiben lassen können. Das gefällt nicht jedem.

Der Hausärzteverband begrüßt die absehbare Möglichkeit, sich künftig generell auch telefonisch krankschreiben lassen zu können. Die Arztpraxen arbeiteten wegen der aktuellen Erkältungs- und Corona-Welle «am Limit», sagte der Verbandsvorsitzende Markus Beier am Donnerstag im Deutschlandfunk. Die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung erleichtere die Praxisabläufe und helfe auch den Patientinnen und Patienten.

Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken will am Donnerstag eine Richtlinienänderung beschließen. Sie soll es unter Bedingungen ermöglichen, dass man auch ohne Praxisbesuch eine Arbeitsunfähigkeit feststellen lassen kann – wenn man in der Praxis bereits bekannt ist und keine schweren Krankheitssymptome hat. Vorbild ist eine Sonderregelung, die es in der Corona-Krise gab, um Ansteckungen zu vermeiden. Sie war im April ausgelaufen. Festgelegt werden soll nun eine Dauermöglichkeit zu telefonischen Krankschreibungen. Hintergrund ist ein entsprechender gesetzlicher Auftrag des Bundestags an den Bundesausschuss.

Beier betonte, die Ärzte hätten immer gefordert, dass die Möglichkeit nur bei «bekannten» Patienten eröffnet werden sollte. Das Missbrauchspotenzial sieht er daher als gering an. Klar sei auch, dass dies nur bei leichteren Erkrankungen zur Anwendung komme, etwa wenn «die Nase läuft und der Kopf etwas drückt». Praktisch würde dies laut Beier so ablaufen, dass jemand beim Empfang anruft und dann vom Arzt zur Abklärung zurückgerufen wird.

«Brauchen Zeit für die wirklich Kranken»

Bei schwereren Symptomen sollten Patienten natürlich weiter in die Praxis kommen, unterstrich Beier. «Wir brauchen Zeit für die wirklich Kranken», mahnte der Verbandschef. Er kritisierte in dem Zusammenhang auch den Stand der Digitalisierung für die Praxen. Aus Sicht von Beier funktioniert diese nicht richtig und «frisst Zeit». Beier sprach von einer «Pseudodigitalisierung» und eine Kampagne für die Papierindustrie.

Die Arbeitgeber haben gegen die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung Bedenken. Der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgebervereinigung BDA, Steffen Kampeter, sieht dies als Maßnahme, die den Betriebsfrieden in den Unternehmen «erheblich herausfordert», wie er dem Deutschlandfunk sagte. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sagte hingegen dem «Handelsblatt»: «Das ist eine wesentliche Entlastung für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Ärzte.»