Werte im Wandel Knigge-Rat feiert 20 Jahre – Schüler beraten für respektvolle Netzkultur

Knigge-Rat feiert 20 Jahre – Schüler beraten für respektvolle Netzkultur
Für eine geplante Handreichung zu Umgangsregeln in sozialen Medien lässt sich der Deutsche Knigge-Rat von Schülern beraten. (Symbolbild: Alicia Windzio/dpa)

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Deutsche Presse-Agentur
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Seit 20 Jahren begleitet der Deutsche Knigge-Rat die Entwicklung gesellschaftlicher Umgangsformen. Zum Jubiläum holt er sich nun Unterstützung von Jugendlichen, um Regeln für respektvolles Verhalten in sozialen Medien zu formulieren.

Zwei Jahrzehnte veränderte Umgangsformen

Die Umgangsformen in der Gesellschaft haben sich aus Sicht des Deutschen Knigge-Rates in den vergangenen 20 Jahren deutlich gewandelt. Anlässlich seines Jubiläums blickt das ehrenamtliche Gremium auf Entwicklungen zurück, die das soziale Miteinander spürbar beeinflussen.

Wie der Vorsitzende Jonathan Lösel mitteilt, will der Knigge-Rat am Mittwoch (26.11.) an der Goetheschule im mittelhessischen Wetzlar gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern einen Leitfaden für eine respektvolle Debattenkultur in den sozialen Medien erarbeiten. Die Beteiligung junger Menschen sei dabei bewusst gewählt, da sie den digitalen Raum besonders gut kennen.

„Höflichkeit weicht gereizter Empfindsamkeit“

Lösel, Coach für Stil und Werte aus Bamberg, beschreibt eine klare Veränderung der Umgangsformen:
Es zeige sich „eine deutliche Verschiebung von wertschätzender Höflichkeit hin zu gereizter Empfindsamkeit“. Menschen reagierten schneller verletzt, fühlten sich schneller angegriffen als noch bei der Gründung des Knigge-Rates vor zwei Jahrzehnten.

Gleichzeitig nehme die Fähigkeit ab, unterschiedliche Meinungen auszuhalten und souverän zu verarbeiten. „Jeder möchte respektiert werden, doch immer weniger Menschen antworten selbst respektvoll“, so der 36-Jährige.

Digitalisierung und anonymes Netz als Herausforderung

Die Digitalisierung hat die Kommunikation grundlegend verändert. Aufmerksamkeit und Achtsamkeit schrumpfen, Geduld nimmt ab. Die geringere Hemmschwelle in anonymen Online-Räumen verschärft diese Entwicklung zusätzlich.
„Digitales Mobbing, harsche Kommentare und ein rauerer Umgangston sind zur Schattenseite unserer vernetzten Welt geworden“, stellt Lösel fest.

Gleichzeitig wachse die Sehnsucht nach echter Begegnung: Nach analogen Momenten, nach echter Zuwendung, nach bewusster Unerreichbarkeit – Dingen, die zunehmend zu einem Luxusgut werden.

Mehr Freiheit im sozialen Miteinander – und mehr Unsicherheit

In den vergangenen Jahrzehnten habe sich die Gesellschaft von starren Benimmregeln gelöst, sagt Lösel. Es gebe mehr Vielfalt, mehr individuelle Lebensentwürfe und mehr Freiheiten.
Doch diese Offenheit bringe auch Unsicherheit mit sich. Immer öfter komme die Frage auf: „Wie mache ich es richtig?“

Der Deutsche Knigge-Rat will mit Empfehlungen Orientierung geben – nicht als strenge Regelwerke, sondern als Hilfsmittel, die Beziehungen stärken und das Miteinander erleichtern.

Empfehlungen für Alltag und soziale Situationen

Das Gremium hat im Laufe der Jahre verschiedene Themen aufgegriffen – etwa den Umgang mit bettelnden Menschen, Regeln für modernen Small Talk oder Hinweise zum angemessenen Verhalten in Apotheken.
Diese Empfehlungen sollen Menschen helfen, sicherer und wertschätzender miteinander umzugehen.

Adolf Freiherr Knigge hat im 18. Jahrhundert das Buch «Über den Umgang mit Menschen» geschrieben - in seiner Nachfolge formuliert der Deutsche Knigge-Rat Verhaltensempfehlungen für das 21. Jahrhundert.
Adolf Freiherr Knigge hat im 18. Jahrhundert das Buch «Über den Umgang mit Menschen» geschrieben – in seiner Nachfolge formuliert der Deutsche Knigge-Rat Verhaltensempfehlungen für das 21. Jahrhundert. (Archivbild: picture-alliance / dpa)

Tradition seit dem 18. Jahrhundert – von Adolph Freiherr Knigge bis heute

Die Arbeit des Knigge-Rats steht in direkter Tradition des Schriftstellers Adolph Freiherr Knigge (1752–1796), der im 18. Jahrhundert sein berühmtes Werk „Über den Umgang mit Menschen“ veröffentlichte.
Heute wird es oft als Benimmratgeber interpretiert – doch eigentlich war es etwas ganz anderes:

Knigge wollte keinen starren Regelkatalog, sondern eine Anleitung zu einem aufmerksamen, wohlwollenden und empathischen Umgang mit Mitmenschen. Ihm ging es um eine zugewandte Herzenshaltung, nicht um das korrekte Benutzen eines Suppenlöffels.

Der Deutsche Knigge-Rat betont regelmäßig, dass diese ursprüngliche Idee auch im 21. Jahrhundert die Basis seiner Arbeit ist. Die Werte von damals – Respekt, Rücksichtnahme, Taktgefühl – sollen heute im digitalen Zeitalter weitergedacht werden.

Mit Hilfe der Schülerinnen und Schüler möchte der Rat diese Tradition nun in die Gegenwart übertragen und sie in einer Zeit verankern, in der Kommunikation zunehmend online stattfindet.

Der Sitz des Deutschen Knigge-Rates befindet sich im nordhessischen Frielendorf. Die Goetheschule in Wetzlar ist ein Oberstufengymnasium.

Dieser Beitrag wurde unter Mitwirkung eines KI-Systems erstellt und von der Redaktion geprüft.