Milde Winter führen dazu, dass Zecken kaum noch Ruhephasen haben. Fachleute warnen deshalb vor neuen Höchstständen bei Hirnhautentzündungen durch FSME.
Im vergangenen Jahr könnten Zecken so viele Hirnhautentzündungen verursacht haben wie noch nie seit Einführung der Meldepflicht. «Die Auswertungen laufen noch, aber es ist jetzt schon abzusehen, dass wir die schon sehr hohen Zahlen von 2024 übertroffen haben werden», sagte Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München zu den Fällen von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
Mit weiter steigenden Zahlen sei zu rechnen, warnte auch die Parasitologin Ute Mackenstedt im Vorfeld des 8. Süddeutschen Zeckenkongresses in Stuttgart.
Dobler: Risiko hat sich dramatisch erhöht
Zecken sind inzwischen das ganze Jahr über aktiv, dringen selbst in kühlere Bergregionen vor und verbreiten das FSME-Virus mittlerweile in ganz Deutschland. Mit ihrer zunehmenden Ausbreitung und Aktivität steigt auch die Zahl der Menschen, die an der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung erkranken. «Das Risiko einer Infektion hat sich dramatisch erhöht», sagte Dobler.
Der bisherige Höchststand lag bei 704 FSME-Erkrankungen im Jahr 2020. «Aktuell haben wir 693 gesicherte FSME-Fälle in 2025», erklärte Dobler. Hinzu kämen rund 100 Verdachtsfälle, die derzeit noch überprüft würden. Dobler leitet Deutschlands nationales Konsiliarlabor für FSME, das unklare Diagnosen bewertet und zugleich die Epidemiologie und Ökologie der Erkrankung beobachtet.
Ganz Deutschland ist ein Risikogebiet
Nach Angaben von Dobler und Mackenstedt führen Baden-Württemberg und Bayern weiterhin die Liste der FSME-Risikogebiete an. Rund 85 Prozent der Krankheitsmeldungen entfallen auf diese beiden Bundesländer. Gleichzeitig sei in allen Regionen Deutschlands ein ansteigender Trend auf niedrigem Niveau zu erkennen. «Wir müssen davon ausgehen, dass ganz Deutschland inzwischen ein FSME-Risikogebiet ist», sagte Mackenstedt.
Als Hauptursache für die steigenden Zahlen sehen die Experten den Klimawandel. Zecken legten keine Winterpause mehr ein, da die Temperaturen zu hoch seien, erklärte die Leiterin des Fachgebiets Parasitologie an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Zudem überlebten deutlich mehr Zecken die inzwischen seltener werdenden Frosttage.