Zeuge erleichtert Gewissen bei der Polizei Junge Mutter erhängt – Anklage in 24 Jahre altem Mordfall

Junge Mutter erhängt – Anklage in 24 Jahre altem Mordfall
Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt in dem fast 25 Jahre alten Mordfall. (Symboloptik) (Bild: David-Wolfgang Ebener/dpa)

Deutsche Presse-Agentur

Fast ein Vierteljahrhundert nach dem Tod einer Mutter von vier Kindern in München gibt es nun eine Anklage. Ein Zeuge hat sein Gewissen bei der Polizei erleichtert.

Fast 25 Jahre nach dem Tod einer jungen Frau in München hat die Staatsanwaltschaft Mordanklage gegen den früheren Ehemann erhoben. Das Verfahren gegen ihn war wieder aufgenommen worden, nachdem ein Zeuge sich bei der Polizei gemeldet und Angaben zum Fall gemacht hatte, wie die Ermittlungsbehörde mitteilte.

Die Polizei hatte bereits bei der Festnahme im Dezember vergangenen Jahres mitgeteilt, den Zeugen habe das Gewissen geplagt. Der Bekannte des Beschuldigten habe sich an die Ermittler gewandt und berichtet, der Ehemann habe ihm gegenüber die Tat damals eingeräumt.

Der Angeklagte war schon direkt nach der Tat im Februar 2000 ins Visier der Ermittler geraten und hatte auch einige Zeit in Untersuchungshaft gesessen – allerdings ohne dass sich der Tatverdacht gegen ihn erhärtete. Die Staatsanwaltschaft München I geht nach erneuten Ermittlungen nun davon aus, dass die Trennung und die Tatsache, dass die Frau einen neuen Partner hatte, «der Anlass für ihre Tötung durch den sehr konservativen und traditionsbehafteten Ehemann war».

Motiv Eifersucht und Besitzdenken? 

Er soll sie «aus Eifersucht und übersteigertem Besitzdenken» in ihrer Wohnung ermordet haben – und zwar gemeinsam mit einem weiteren, bislang unbekannten Täter. Die Staatsanwaltschaft sieht die Mordmerkmale der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe als verwirklicht an. Das Landgericht München I muss nun entscheiden, ob sie die Anklage und die 207 Seiten starke Anklageschrift zur Hauptverhandlung zulässt.

Der Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit, der zuletzt als Lagerist gearbeitet hatte, war nach Polizeiangaben im Dezember festgenommen worden, sagte Stephan Beer vom Kriminalkommissariat 11 damals. Er habe die Vorwürfe zurückgewiesen und versichert, nichts mit der Tat zu tun zu haben. Allerdings war am Tatort auch seine DNA gefunden worden – an einer Stelle, die für die Tathandlung relevant gewesen sei, sagte Beer.

Die ebenfalls türkischstämmige 28 Jahre alte Mutter von vier kleinen Töchtern war am Abend des 20. Februar 2000 tot in ihrer Wohnung im Münchner Stadtteil Hasenbergl gefunden worden – erhängt an einem Knauf des Kleiderschrankes.