Nach der Tötung von Irans oberstem Führer Ajatollah Ali Chamenei setzen die USA und Israel ihre Angriffe fort. Der Iran schlägt zurück – und erhält nun Unterstützung aus dem Libanon.
Der Konflikt mit dem Iran verschärft sich weiter. In der Nacht feuerte die libanesische Hisbollah-Miliz Raketen auf Israel ab und greift damit an der Seite Teherans in den Krieg gegen den Erzfeind ein. Gleichzeitig dauern sowohl die Angriffe der USA und Israels im Iran als auch die Gegenangriffe Teherans auf Israel und Golfstaaten an.
Israel kündigt längere Gefechte an
Auf die Raketenangriffe reagierte Israel mit Luftschlägen auf südliche Vororte Beiruts sowie weitere Gebiete im Libanon. Am Morgen folgte eine weitere Angriffswelle. Nach Angaben der israelischen Armee richteten sich die Schläge unter anderem gegen Waffenlager der Hisbollah.
Das libanesische Gesundheitsministerium meldete vorläufig mindestens 31 Tote und 149 Verletzte. Israels Militär erklärte, ranghohe Mitglieder der Hisbollah angegriffen zu haben. Ein weiteres Mitglied sei im Süden des Landes getroffen worden.
Armeechef Ejal Zamir sagte: «Wir agieren nicht nur defensiv, sondern gehen nun auch in die Offensive. Wir müssen uns auf viele Tage langwieriger Kämpfe einstellen.»
Bruch der Waffenruhe
Seit Beginn einer Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah im November 2024 war es das erste Mal, dass die schiitische Miliz wieder Raketen auf Israel abfeuerte. Sie begründete den Angriff mit der Tötung Chameneis bei einem israelischen Luftangriff am Samstag in Teheran.
Nach israelischen Angaben wurde ein Geschoss abgefangen, weitere schlugen in unbewohntem Gelände ein. Israel und die Hisbollah hatten bis Ende 2024 Krieg geführt. Zwar gilt die Miliz als deutlich geschwächt, ihr werden jedoch weiterhin erhebliche militärische Fähigkeiten zugeschrieben.

Iran startet weitere Angriffe auf Israel
Nach Angaben des israelischen Militärs hat der Iran am Morgen erneut Raketen auf Israel abgefeuert. Die Verteidigungssysteme seien aktiviert worden, teilte die Armee mit, später wurde Entwarnung gegeben. In der Nacht hatte die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben eine weitere Angriffswelle gegen Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran begonnen. Seit Samstag greifen Israel und die verbündeten USA den Iran an.
Iranischen Berichten zufolge wurde dabei eine Klinik beschädigt. Das Gandhi-Krankenhaus in Teheran sei am späten Sonntagabend von einer Rakete getroffen worden, meldeten mehrere iranische Medien übereinstimmend.
Golfstaaten reagieren mit scharfer Kritik
Der Iran richtet seine Gegenangriffe nicht nur gegen Israel, sondern auch gegen Golfstaaten mit US-Militärstützpunkten. Die Länder am Persischen Golf verurteilten die «ungerechtfertigte» Attacke auf ihre Gebiete. Die Außenminister des Golfkooperationsrats (GCC) erklärten, man werde «alle nötigen Maßnahmen» ergreifen, um Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten und die Bevölkerung zu schützen – «einschließlich der Option, auf die Aggression zu antworten».
Bislang hätten Saudi-Arabien, Katar, Oman, Bahrain, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) die iranischen Angriffe lediglich abgewehrt, aber nicht zurückgeschlagen. Auch die USA sowie mehrere arabische Staaten kritisierten Irans Gegenangriffe in einer gemeinsamen Erklärung. Diese seien eine gefährliche Eskalation, verletzten die Souveränität mehrerer Länder und gefährdeten die Stabilität der Region, teilte das US-Außenministerium mit.
Angriffe im Irak und diplomatische Schritte
Eine mit dem Iran verbündete Miliz im Irak erklärte, einen US-Stützpunkt nahe dem Flughafen der Hauptstadt Bagdad mit einer Drohne angegriffen zu haben. Saraja Aulija al-Dam sprach von «Vergeltung» für Chameneis Tod und von «Unterstützung» für den Iran. Eine Bestätigung durch irakische Behörden oder das US-Militär lag zunächst nicht vor.
Die Vereinigten Arabischen Emirate kündigten an, ihre Botschaft in Teheran zu schließen und den Botschafter sowie das diplomatische Personal abzuziehen. Das Militär des Landes habe bislang 152 ballistische Raketen und 506 Drohnen aus dem Iran abgewehrt. In Bahrain fielen Trümmer einer abgefangenen Rakete auf ein Schiff und lösten einen Brand aus. Ein Arbeiter kam dabei ums Leben, wie das Innenministerium auf X mitteilte.
Europäische Staaten warnen
Deutschland, Frankreich und Großbritannien forderten den Iran auf, die Angriffe einzustellen. In einer gemeinsamen Erklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem britischen Premier Keir Starmer hieß es, die Attacken seien «wahllos und unverhältnismäßig». Man behalte sich militärische Abwehrmaßnahmen vor.
In der Nacht wurde zudem der britische Luftwaffenstützpunkt Akrotiri auf Zypern von einer mutmaßlichen Drohne getroffen, wie das Verteidigungsministerium in London laut Nachrichtenagentur PA bestätigte. Verletzte gab es nicht. Wer für den Angriff verantwortlich ist, war zunächst unklar.

USA und Israel greifen weiter an
Derweil greifen die USA und Israel den Iran weiter an. Dabei werden vor allem Mitglieder der Staats- und Militärführung ins Visier genommen. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte am Sonntagabend die Namen von sieben getöteten Generälen. Darunter sind Mohammed Schirasi, der Stabschef des getöteten Chamenei und dessen Stellvertreter Akbar Ebrahimzadeh.
«Die Kampfhandlungen werden derzeit mit voller Kraft fortgesetzt und werden so lange andauern, bis alle unsere Ziele erfüllt sind», sagte US-Präsident Trump. Der Iran sieht seine Fähigkeiten, Krieg zu führen, durch die amerikanisch-israelischen Bombardierungen nicht eingeschränkt. Dezentralisierte Verteidigungsstrukturen ermöglichten seinem Land, den Krieg nach Belieben in die Länge zu ziehen, schrieb Irans Außenminister Abbas Araghtschi auf X.