Witze über Trump, Reden gegen die Einwanderungsbehörde ICE und ein spanischsprachiger Sieger in einer der wichtigsten Kategorien: Die Grammys präsentierten sich in diesem Jahr ungewöhnlich politisch.
Bei einer stark politisch geprägten Grammy-Gala hat der US-Rapper Bad Bunny den Preis für das beste Album gewonnen. Mit «DeBÍ TiRAR MáS FOToS» wurde in Los Angeles erstmals ein Album ausgezeichnet, dessen Songtexte in dieser zentralen Kategorie vollständig auf Spanisch sind.
Das Werk ist eine Hommage Bad Bunnys an seine Heimat Puerto Rico und thematisiert unter anderem kulturelle Identität und Kolonialismus. Der 31-Jährige nutzte – wie mehrere andere Stars – die Bühne für politische Botschaften. Einige Prominente trugen Anstecknadeln mit der Aufschrift «ICE Out» als Kritik am Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde. Moderator Trevor Noah wiederum machte sich mit Seitenhieben über US-Präsident Donald Trump bemerkbar.
Trump schimpft über Grammys
Seit Trumps zweiter Amtsübernahme ist bei keiner live im US-Fernsehen übertragenen Entertainment-Gala so geballt Kritik an seiner Politik geäußert worden wie bei dieser Veranstaltung.
Der US-Präsident reagierte darauf deutlich. Die Musikpreisverleihung sei «Müll» und «praktisch nicht anschaubar», schrieb Trump kurz nach dem Ende der Gala auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social. Moderator Noah bezeichnete er als «totalen Verlierer» ohne Talent und drohte ihm mit einer Klage.
Kendrick Lamar gewinnt die meisten Trophäen
Die Grammys, die zu den begehrtesten Musikpreisen weltweit zählen, wurden in diesem Jahr zum 68. Mal verliehen. Über die Gewinner entscheiden rund 13.000 Mitglieder der Recording Academy.
Die meisten Auszeichnungen in Form goldener Grammophone gingen an den Rapper Kendrick Lamar. Er war mit den meisten Nominierungen in den Abend gestartet und gewann schließlich fünf von neun möglichen Preisen.
Bad Bunny: «ICE raus!»
Bad Bunny, der bürgerlich Benito Antonio Martínez Ocasio heißt, erhielt außerdem die Auszeichnungen für «Bestes Música Urbana Album» und «Best Global Music Performance». Auf der Bühne äußerte der 31-Jährige scharfe Kritik an der US-Einwanderungsbehörde ICE: «Bevor ich Gott danke, sage ich: ICE raus!».
Weiter sagte er: «Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Fremden, wir sind Menschen, und wir sind Amerikaner.» Das Publikum reagierte mit Standing Ovations, Jubel und langanhaltendem Applaus.
Die Ehrung für das beste Album widmete Bad Bunny später «all den Menschen, die ihre Heimat, ihr Land verlassen mussten, um ihren Träumen zu folgen». Der Puertoricaner hatte bereits zuvor Abschiebungen und Razzien kritisiert und angekündigt, aus Angst vor Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE im Rahmen seiner Welttournee vorerst keine Konzerte in den USA zu geben.
«Das Einzige, was stärker ist als Hass, ist Liebe», sagte er auf der Bühne. «Deshalb müssen wir anders sein. Wenn wir kämpfen, müssen wir es mit Liebe tun. Wir hassen sie nicht. Wir lieben unser Volk.»
Billie Eilish: «Fuck ICE»
Auch Billie Eilish, die den Grammy für den Song des Jahres gewann, fand deutliche Worte. «So dankbar ich auch bin, ich habe ehrlich gesagt nicht das Bedürfnis, etwas anderes zu sagen als: Niemand ist illegal auf gestohlenem Land», sagte die 24-Jährige und erntete dafür Jubel und Applaus aus dem Publikum.
«Es ist wirklich schwer zu wissen, was man jetzt sagen und tun soll», fuhr die US-Amerikanerin fort. «Ich bin voller Hoffnung in diesem Raum und habe das Gefühl, dass wir einfach weiterkämpfen, unsere Stimme erheben und protestieren müssen. Unsere Stimmen sind wirklich wichtig, und die Menschen sind wichtig. „Fuck ICE“ ist alles, was ich sagen möchte.»
Die britische Sängerin Olivia Dean, die den Grammy als beste Nachwuchskünstlerin gewann, hob hervor, dass auch sie aus einer Einwandererfamilie stamme. Diese mutigen Menschen müssten gefeiert werden. «Wir sind nichts ohne einander.» Die Sängerin SZA rief dazu auf, trotz dieser «Angst machenden Zeiten» nicht der Verzweiflung zu erliegen.
Trevor Noah immer wieder mit scharfer Trump-Kritik
Besonders deutliche Kritik an US-Präsident Donald Trump kam von Trevor Noah, der die Gala zum sechsten Mal moderierte – und wie er mit Blick auf Trump betonte, zum letzten Mal. «Ich glaube an Amtszeitbegrenzungen. Ich möchte ein Beispiel setzen für jeden, der die Show anschaut.» Da es seine letzte Moderation sei, könne er sich einiges erlauben. «Ich habe euch gesagt, es ist mein letztes Mal. Was wollt ihr machen?»
In den USA gebe es inzwischen ein neues Trinkspiel, scherzte der 41-Jährige. «Jedes Mal, wenn man die Nachrichten anschaltet, trinkt man.» Außerdem sei «Anxiety» – ein Song der Rapperin Doechii – nun die neue Nationalhymne des Landes.

«Wenn die Dinge hier weiter schlechter werden, kann ich dann zu dir nach Puerto Rico kommen und da leben?», fragte er Bad Bunny. «Ich brauche einen Plan B.» Bad Bunny stellte daraufhin jedoch klar, dass Puerto Rico zu den USA gehört.
Nach der Grammy-Verleihung an Billie Eilish legte Moderator Trevor Noah erneut nach. Das sei eine Auszeichnung, die jeder haben wolle – «genau so sehr wie Trump Grönland will. Epsteins Insel ist weg. Er braucht eine neue, um mit Bill Clinton abzuhängen.»
Grammy für Dalai Lama, K-Pop – und Spielberg wird EGOT
Für Gesprächsstoff sorgten jedoch nicht nur politische Wortmeldungen. In diesem Jahr gab es mehrere prominente Grammy-Premieren. So erhielt der Dalai Lama seinen ersten Grammy für das Hörbuch «Meditations: The Reflections of His Holiness the Dalai Lama».
Auch Regisseur Steven Spielberg wurde erstmals mit einem Grammy ausgezeichnet – als Produzent des «Besten Musikfilms» «Music for John Williams». Der 79-Jährige gehört damit nun zu dem exklusiven Kreis der sogenannten EGOT-Preisträger, die Emmy, Grammy, Oscar und Tony gewonnen haben.
Zudem wurde erstmals ein Grammy für einen K-Pop-Song vergeben. Der Titel Golden aus dem Netflix-Erfolgsfilm KPop Demon Hunters wurde als bester für visuelle Medien geschriebener Song ausgezeichnet.
Nackt-Mode sorgt für Aufsehen
Für Aufsehen sorgten bei der Gala auch freizügige Outfits. Die US-Sängerin Chappell Roan (27) erschien auf dem roten Teppich in einem nahezu durchsichtigen, burgunderfarbenen Kleid, das an zwei Piercings an ihren Brustwarzen befestigt war. Später wechselte Roan jedoch ihr Outfit und zeigte sich bei der Gala deutlich bedeckter.

Der kanadische Popstar Justin Bieber (31) wählte den entgegengesetzten Weg: Auf dem roten Teppich zeigte er sich zunächst noch im Anzug an der Seite seiner Ehefrau Hailey Bieber. Später stand er jedoch nur in Boxershorts und Socken auf der Grammy-Bühne und spielte einen Song.
Das deutsche Model Heidi Klum erschien in einem sehr eng geschnittenen, beigefarbenen Latex-Kleid.

Cher zeigt sich verwirrt
Die Musik-Ikone Cher sorgte weniger mit ihrer Garderobe als mit einem etwas verwirrt wirkenden Auftritt für Aufmerksamkeit. Die 79-Jährige nahm zunächst eine Ehren-Auszeichnung entgegen und hielt eine kurze Dankesrede. Anschließend sollte sie den Grammy für die beste Aufnahme des Jahres überreichen, setzte jedoch dazu an, die Bühne zu verlassen. Moderator Trevor Noah musste sie daraufhin bitten, zu bleiben.
Daraufhin öffnete Cher den Umschlag mit dem Namen des Preisträgers und verkündete: «Der Grammy geht an Luther Vandross.» Kurz darauf korrigierte sie sich: «Der Grammy geht an Kendrick Lamar.»
Der Musiker Luther Vandross ist bereits im Jahr 2005 gestorben. Rapper Lamar hatte seinen Song «luther», für den er nun gemeinsam mit der Sängerin SZA einen Grammy erhielt, nach Vandross benannt und dafür auch Teile von dessen Musik verwendet.