Fasten liegt im Trend Fasten als Selbsttest und Reset-Schritt: «mal was aushalten»

Fasten als Selbsttest und Reset-Schritt: «mal was aushalten»
Der Wunsch nach Kontrolle über Körper und Gesundheit kann laut Experten beim Fasten eine Rolle spielen. (Bild: Ralf Hirschberger/dpa)
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Deutsche Presse-Agentur
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Fasten war lange Zeit eng mit Religion verbunden. Wenn Menschen heute auf Süßigkeiten, Fleisch oder das Internet verzichten, geht es dabei auch um Gesundheit, den bewussten Verzicht auf Überkonsum, Achtsamkeit oder Selbstoptimierung.

Mindestens fünf Tage lang nimmt er ausschließlich Wasser zu sich, anschließend verzichtet er fast sechs Wochen auf Alkohol, Fleisch und Zuckerzusätze. «Ich faste seit über zehn Jahren immer ab Aschermittwoch», sagt Max König (33) aus Gummersbach bei Köln. «Beim Wasserfasten komme ich in einen extremen Zustand, ein bisschen hardcore. Aber ich bin fit und klar im Kopf, und als gesunder Mensch kann man mal was aushalten».

Begonnen hatte er damit Anfang 20, zunächst mit dem Verzicht auf Alkohol. «Ich habe gelernt, Nein zu sagen und mir danach immer neue Challenges gesucht», schildert der Wirtschaftsingenieur. Der Verzicht auf Zucker habe ihm anfangs stark zu schaffen gemacht – mit heftigen Kopfschmerzen. In manchen Jahren sind für ihn außerdem Produkte mit Zusatzstoffen tabu. Das Fasten empfindet er zwar als «manchmal hart». Dennoch habe es nachhaltig einen positiven Einfluss auf seine Ernährungsweise.

Es muss nicht strikter Verzicht beim Essen sein - Fasten kann sich auch auf TV oder Autofahren beziehen. (Foto: picture alliance / dpa)
Es muss nicht strikter Verzicht beim Essen sein – Fasten kann sich auch auf TV oder Autofahren beziehen. (Foto: picture alliance / dpa)

Der Verzicht reicht vom Wurstbrot bis zum Fernsehen

«Wenn man heute betrachtet, worauf Menschen verzichten, ist das sehr vielfältig», berichtet Eva Barlösius von der Leibniz Uni Hannover. «Es wird bewusst auf etwas verzichtet, das einem lieb und angenehm geworden ist. Das können Fleisch, Süßigkeiten oder Alkohol sein, aber auch das Smartphone, Fernsehen oder Autofahren.» Dabei gehe es teilweise auch um eine Abkehr von Gewohnheiten, die man wieder stärker kontrollieren wolle.

Häufig werden Dinge weggelassen, die «etwas Suchthaftes haben», erklärt die Soziologin. Eine feste zeitliche Vorgabe gebe es nicht, das sei eine sehr persönliche Entscheidung. «Es ist egal, wie lange man fastet.» Barlösius betont jedoch: «Fasten ist zeitlich begrenzt. Sonst ist es nicht mehr Fasten, sondern ein Lebensstil.» Ein Beispiel: Wochenlang keine Wurst und kein Fleisch zu essen, sei Fasten. Immer ohne Wurst und Fleisch zu leben, sei ein vegetarischer Lebensstil.

Wie verbreitet ist der freiwillige Verzicht?

In einer von der DAK-Gesundheit beauftragten repräsentativen Forsa-Umfrage geben 72 Prozent der gut 1.000 Befragten ab 18 Jahren an, dass sie einen Verzicht aus gesundheitlichen Gründen für sinnvoll halten. Mehr als die Hälfte erklärte, bereits mehrfach vorübergehend auf Genussmittel oder Konsumgüter verzichtet zu haben. Besonders groß ist die Zustimmung in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen. Alkohol, Süßes und Fleisch standen in der Umfrage vom März 2025 ganz oben auf der Liste.

Nach Angaben von Barlösius betrachten viele Fastende ihren Verzicht «als Möglichkeit, Selbstbefähigung, Selbstkontrolle und Selbstbestimmtheit wiederzugewinnen». Die Form des Fastens werde heute individuell gewählt. Motivation und Hintergründe hätten sich damit deutlich verändert. «Das Fasten war in der Geschichte lange eng assoziiert mit Religion, und das ist sicher der Ursprung.»

Aus der katholischen Tradition heraus hat sich für viele der Aschermittwoch als Beginn der Fastenzeit etabliert. Auch Max König berichtet: «Ich starte an Aschermittwoch, aber nicht aus religiösen Gründen, sondern weil es da am meisten akzeptiert ist und keine Fragen gestellt werden.»

Menschen fasten aus unterschiedlichen Gründen und auf viele Arten. (Foto: picture alliance / dpa)
Menschen fasten aus unterschiedlichen Gründen und auf viele Arten. (Foto: picture alliance / dpa)

Fasten als komplexes Thema und Wohlstandsphänomen

Das Thema sei vielschichtig, betont Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder. Vielen gehe es darum, etwas für ihre Gesundheit zu tun und sich selbst zu optimieren. «Wir sind in einer Zeit, in der mehr Menschen über Ernährung gut Bescheid wissen. Wir sind in Teilen der Gesellschaft von unachtsamen zu achtsamen Essern geworden.» Der bewusste Verzicht passe gut in diese Entwicklung.

Zugleich spricht er von einem Wohlstandsphänomen. Besonders verbreitet sei das Fasten unter «urbanen jungen und mittelalten Menschen, die eher gebildet und gut situiert» sind. «Es handelt sich häufig um Leute, die das Fasten eigentlich gar nicht nötig hätten.» Bei ihnen kämen Alkohol, Fettiges oder Süßes im Alltag ohnehin selten auf den Tisch.

Der Forscher der Uni Regensburg warnt, dass Fasten vor allem für junge Menschen kritisch werden könne, wenn es in sozialen Medien mit «dem Imperativ schlank zu sein und einen bestimmten Normkörper zu erreichen» verknüpft werde. Zudem passe Fasten für viele Menschen schlicht nicht in ihre Lebensrealität.

Motive und Methoden sind breit gefächert

Hirschfelder glaubt, dass das «christliche Fasten» heute in weiten Teilen der Bevölkerung eher negativ wahrgenommen werde. Anders sei es beim islamischen Fastenmonat Ramadan, dessen Beginn in diesem Jahr nahezu zeitgleich mit dem Aschermittwoch liegt. «In größeren Teilen der islamischen Community hat sich eine neue positive, identitätsstiftende Fastenpraxis herausgebildet.»

Das abendliche Fastenbrechen sei wegen der Gemeinschaft «ein ganz großes Thema», sagt der Forscher. Viele Muslime verzichten im Ramadan tagsüber – von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang – auf Essen und Trinken, bevor abends meist in größerer Runde gemeinsam gegessen wird.

Methoden und Mittel sind breit gefächert

Zur Auswahl stehen zahlreiche Formen wie Intervallfasten, Dry January, Heilfasten oder Digital Detox – ebenso wie viele individuelle Methoden ohne festes Label. Für Max König ist dabei entscheidend: «Der Benefit ist nachhaltig.» Durch das Fasten kenne er sich inzwischen gut mit gesunder Ernährung aus, seine «Achtsamkeit für Fleisch» habe sich verändert. Und: «Es ist auch mental ein Erfolg, mal länger durchzuhalten.»

Dieser Beitrag wurde unter Mitwirkung eines KI-Systems erstellt und von der Redaktion geprüft.