EU: Müssen uns auf Millionen Flüchtlinge vorbereiten

Flüchtlinge aus der Ukraine kommen in Budapest an. Innerhalb kürzester Zeit müssen wegen der russischen Aggression immer mehr Menschen aus der Ukraine fliehen.
Flüchtlinge aus der Ukraine kommen in Budapest an. Innerhalb kürzester Zeit müssen wegen der russischen Aggression immer mehr Menschen aus der Ukraine fliehen. (Bild: Zoltan Balogh/MTI/dpa)

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Wegen der russischen Invasion sind bereits mehr als eine Million Menschen aus der Ukraine geflohen. Laut EU könnte ihre Zahl noch deutlich steigen

Brüssel (dpa) – Die EU-Kommission erwartet wegen des russischen Kriegs gegen die Ukraine eine riesige Fluchtbewegung. Man befinde sich in einer «sehr, sehr gefährlichen Situation», sagte EU-Innenkommissarin Ylva Johansson am Rande eines Treffens der EU-Innenminister in Brüssel.

«Wir müssen uns auf Millionen Flüchtlinge vorbereiten, die in die Europäische Union kommen.» Schon jetzt haben nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) seit Beginn des Ukraine-Kriegs mehr als eine Million Menschen das Land verlassen. Alleine in Polen haben bislang mehr als 500.000 Menschen Zuflucht gesucht.

Johansson würdigte die Hilfe, die von den Bürgern in den EU-Staaten für die Flüchtenden geleistet werde. «Dies ist wirklich ein Moment, um stolz darauf zu sein, Europäer zu sein.» Sie erwarte, dass vom Treffen der Innenminister ein starkes Zeichen der Solidarität mit den besonders betroffenen EU-Staaten ausgehe. Diese hätten zwar bislang nicht darum gebeten, ihnen Schutzsuchende abzunehmen. «Aber wir brauchen finanzielle Mittel, wir brauchen Ausrüstung.» Experten schätzen, dass mehr als zwei Drittel der Kriegsflüchtlinge in den Nachbarländern bleiben wollen.

Ungarn: Drehscheibe für Ukraine-Flüchtlinge

Das mitteleuropäische EU-Land Ungarn wird zunehmend zur Drehscheibe für Ukrainer und Ukrainerinnen, die auf der Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat nach Tschechien wollen. «Die langen Staus an der Grenze zu Polen haben viele veranlasst, den Weg über Ungarn zu nehmen», erklärte die Sprecherin des Hilfswerks der Baptisten in Ungarn, Szilvia Revesz, am Donnerstag in der ungarischen Grenzgemeinde Tiszabecs. Viele Ukrainer arbeiten und leben in Tschechien, sie wollen ihre Angehörigen aus dem von Russland angegriffenen Land herausholen.

«Es kommen fast nur Frauen und Kinder, Männer zwischen 18 und 60 Jahren unterliegen der Wehrpflicht in der Ukraine», fügte Revesz hinzu. Die Baptisten richteten nahe dem Grenzübergang Tiszabecs, in der Grundschule der Gemeinde, ein Erstaufnahme- und Logistikzentrum ein. «Wir versorgen durchschnittlich 1500 bis 2000 Geflohene am Tag mit Lebensmitteln, wir organisieren Unterkünfte und Transportmöglichkeiten.»