Biden: USA verhängen Importverbot für russisches Öl

«Wir können also diesen Schritt unternehmen, wenn andere es nicht können», sagt US-Präsident Biden mit Blick auf die europäische Abhängigkeit von russischem Öl.
«Wir können also diesen Schritt unternehmen, wenn andere es nicht können», sagt US-Präsident Biden mit Blick auf die europäische Abhängigkeit von russischem Öl. (Bild: Andrew Harnik/AP/dpa)

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Der US-Präsident spricht von einem weiteren schweren Schlag für die «Kriegsmaschinerie Putins». Auch Großbritannien will bis Ende dieses Jahres auf Öl aus Russland verzichten.

Washington (dpa) – Als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erlassen die USA ein Importverbot für Öl aus Russland.

«Das bedeutet, dass russisches Öl in US-Häfen nicht mehr angenommen wird und die Amerikaner der Kriegsmaschinerie Putins einen weiteren schweren Schlag versetzen werden», sagt US-Präsident Joe Biden bei einem kurzfristig anberaumten Auftritt im Weißen Haus. Unklar blieb zunächst, ab wann das Importverbot gilt.

Biden sagte, die Maßnahme sei mit europäischen Verbündeten abgestimmt. Man wisse aber, «dass viele unserer europäischen Verbündeten und Partner möglicherweise nicht in der Lage sind, sich uns anzuschließen», fügte er hinzu. «Wir können also diesen Schritt unternehmen, wenn andere es nicht können. Aber wir arbeiten eng mit Europa und unseren Partnern zusammen, um eine langfristige Strategie zu entwickeln, die auch ihre Abhängigkeit von russischer Energie verringert.»

Das Importverbot erstreckt sich nach Bidens Worten auch auf andere russische Energieträger wie beispielsweise Gas. Ihr Gas produzieren die USA aber weitgehend selbst, bei den Importen spielt Russland keine Rolle.

Großbritannien: Verzicht auf russisches Öl bis Jahresende

Auch Großbritannien will bis Ende dieses Jahres kein Öl mehr aus Russland importieren. «Diese Übergangsphase wird dem Markt, Unternehmen und Lieferketten mehr als genug Zeit geben, um russische Importe zu ersetzen», schreibt der britische Wirtschaftsminister Kwasi Kwarteng auf Twitter. Der Anteil des russischen Öls an der britischen Nachfrage mache derzeit acht Prozent aus.

Gasimporte aus Russland sind zunächst nicht betroffen. Kwarteng kündigte jedoch an, auch hier Möglichkeiten für einen Ausstieg zu prüfen. Der Anteil von russischem Gas mache nur vier Prozent der britischen Versorgung aus, so Kwarteng weiter.

Habeck lehnt Embargo für Deutschland ab

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hatte im Falle eines westlichen Embargos russischer Energielieferungen vor schweren Schäden für Deutschland gewarnt. «Wir reden dann über eine schwere Wirtschaftskrise in Deutschland und damit in Europa», sagte der Grünen-Politiker RTL/ntv. Er betonte, die Situation sei nicht vergleichbar mit den USA. «Das wissen auch die Amerikaner.»

Europäische Staaten wie Deutschland sind erheblich stärker auf russische Energieimporte angewiesen als die USA. Im vergangenen Jahr war Russland nach Angaben der US-Energieinformationsbehörde (EIA) das drittwichtigste Land für Einfuhren von Rohöl und Erdölprodukte für die USA – hinter Kanada und Mexiko. Die Einfuhren aus Russland mit einem Volumen von 672.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag machten knapp acht Prozent aller US-Importe in dieser Kategorie aus.

Der Anteil russischer Importe an den Rohöleinfuhren nach Deutschland liegt nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums bei rund 35 Prozent.

Auch in den USA bereiten die Spritpreise Sorgen

Wegen des Kriegs in der Ukraine war der Druck auf die US-Regierung auch aus dem Kongress gewachsen, zu bereits verhängten Strafmaßnahmen ein Einfuhrverbot für russisches Öl hinzuzufügen. Allerdings bereiten auch der US-Regierung die Benzinpreise Sorgen, deren Anstieg durch den Krieg verstärkt wurde.

Am vergangenen Sonntag war der Preis für eine Gallone (knapp 3,8 Liter) Normalbenzin im landesweiten Durchschnitt erstmals seit 2008 auf mehr als vier Dollar (3,68 Euro) gestiegen.

Welche Rolle Russland beim Öl spielt

Deutschland lag 2020 beim Mineralölverbrauch mit 93,7 Millionen Tonnen auf Rang 10, insgesamt war es sechstgrößter Importeur weltweit. Bekannt ist schon, dass 2021 mehr als ein Drittel der deutschen Öleinfuhren aus Russland stammte. Im Vorjahr war Russland zweitgrößter Ölexporteur der Welt: Die rund 232 Millionen Tonnen entsprachen in etwa zwei Dritteln der Menge, die Weltmarktführer Saudi-Arabien international verkaufte.

Eine Tonne entspricht in etwa sieben Barrel. Die Umrechnung für Rohöl ist jedoch nicht eindeutig, da die Dichte je nach Ölsorte etwas schwankt.

Bei den weltweiten Erdölressourcen lag Russland nach Daten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) im Jahr 2020 mit knapp 85 Milliarden Tonnen auf Rang zwei hinter den USA (118 Milliarden Tonnen. In der Förderung von 2015 bis 2020 hatten die Vereinigten Staaten mit 17,9 Prozent den größten Anteil, auch hier kam danach Russland mit 12,3 Prozent – vor dem Schwergewicht Saudi-Arabien (12,0 Prozent).