Tatverdächtiger in Psychatrie AfD-Kommunalpolitiker in Mannheim verletzt

AfD-Kommunalpolitiker in Mannheim verletzt
Der Marktplatz in Mannheim-Rheinau. In Mannheim ist ein AfD-Gemeinderatskandidat am späten Dienstagabend mit einem Messer angegriffen worden. Der Mann sei verletzt worden, wie die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch erfuhr. Der Täter sei festgenommen worden. (Bild: Rene Priebe/dpa)

Deutsche Presse-Agentur

Wieder ein Vorfall mit einem Messer in Mannheim. Und erneut ein verletzter Politiker: Dieses Mal muss ein Kommunalwahlkandidat der AfD ins Krankenhaus. Empörung kommt auch aus anderen Parteien.

Ein AfD-Kandidat für die Kommunalwahl in Mannheim ist bei der Verfolgung eines Wahlplakate-Diebes mit einem Messer verletzt worden. Ein 25 Jahre alter Tatverdächtiger wurde gefasst und kam nach Angaben der Ermittler in ein psychiatrisches Krankenhaus. Bei der Festnahme habe es deutliche Hinweise auf eine psychische Erkrankung gegeben, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit.

«Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand liegen keine konkreten Hinweise vor, dass der Tatverdächtige bei dem Angriff erkannt hatte, dass es sich bei dem Geschädigten um einen AfD-Politiker handelt.» Das Opfer sei nicht lebensgefährlich verletzt worden. Der Betroffene, Heinrich Koch, sagte der Deutschen Presse-Agentur, er gehe von einem politischen Motiv aus. Im Netz habe es zuvor Aufrufe zu Angriffen auf AfD-Politiker in Mannheim gegeben.

Tatwerkzeug Cuttermesser

Der Beschuldigte soll am Dienstagabend mehrere Wahlplakate beschädigt und entwendet haben, teilten die Ermittler weiter mit. Zeugen alarmierten der Mitteilung zufolge die Polizei. Der AfD-Politiker habe das Geschehen ebenfalls bemerkt, den Tatverdächtigen verfolgt und gestellt. Der 25-Jährige solle daraufhin den Verfolger mit einem Cuttermesser verletzt haben, hieß es. Das Opfer sei in ein Krankenhaus gekommen.

Der mutmaßliche Täter sei nach dem Vorfall geflohen, teilten die Ermittler weiter mit. Polizisten hätten ihn widerstandslos festnehmen können. Die Staatsanwaltschaft wolle einen Unterbringungsbefehl beim Amtsgericht beantragen.

Nach Angaben des AfD-Kreisverbands ereignete sich der Vorfall in der Nähe des Marktplatzes im Mannheimer Stadtteil Rheinau. Koch sagte, er habe nach einer Veranstaltung am späten Dienstagabend mehrere Männer entdeckt, einer davon sei mit AfD-Plakaten unterwegs gewesen. Er habe Umstehende gebeten, die Polizei zu informieren, dann sei er dem Mann mit den Plakaten hinterher. «Ich dachte, ich muss die einfach stellen.»

Video zeigt Vorfall

Koch sagte, er habe sein Handyvideo angeschaltet – «auch als Eigensicherung». Er habe zunächst nicht erkannt, dass der junge Mann mit den Plakaten ein Messer in der Hand habe, habe sich dann automatisch geschützt und weggedreht. Seine Schnittverletzungen am Ohr und am Bauch habe er zunächst nicht wahrgenommen, er sei dem flüchtenden Verdächtigen hinterhergelaufen. «Das habe ich nicht gemerkt im Adrenalinrausch, ich wollte ihn stellen.»

Das Video, das der dpa von der AfD weitergegeben wurde, zeigt, wie der Filmende einem Mann über den Marktplatz hinterherläuft und schreit «Stopp! Bleiben Sie stehen!». Der jüngere Mann trägt mehrere AfD-Wahlplakate unter dem Arm und hat ein Teppichmesser in der Hand. «Sofort hinlegen!», ruft der Filmende. Dann entsteht ein Handgemenge. Zu sehen ist, wie der Mann mit dem Messer ausholt, die restlichen Bilder sind verwackelt.

AfD spricht zunächst von Linksextremisten

Die Partei hatte zunächst von einer Attacke von Linksextremisten gesprochen – davon war später in der Mitteilung der Ermittler keine Rede. «Wir sind erschrocken und bestürzt», sagte AfD-Landeschef Markus Frohnmaier. Der Vorsitzende der AfD-Fraktion im baden-württembergischen Landtag, Anton Baron, bewertete den Vorfall als Ausdruck totalitärer Machtphantasien: «Egal ob Islamismus oder Linksextremismus – wer weder Meinungsfreiheit akzeptiert noch vernünftige Argumente hat, greift inzwischen zum Messer. Das ist bestürzend und zeigt, wie tief die Spaltung unserer Gesellschaft inzwischen vorangeschritten ist.»

Erst am Freitag hatte ein mutmaßlich islamistisch motivierter Mann in Mannheim mehrere Menschen bei einer Kundgebung der islamkritischen Bewegung Pax Europa mit einem Messer angegriffen, ein Polizist starb.

AfD-Chefin Alice Weidel kritisierte die Ampel-Koalition und die Medien: «Mit ihrer Hetze gegen die Opposition schaffen Ampel & Medien ein Klima, in dem selbst vor extremen körperlichen Attacken nicht mehr zurückgeschreckt wird», schrieb die Partei- und Fraktionsvorsitzende auf der Plattform X. «Wir verurteilen diese Gewalt und fordern dazu auf, sich endlich auf die minimalen demokratischen Gepflogenheiten zu besinnen!»

OB: «Feige Tat ist abscheulich und durch nichts zu rechtfertigen»

Der Vorfall ist auch nicht der erste Angriff auf Politiker und Politikerinnen. In den vergangenen Wochen hatten mehrere Fälle offensichtlich politischer Attacken für Aufsehen gesorgt. Unter anderem wurde in Dresden der SPD-Wahlkämpfer Matthias Ecke krankenhausreif geschlagen.

So äußerten sich am Mittwoch auch nicht nur AfD-Vertreter zu dem Geschehen in Mannheim. Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) erklärte: «Diese feige Tat ist abscheulich und durch nichts zu rechtfertigen. Wer Wahlbewerber attackiert, stellt unsere freien, gleichen, allgemeinen, unmittelbaren und geheimen Wahlen in Frage – und damit die Basis unserer Demokratie.» Der Hass und die Gewaltbereitschaft, die sich in der Gesellschaft derzeit Bahn brechen, seien unerträglich. «Wir müssen zurückkehren zu einem respektvollen und friedlichen Wettstreit um die besten Lösungen für unser Gemeinwesen.» Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte: «Es gibt niemals eine Rechtfertigung für Gewalt.»

Die Heidelberger Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner von den Grünen, die auch parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium ist, erklärte: «Mit Entsetzen habe ich vom brutalen Angriff auf einen AfD-Gemeinderatskandidaten in Mannheim erfahren. Die Eskalation der Gewalt gegenüber Politikern aller Parteien, die wir in den letzten Wochen beobachten mussten, ist in keiner Weise zu rechtfertigen.»

Das könnte Sie auch interessieren: Polizist stirbt nach Messerangriff auf Mannheimer Marktplatz