Müssen wichtige Autobahnbrücken plötzlich gesperrt werden, hat das gravierende Folgen. Der ADAC hat für fünf Bauwerke in Deutschland berechnen lassen, wie schlimm und teuer das wäre.
Müssen marode Brücken gesperrt werden, ist das nicht nur für Autofahrer unangenehm, sondern auch sehr teuer – über die Kosten für Reparatur oder Neubau hinaus. Das zeigt eine aktuelle Modellstudie im Auftrag des Automobilclubs Deutschland (ADAC).
Angesichts von rund 8.000 sanierungsbedürftigen Autobahnbrücken in Deutschland hat der ADAC am Beispiel von fünf großen Brücken in Hamburg, Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen die Auswirkungen berechnen lassen. Die volkswirtschaftlichen Schäden können demnach mehrere Hundert Millionen Euro betragen.
A6-Brücke bei Heilbronn besonders kritisch
Nach Berechnungen des Dienstleisters PTV, der die Studie für den ADAC erstellt hat, wäre der volkswirtschaftliche Schaden bei einer Sperrung der Brücke über den Böllinger Bach bei Heilbronn besonders hoch. Die 175 Meter lange Talbrücke der Autobahn 6 aus dem Jahr 1967 ist marode, ein Neubau sei dringend erforderlich. Täglich werde sie von rund 75.000 Fahrzeugen genutzt – ein Zehntel davon sind Lastwagen.
Müsste die Brücke gesperrt werden, läge der Schaden bei rund 172 Millionen Euro pro Jahr. Nach der Modellstudie müssten Autofahrer in diesem Fall etwa 140 Millionen Kilometer zusätzlich zurücklegen und rund fünf Millionen Stunden verlieren. «Eine spontane Sperrung würde nicht nur das lokale Verkehrsnetz rund um Heilbronn stark belasten, sondern auch weiträumige Störungen auf den Autobahnen verursachen», teilte der ADAC mit. Auf den Verbindungen zwischen Sinsheim und Heilbronn sowie zwischen Karlsruhe und Nürnberg würde sich die Fahrzeit für Autos um bis zu 19 Minuten und für Lastwagen um bis zu 28 Minuten verlängern.
Beispiel Bayern: Donaubrücke bei Regensburg
Aus Bayern wurde die Donaubrücke Sinzing bei Regensburg untersucht. Eine Vollsperrung würde den Verkehr zu weiten Umwegen über die Autobahnen A93 und A6 zwingen und die Fahrzeiten deutlich verlängern. Hier errechneten die Experten einen potenziellen volkswirtschaftlichen Schaden von 75 Millionen Euro pro Jahr. Pkw-Fahrer müssten 47 Millionen zusätzliche Kilometer fahren und 3,5 Millionen Stunden verlieren.
Hamburg wäre am stärksten betroffen
Die massivsten Auswirkungen unter den untersuchten Brücken ergäben sich laut ADAC bei einer Sperrung der Norderelbbrücke an der A1 in Hamburg. Der volkswirtschaftliche Schaden würde sich auf 334 Millionen Euro pro Jahr belaufen. Pkw-Fahrer müssten dort 150 Millionen zusätzliche Kilometer fahren und 14 Millionen Stunden verlieren.
Weitere betroffene Brücken in Bonn und Leipzig
Auch bei der Friedrich-Ebert-Brücke der A565 über den Rhein in Bonn rechnen die Experten mit gravierenden Folgen. Hier liegt der potenzielle Schaden bei 170 Millionen Euro pro Jahr. Autofahrer müssten 50 Millionen zusätzliche Kilometer fahren und würden mehr als acht Millionen Stunden verlieren.
Die niedrigsten Schäden unter den untersuchten Bauwerken zeigen die Berechnungen für die Agra-Brücke in Leipzig. Diese gehört allerdings als einzige nicht zum Autobahnnetz und wird daher weniger intensiv genutzt. Der mögliche volkswirtschaftliche Schaden liegt bei 14 Millionen Euro jährlich, mit 12 Millionen zusätzlichen Kilometern und rund einer Million verlorener Stunden.
Tausende Brücken müssen saniert werden
Die Brücke über den Böllinger Bach ist kein Einzelfall. In Baden-Württemberg sind nach Angaben der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen mehr als 40 Autobahnbrücken mit mindestens 100 Meter Länge sanierungsbedürftig. Bundesweit müssen rund 8.000 Autobahnbrücken dringend instand gesetzt werden.
ADAC fordert schnellere Sanierungen
Angesichts der hohen Zahl maroder Brücken fordert ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand, die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel aus dem Sondervermögen jetzt zu nutzen, um Sanierungen und Erneuerungen zu beschleunigen. «Mit jedem weiteren Jahr, das bei der Erneuerung einer Brücke ungenutzt verstreicht, steigen die Risiken für Folgeschäden und damit für starke Belastungen von Autofahrern, Anwohnern und Volkswirtschaft erheblich», warnt Hillebrand.
Vom ADAC Südbayern heißt es ergänzend: «Schäden an Brücken müssen so schnell wie möglich behoben werden. Das gilt besonders für das Transitland Bayern mit seiner besonderen Bedeutung für den Warenverkehr und den Tourismus in Europa.»