Wärme aus dem eigenen Wald Tuttlingen plant Hackschnitzel-Anlage – und weitere Energieprojekte

Tuttlingen plant Hackschnitzel-Anlage – und weitere Energieprojekte
Brennstoff für Tuttlinger Blockheizkraftwerke. Die Stadt will in die Erzeugung von Holzhackschnitzeln einsteigen die dann in den Blockheizkraftwerken der SWT – hier am Stadion – verfeuert werden können. (Bild: Stadt Tuttlingen)
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Redaktion

Tuttlingen will den Anteil regenerativer Energien spürbar steigern und unabhängiger von fossilen Brennstoffen werden. Als erster und kurzfristig umzusetzender Schritt wurden am Montag im Verwaltungs- und Finanzausschuss erste Pläne für eine Hackschnitzelproduktion im Hasenholz vorgestellt. Weitere Konzepte zur Produktion von Wind- und Solarstrom folgen demnächst.  

„Die Notwendigkeit, Energie regional und nachhaltig herzustellen, war noch nie so deutlich“, so OB Michael Beck, „wann also – wenn nicht jetzt?“ Und eine erste Ideen, die auch schnell umgesetzt werden kann, präsentierten Baudezernent Florian Steinbrenner und der neue Leiter der Abteilung Forst, Michael Hager, auch gleich in der Sitzung am Montag.

Bis jetzt, so Michael Hager, spiele die Vermarktung von Restholz aus dem Tuttlinger Forst keine allzu große Rolle. Dabei fallen im Tuttlinger Forst – immerhin der siebtgrößte in Baden-Württemberg – rund 12 000 bis 15 000 Raummeter pro Jahr an. Dies ist mehr als die SWT derzeit in ihren Blockheizkraftwerken verheizen und am bislang Markt beschaffen müssen. Dies wäre künftig dann nicht mehr nötig, vor allem könnte die Kapazität noch weiter gesteigert, wenn in einer eigenen Anlage vor Ort die Hackschnitzel selber produziert würden. Denn neben dem Restholz aus den städtischen Wäldern könnte auch Holz von anderen regionalen Erzeugern – zum Beispiel Privatwaldbesitzern – verarbeitet werden. Auf diese Weise könnten dann deutlich mehr Tuttlinger Blockheizkraftwerke mit heimischen Hackschnitzel betrieben werden. Und wie groß der Bedarf hier ist, unterstrich OB Beck in der Sitzung: „Von unseren 12 BHKWs werden derzeit zehn mit Gas beheizt – davon wollen wir runter.“

„Wir haben ein großes Energieholzpotenzial“, so Michael Hager. Die dafür nötige Produktionsanlage könnte auf dem Gelände der ehemaligen Deponie Hasenholz entstehen. Diese Anlage sollte außerdem mit Solarkollektoren bestückt werden, um das Holz vor Ort und zügig trocknen zu können. Dadurch würde sich der Heizwert steigern, so dass sich die Energieausbeute nochmals um zehn bis 15  Prozent erhöhen könnte.

Die Kosten für die Anlage werden auf rund zwei Millionen Euro geschätzt, der entsprechende Betrage soll in den Haushalt 2023 aufgenommen werden. Idealerweise könnte die Halle im Laufe des Jahres 2023 gebaut werden, so dass die SWT schon bald mit den Tuttlinger Hackschnitzeln heizen können.

Eines machte Michael Hager in der Sitzung am Montag aber auch deutlich: Beliebig steigerbar ist auch dieses Modell nicht.  „Wenn wir nachhaltig wirtschaften wollen, können wir nicht beliebig viel Holz verbrennen – und Holz von anderswo herzukarren, ist erst recht nicht nachhaltig.“ Umso wichtiger sei es, auch andere Formen der regenerativen Energiegewinnung zu nutzen. Konkrete Vorschläge für einen Windpark und eine größere Freiflächen-Photovoltaikanlage werden daher schon bald dem Gemeinderat vorgestellt. 

(Pressemitteilung: Stadt Tuttlingen)