Trio verlässt den FV Ravensburg – Suche nach Neuzugängen gestaltet sich schwierig

Trio verlässt den FV Ravensburg – Suche nach Neuzugängen gestaltet sich schwierig
Cheftrainer Steffen Wohlfarth und Co-Trainer Andreas Raaf (re.) haben ihre Verträge beim FV Ravensburg bis 2023 verlängert. (Bild: David Balzer)

Ravensburg (dab) – Von der Kreisliga bis zur Oberliga: Seit dem 1. November 2020 ruht der Ball in den Fußballamateurklassen. Wann wieder gespielt werden darf, ist derzeit noch nicht absehbar.

Im WOCHENBLATT spricht Steffen Wohlfarth, Cheftrainer des Oberligisten FV Ravensburg, exklusiv über die vergangenen Monate, die Stimmung im Team und die schwierige Planung für die kommende Saison.

Fast auf den Tag genau sechs Monate ist es her, als Wohlfarth seine Spieler zuletzt versammelt zu Gesicht bekam. Ende Oktober hatte der FV seinen vorerst letzten Oberliga-Auftritt in Göppingen,  bis dahin spielten die Wiesentäler eine ordentliche Saison und holten aus zwölf Partien 18 Punkte. „Es ist eine wahnsinnig lange Pause, in der wir uns befinden. Für mich persönlich ist es zum Beispiel ein ganz neues Gefühl, samstags frei zu haben“, sagt Wohlfarth, der als ehemaliger Profi seit seiner Jugend quasi jedes Wochenende auf Sportplätzen verbracht hat. Er hoffe, dass sich der ein oder andere Spieler nicht zu sehr an die neue Freizeit gewöhne und die Lust am Fußball nicht nachlasse. „Wir sind natürlich alle heiß darauf, endlich wieder gemeinsam auf dem Platz trainieren und spielen zu können. Aber momentan heißt es Abwarten.“

Trainiert haben die Spieler in den zurückliegenden Monaten selbstverständlich trotzdem, wenn auch individuell. Jeder bekam von Athletiktrainer Tobias Ganzmann einen Trainingsplan an die Hand, zusätzlich stand jeden Dienstag ein gemeinsames digitales Workout der ganzen Mannschaft auf dem Programm. „Wir haben versucht, die Belastungspausen möglichst kurz zu halten“, erklärt Wohlfarth, der im Winter ausreichend Zeit hatte, sich über seine persönliche Zukunft Gedanken zu machen.

Ergebnis: Der 37-Jährige verlängerte seinen Vertrag ebenso wie Co-Trainer Andreas Raaf bis zum Sommer 2023. Auch die weiteren Mitglieder des Trainerstabes bleiben mindestens bis 2022. „Es ist schön, dass wir frühzeitig Klarheit schaffen konnten und im Großen und Ganzen zusammenbleiben.“

Bislang stehen beim FV drei Abgänge zur kommenden Saison fest: Neben den Mittelfeldspielern Pascal Maier und Philipp Wujewitsch wird auch Abwehrspieler Nicolai Placzek den Verein verlassen. „Wir werden uns umsehen. Klar ist, dass wir angesichts der Abgänge noch Verstärkungen brauchen. Dabei habe ich unter anderem auch unsere U23 im Blick“, erklärt Steffen Wohlfarth. Derzeit stehen für die nächste Saison 18 Spieler unter Vertrag. Mit der Qualität des Kaders ist der Cheftrainer zufrieden, mit der Quantität allerdings noch nicht.

Die Suche nach Neuzugängen gestaltet sich in Zeiten der Pandemie deutlich schwieriger als früher. Simpler Grund: Wird nicht gekickt, können keine Spieler beobachtet werden. „Und ein Regionalliga-Spieler interessiert sich in der Regel verständlicherweise nicht für einen Wechsel in die Oberliga“, weiß Wohlfarth. Er sei in den vergangenen Monaten sehr oft gefragt worden, was er in den kommenden Wochen erwarte. „Ich kann es einfach nicht sagen. Niemand weiß, wann und wie es weitergeht. Ich habe noch keinen Vorbereitungsplan für den Sommer ausgearbeitet, das wird alles recht spontan passieren.“

Für die Stimmung im Team wäre ein baldiges Ende des Sportverbots für Amateure selbstverständlich bestens. So langsam kippt bei dem ein oder anderen Spieler die Laune: „Ich tausche mich immer wieder mit jedem aus. Während letztes Jahr beim ersten Lockdown noch Optimismus ausgestrahlt wurde, merke ich jetzt, wie corona-müde nahezu jeder ist. Positives Denken wird zu Frust, als Sportler braucht man ein Ziel vor Augen – dabei ist eine Rückkehr auf den Platz noch nicht mal abzusehen. Ich kann die Jungs gut verstehen, erwarte aber trotzdem von einem Oberliga-Spieler, dass er eigenständig sein Trainingsprogramm durchzieht“, gibt Steffen Wohlfarth Einblicke.

Bleibt nur zu hoffen, dass der Ball bald wieder rollen darf und so wieder Abwechslung in den Trainingsplan kommt.