Stetes Feilen an der Technik bei den Bregenzer Festspielen

Stetes Feilen an der Technik bei den Bregenzer Festspielen
Tribüne mit Blick auf die Bühne der Bregenzer Festspiele. (Bild: Bregenzer Festspiele / Screenpix)
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Redaktion

Bregenz – Nicht nur Inszenierung und musikalische Interpretation punkteten beim Publikum, auch das ausgefeilte Tontechnik-System der Seebühne erhielt viel Anerkennung.

Mit BOA 2.0 (Bregenz Open Acoustics) bieten die Bregenzer Festspiele dem Publikum ein weltweit einzigartiges Klangerlebnis unter freiem Himmel. Das für Madame Butterfly erarbeitete Sounddesign stammt von Alwin Bösch und Clemens Wannemacher in enger Abstimmung mit Dirigent Enrique Mazzola.

Das Spiel auf dem See ist nicht nur für opulente Bühnenbilder und außergewöhnliche Inszenierungen bekannt, auch das Klangerlebnis steht für höchste Qualität. Das Tonsystem BOA begeisterte bei seiner Einführung vor 16 Jahren gleichermaßen Publikum und Fachwelt. In einem mehrjährigen Prozess wurde es zu BOA 2.0 weiterentwickelt.

Masten seitlich zur Seebühne sowie rings um die Tribüne mit Lautsprechern auf drei unterschiedlichen Höhen versorgen jeden einzelnen der rund 6.900 Sitzplätze mit dem gleichen Klangerlebnis.

Zusätzlich wurden Lautsprecher unter einzelnen Sitzreihen im Zentrum des Besucherbereiches angebracht. Auch im Bühnenbild selbst sind 45 Lautsprecher vorhanden, unsichtbar fürs Zuschauerauge. Denn das Publikum soll nicht davon abgelenkt werden, wie und wo die Bregenzer Festspiele die Magie des perfekten Klangs entfalten. Insgesamt sorgen bei Madame Butterfly 340 Lautsprecher für den perfekten Klang.

Synchron sehen und hören

Ein enormer technischer Aufwand ist dafür notwendig, mit der hochinnovativen Computertechnologie des neuen Tonmischpults als Herzstück und beeindruckender Rechnerleistung im Server-Hintergrund. Es geht schließlich darum, in den riesigen Dimensionen von Seebühne und Tribüne die akustischen, also physikalischen Gegebenheiten mit den Eigenschaften des menschlichen Gehörs in Einklang zu bringen.

Experten könnten sich stundenlang in der Schilderung der entsprechenden Details verlieren.

Lassen wir Clemens Wannemacher, Leiter der Tonabteilung, wenigstens kurz zum entscheidenden Gesetz der ersten Wellenfront ausholen. Es besagt: Wir ordnen als Hörende alle, auch zeitverzögerte Schallsignale jener Richtung zu, aus der das erste Signal bei uns eintrifft. „Folglich sollte es bei einer Musiktheateraufführung von dort kommen, wo wir die Sängerin oder den Sänger optisch wahrnehmen. Dieses sogenannte Richtungshören haben die Bregenzer Festspiele bereits seit Jahrzehnten erfolgreich umgesetzt.“

Laienhaft ausgedrückt, entscheiden aber auch die Schallreflexionen über Wohlklang oder Dissonanz – beispielsweise jene, die vom Boden ausgehen. Hier kommen weitere mehr als 40 Lautsprecher ins Spiel als nächste Stufe des qualitativen Hörgenusses. Sie werden über nicht weniger als 96 verschiedene Kanäle angesteuert.

„Auch hier geht es um die Synchronisation von Sehen und Hören: Die unterschiedlich langen Wege, die der Schall zwischen den verschiedenen Quellen auf der Seebühne und den weit auseinander liegenden Sitzplätzen auf der Tribüne zurücklegen würde, müssen überbrückt werden“, erklärt Wannemacher.

Um diese Herausforderung an einer Zahl festzumachen: 70 Millisekunden beträgt die Verzögerung, mit der ein Ton aus der vorderen Mitte der Seebühne bei der entferntesten Reihe mit darunter verbauten Lautsprechern ankommt, gegenüber jener, die sich am nächsten befindet. 70 Millisekunden klingen nach sehr wenig, sind in Wirklichkeit jedoch deutlich wahrnehmbar.

(Pressemitteilung: Bregenzer Festspiele)