SSV Ulm: Der lange Weg in Richtung Dritte Liga

SSV Ulm: Der lange Weg in Richtung Dritte Liga
Geschäftsführer Markus Thiele: Zu professionellen Strukturen ist es für den SSV Um 1846 Fußball noch ein weiter Weg. (Bild: Uli Landthaler)

Ulm – Halbzeit in der Regionalliga: Am Samstag ist die Hinrunde fertig und der SSV Ulm 1846 Fußball könnte sich bei einem Erfolg in Stuttgart die Tabellenführung holen. Läuft jetzt also in Ulm der Countdown für den Aufstieg? Die Zuschauer erwarten das, aber Geschäftsführer Markus Thiele ist vorsichtig. Um für die Dritte Liga würdig zu sein, so betont er in seinem Hinrunden-Fazit, müsse der SSV nicht nur Punkte einfahren. Sondern auch neben dem Platz noch viel Aufbauarbeit erledigen.

Es läuft gut beim SSV 1846 Ulm Fußball: Man steht oben in der Regionalliga und kann aus eigener Kraft die Tabellenführung und damit den Aufstiegsplatz zur Dritten Liga verteidigen. Die Stimmung in der Mannschaft ist entsprechend spitze, wie Cheftrainer Thomas Wöhrle betont. Und im Verein ziehen alle an einem Strang, ergänzt Geschäftsführer Markus Thiele. Der Aufstieg ist das Ziel – aber um wirklich ein Drittliga-Verein zu werden, müsse sich der SSV noch an vielen Stellen weiter professionalisieren. „Man merkt, dass der Verein zuletzt jahrelang in der Ober- und der Regionalliga zuhause war“ und von ehrenamtlichen Führungskräften geleitet wurde. Um das zu ändern, brauche es Zeit, Geduld und Geld.  

Und das sind die die Baustellen beim SSV:

Mannschaft: Das Team ist top, aber durch etliche Verletzungsausfälle geschwächt. Nach Torjäger Tobias Rühle und Verteidiger Lennart Stoll fällt nun auch Stammtorhüter Niclas Heimann monatelang verletzt aus. Daher werde man in der Winterpause versuchen, die Ausfälle durch Nachverpflichtungen auf „zwei, drei Positionen“ zu ersetzen, so Thiele, vor allem im Angriff.  

Sponsoren: Seit Juni hat der SSV durch Sponsoren-Werbeaktionen 200 000 Euro finanzielle Unterstützung dazugewonnen, berichtet Thiele. Das klingt großartig, zeigt aber auch, wieviel Potential zuvor liegengelassen wurde. Um in Drittliga-taugliche Dimensionen vorzustoßen, müsse der Aufwand weiter erhöht werden. Dazu zählen neben Anwerbung und Betreuung von Unterstützern auch ein attraktiver VIP-Bereich im Stadion. Der ist jetzt noch in einem Container-Pavillon untergebracht.         

Leitung: Von den angestrebten professionellen Strukturen sei man noch weit weg, betont Theile. Eine hauptamtliche Führungsriege sei Voraussetzung für eine Etatplanung im professionellen Stil. Die Sponsoren-Betreuer etwa arbeiten derzeit noch ehrenamtlich.  

Zuschauer: Mit 1974 Besuchern pro Heimspiel hat Ulm in der Liga den zweitbesten Zuschauerschnitt hinter Kickers Offenbach. „Die Erwartungen sind groß“, weiß Thiele, die Fans wollen, dass der SSV um den Aufstieg mitspielt. Dem setzt er den Ulmer Weg entgegen, den Aufbau langsam voranzubringen und sich finanziell nicht zu übernehmen. Zuletzt haben Ultra-Fangruppen angekündigt, aus Ärger über die verschärften Corona-Regeln im Stadion der Mannschaft die Unterstützung zu versagen. Trainer Thomas Wöhrle bedauert das: Der Fan-Rückenwind sei bei Heim- und Auswärtsspielen sehr wichtig.       

Nachwuchs: Der SSV Ulm will Nachwuchs-Leistungszentrum werden. Eine solche vom DFB lizenzierte offizielle Ausbildungsstätte ist bei höherklassigen Vereinen üblich, für einen Regionalligisten aber sehr ungewöhnlich. Aber es wäre ein Magnet für Talente, nach Ulm zu kommen. 

Stadion: Das Donaustadion hat kein Drittliga-Niveau und könnte dort nur mit einer Ausnahmegenehmigung an den Start gehen. Die Stadt lässt derzeit in einer Machbarkeitsstudie ergründen, welche Standorte für ein neues Stadion in Frage kommen. Die Erfahrung zeigt: Sportlicher Erfolg heizt eine Stadion-Diskussion blitzschnell an. Noch ist hier relative Ruhe in Ulm. 

Am Samstag, 20. November, spielt der SSV Ulm 1846 Fußball ab 15.30 Uhr im Stuttgarter Gazi-Stadion am Fernsehturm gegen die Zweite Mannschaft des VfB Stuttgart. Nächstes Heimspiel ist am Samstag, 4. Dezember, 14 Uhr gegen Homburg. Auch das ausgefallene Heimspiel gegen Großaspach soll schnell nachgeholt werden. Alle Heimspiele gibt es im kostenlosen Live-Stream im Youtube-Kanal von Spatzen TV.