WASZP-Segler aus Überlingen ist bester Deutscher in der Weltrangliste

WASZP-Segler aus Überlingen ist bester Deutscher in der Weltrangliste
Der Überlinger Nick Schuler beim sog. „Foilen“ mit seinem One Design Boot der WASZP. (Bild: Yacht Club Imperia/ ZGN)

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Das Foilen, wie das Segeln mit dem One Design Boot der WASZP auch genannt wird, ist aus der modernen Segellandschaft nicht mehr wegzudenken. Bei dieser besonderen Art des Segelns sorgen spezielle Unterwassertragflächen, die Foils, dafür, dass sich das Boot aus dem Wasser hebt und wie von Geisterhand getragen mit hoher Geschwindigkeit über das Wasser „fliegt“. Ein junger Deutscher mischt bei dieser faszinierenden Disziplin ganz vorne mit: Nick Schuler aus Überlingen. Aktuell auf Platz 27 der Weltrangliste, hat sich der junge WASZP-Segler einiges vorgenommen.

Mit Talent und Leidenschaft in die Weltspitze

Das erste Mal saß Nick Schuler am Steuer eines Optimisten im Alter von acht Jahren. Im Rahmen eines vom Segel- und Motorbootclub Überlingen (SMCÜ) ausgerichteten Schnupperkurses drehte er seine ersten Runden auf dem Bodensee. Im Laufe der Jahre hat das Naturtalent sein Können kontinuierlich ausgebaut und nach einigen Jahren im 420er Segeln ist er schließlich beim Foilen gelandet.

Mit klassischem Segeln hat das Segeln mit einer WASZP nur wenig gemein. Der Rumpf dieser aus Australien stammenden Boote ist viel schmäler und bietet gerade so viel Auftrieb, dass man nicht untergeht. Stabilität stellt sich erst ein, wenn die WASZP bei Windgeschwindigkeiten ab 8 kn durch den Auftrieb der Foils in die Höhe gehoben wird. Dann beschleunigt die WASZP auf bis zu 25 kn und es stellt sich das ein, was Nick Schuler und viele andere Segler auf der Welt so fasziniert: das Gefühl, über das Wasser zu fliegen.

Eine Trendsportart auf dem Vormarsch

Die WASZP ist weltweit die mit Abstand am schnellsten wachsende Bootsklasse. Seit 2016 haben sich mehr als 1.200 Segler in einer Klassenvereinigung organisiert. Die Sportart ist auch bei den Segelverbänden und dem Olympischen Komitee angekommen – nicht zuletzt deshalb, weil heute fast alle modernen Profi-Klassen wie die SailGP, der Americas Cup oder die Vendée Globe (mit dem Deutschen Boris Herrmann) mit Foils segeln. Es wird erwartet, dass dieser Trend mittelfristig zu einem Strategiewechsel bei der Auswahl zukünftiger Olympiaboote führen wird.

Ohne Sponsoring undenkbar

Im Gegensatz zu anderen Ländern wie z. B. in Italien wird das Segeln mit der WASZP in Deutschland noch nicht von nationalen Segelverbänden gefördert. Wer also diesen Sport in Deutschland ausüben möchte, ist vor allem auf Sponsoren und Unterstützung aus seinem Verein angewiesen. Im Falle des jungen Überlingers sind es gleich mehrere Unternehmen, die ihn neben dem SMCÜ unterstützen: der Babenhausener Spezialist für das Industriegashandling DILO, die Werbeagenturen Team:orange aus Esslingen und Klickpark aus Ladenburg sowie der Türkheimer Spezialist für Event und Messebau EMEC.

„Nick steht für uns wie kaum ein anderer für Beharrlichkeit, Leidenschaft und das Streben nach größeren Zielen – alles Eigenschaften und Werte, hinter denen auch wir uneingeschränkt stehen“, so Andreas Schön, Geschäftsführer der Werbeagentur Team:orange.

Mit vollen Segeln in die Zukunft

Wenn Nick Schuler über das Foilen spricht, ist ihm anzumerken, dass er noch lange nicht am Ende seiner Reise ist. Das langjährige Mitglied des SMCÜ segelte dieses Jahr beim Bandol CUP in Südfrankreich, bei der EUROCUP Imperia in Italien sowie bei der EUROCUP France in Frankreich erfolgreich um Weltranglistenpunkte. Im Juni stehen dann noch die Foiling Week am Gardasee, im August die offene norwegische Meisterschaft sowie die World Games in Norwegen und anschließend noch zwei weitere EUROCUP Regatten auf dem Programm.

Auf die Frage nach seinen Zielen antwortet er schmunzelnd: „Na ja, unter den Top 30 in der Weltrangliste zu bleiben wäre schon toll. Und wer weiß, vielleicht wird das Foilen ja bald olympisch. Da wäre ich dann auch sehr gerne dabei.“ Am Ende taucht der sympathische Überlinger in die Menschenmenge an der Überlinger Promenade ein, wo er sich – nach eigenen Angaben – am zweitliebsten aufhält. Dort blickt er dann auf den See und wartet auf den passenden Wind, der ihn schließlich dort hinbringt, wo er am allerliebsten ist: knapp über der Wasseroberfläche, den Wind und die Wellen im Blick, seine WASZP fliegend.

(Quelle: Iviv Perkovic / Team:oraqnge)