Spitzenkräfte mit Hand und Herz

Spitzenkräfte mit Hand und Herz
Mit Hand und Herz - Symbolbild (Bild: pixabay)
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Redaktion

Chirurgiemechaniker Andreas Bantle, Brauer Sebastian Haas und Hörakustikerin Marina Butz überzeugen im Leistungswettbewerb auch auf Bundesebene

Konstanz – Sie stehen noch ganz am Anfang ihrer Karriere und haben trotzdem schon viel erreicht: Drei Nachwuchstalente aus dem Kammerbezirk Konstanz konnten im Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks (Profis leisten was – PLW) auch auf Bundesebene überzeugen – und das in Berufen, die ganz unterschiedliche Fähigkeiten erfordern. Gemeinsam ist Chirurgiemechaniker Andreas Bantle, Brauer Sebastian Haas und Hörakustikerin Marina Butz aber eines: Sie lieben ihre Arbeit und haben schon während der Ausbildung ihr Bestes gegeben.

Medizin oder Metall? Am besten beides

Ob Drehen, Fräsen oder Schleifen, Schweißen oder Löten, Polieren oder Mattschlagen: In Sachen Metallbearbeitung sind einem Chirurgiemechaniker fast keine Grenzen gesetzt. Dass er all diese Techniken und vieles mehr perfekt beherrscht, hat Andreas Bantle in seiner Gesellenprüfung bewiesen. Das brachte dem 23-Jährigen aus Oberndorf am Neckar nun den ersten Platz im bundesweiten Wettbewerb ein.

Andreas Bantle (Bild: privat)

Damit schließt sich für Andreas Bantle ein Kreis: Schließlich hat er seine Berufswahl einem Chirurgiemechaniker aus seinem Bekanntenkreis zu verdanken, der vor drei Jahren ebenfalls Bundessieger wurde. „Durch ihn bin ich überhaupt auf den Beruf gekommen. Nach dem Abitur war ich mir nämlich nicht sicher, wohin die Reise gehen soll. Ich wusste aber, dass mir fein-motorisches Arbeiten liegt und mich gleichzeitig die Medizin fasziniert. In der Medizintechnik kommt beides zusammen. Damit war die Richtung klar“, sagt er.

Während der Ausbildung hatte Andreas Bantle Gelegenheit, die ganze Bandbreite des Berufs kennenzulernen. Direkt nach der Gesellenprüfung lockte dann zunächst ein Studienplatz für Medizintechnik. Doch inzwischen hat sich der beste Chirurgiemechaniker des Jahres dafür entschieden, im Handwerk zu bleiben. Mit dem Bundessieg im Rücken hat er sich um ein Weiterbildungsstipendium beworben, will so schnell wie möglich Meister werden und seine Leidenschaft für Perfektion noch weiter auf die Spitze treiben. „Als Chirurgiemechaniker muss man Perfektionist sein, schließlich kommt das Ergebnis der eigenen Arbeit im OP zum Einsatz“, sagt Bantle.

Bier von hier? Kein Bayer kam dran vorbei

Kreativität ist dagegen das Credo von Sebastian Haas. Ihm geht es nämlich nicht nur um den Geschmack, der ein frisches Pils, ein kühles Weizen oder ein kräftiges Bockbier auszeichnet, sondern auch um das Drumherum: „Wir machen ein so schönes und emotionales Produkt, da ist überall Kreativität gefragt“, schwärmt der Brauer und Mälzer von seinem Handwerk.

Sebastian Haas (Bild: privat)

Nach dem Abitur wurde der Bad Dürrheimer bei der Hirsch-Brauerei Honer in Wurmlingen ausgebildet – mit dem Erfolg, dass er nicht nur baden-württembergischer Landessieger in seinem Gewerk wurde, sondern sogar beim Bundeswettbewerb auf den zweiten Platz kam. Ein Kollege aus Berlin hatte ein paar Punkte mehr, aber die sonst so starke bayerische Konkurrenz hat er weit hinter sich gelassen. „Das kann ich mir gar nicht erklären“, sagt der Preisträger lachend.

Das benachbarte Bundesland hat Haas in den letzten Jahren gut kennengelernt. Seine Ausbildung war nämlich Teil eines Verbundstudiums, dessen akademischen Part er derzeit noch an der Hochschule Freising abschließt. Ab Frühjahr wird er dann auch „Brau- und Getränketechnologe“ sein, danach vielleicht eine betriebswirtschaftliche Weiterbildung absolvieren und auf sein Fernziel hinarbeiten: die eigene Brauerei. Jetzt freut er sich aber erst einmal auf den Sommer, wenn die Biergärten hoffentlich wieder öffnen dürfen und er endlich auf seinen Erfolg anstoßen kann. „Aber da warte ja nicht nur ich drauf“, meint der 22-Jährige.

Fingerspitzengefühl? Im doppelten Sinn gefragt

Schon jetzt sehr groß ist die Freude von Marina Butz. Die 23-jährige Hörakustikerin aus Spaichingen belegte im Bundeswettbewerb den dritten Platz. Vor allem aber fühlt sie sich bei ihrer täglichen Arbeit „genau am richtigen Fleck“. Ihr ehemaliger Ausbildungsbetrieb, die Fielmann-Niederlassung in Tuttlingen, hat sie nach der Gesellenprüfung übernommen, so dass sie nun direkt mit dem weitermachen kann, was sie liebt. „Es ist wirklich ein vielseitiger Beruf, in dem im doppelten Sinn Fingerspitzengefühl gefragt ist: Einmal handwerklich, wenn es um die Fertigung von Ohrstücken oder die Anpassung von Hörgeräten geht. Und dann natürlich bei der Beratung von Kunden. Da ist es ganz entscheidend, wie gut man sich einfühlen kann“, weiß Butz.

Marina Butz (Bild: privat)

Nach dem Abitur hatte sie zunächst ein Studium begonnen, sich dann aber schnell anders entschieden: „Ich habe verschiedene Praktika absolviert und wusste dann, dass Hörakustikerin genau das Richtige für mich ist.“ Dieses Vorgehen kann Marina Butz nur empfehlen: „Einen solchen Beruf muss man erleben. Als junger Mensch hat man sich mit dem Thema ja meist noch gar nicht auseinandergesetzt – genauso wenig wie die Kunden, die zum ersten Mal zu uns kommen. Wenn man dann spürt, wie deren anfängliche Skepsis in Freude umschlägt, weiß man, dass es sich lohnt.“

An Arbeit wird es der Bundessiegerin auch in Zukunft nicht mangeln, schließlich steigt mit der Lebenserwartung der Bevölkerung der Bedarf an Hilfsmitteln. Und auch die technischen Möglichkeiten werden mehr: „Heute kann man über ein Hörgerät sogar Musik streamen oder die Freisprechanlage ersetzen Man muss also in keinem Alter auf Teilhabe und Annehmlichkeiten verzichten“, erklärt Marina Butz.

Sie selbst möchte mit und in ihrem Beruf jedenfalls gerne alt werden, vielleicht in einigen Jahren noch den Meistertitel dranhängen, vor allem aber jeden Tag mit dem guten Gefühl nach Hause gehen, jemandes Leben wieder ein bisschen leichter gemacht zu haben.