Speicherseen und –kraftwerke im Montafon sind wichtige und vorbildliche Stromlieferanten

Speicherseen und –kraftwerke im Montafon sind wichtige und vorbildliche Stromlieferanten
Mehrere Bäche speisen den See. Der Zufluss reicht aber alleine nicht zur Stromerzeugung. Nachts wird das Wasser wieder vom Pumpwerk hoch in den See gepumpt (Bild: Wilfried Vögel)

Freier Redakteur
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Gerade in diesen Zeiten wird häufig über den Klimawandel und seine extremen Folgen für unsere Erde heiß diskutiert. Großflächige Waldbrände in Südeuropa, Kanada, den USA aber u.a. auch gewaltige Starkregenereignisse wie zuletzt in NRW und Rheinlandpfalz führen uns die Folgen des von Menschen gemachten Klimawandels auf brutale Art und Weise vor Augen. Und ein Ende ist nicht absehbar und auch nicht zu erwarten.

Die Szenarien, die uns aufgezeigt werden, dürften die wenigsten kalt lassen. Aber es gibt auch Beispiele, wie wir z.B. die Wasserkraft klimafreundlich nutzen können.

Ein wichtiger Baustein bei der Gewinnung von Strom aus Wasserkraft in unserer Region, insbesondere in Vorarlberg sind die Speicher-Stauseen im Vorarlberger Montafon. Dazu zählen u.a. der Silvrettastausee, der Vermuntstausee, der Lünersee und weitere Staubecken, wie z.B. in Latschau (Ausgangspunkt der Golmerbahn). Alle gehören den Illwerken VKW und sind über Rohrleitungen in einem komplizierten System miteinander verbunden.  

Im Prinzip geht es vereinfacht dargestellt darum, insbesondere nachts, wenn Strom günstig ist, das Wasser zu den Speicherseen hoch zu pumpen und dann, wenn Spitzenstrom benötigt wird, das natürlich Gefälle zu Turbinenanlagen zu nutzen, um Strom, wenn er gebraucht wird, zu gewinnen. Das Wasser wird sozusagen zwischengelagert.

Der Bau der gewaltigen Staumauer erfolgte zwischen 1962 und 1969
Der Bau der gewaltigen Staumauer erfolgte zwischen 1962 und 1969 (Bild: Wilfried Vögel)
Beim Kopssee handelt es sich um einen Speicher-Stausee, der zwei Pumpwerke im Tal bei Partenen mit sogenanntem Triebwasser versorgt
Beim Kopssee handelt es sich um einen Speicher-Stausee, der zwei Pumpwerke im Tal bei Partenen mit sogenanntem Triebwasser versorgt (Bild: Wilfried Vögel)

Der Stausee Kops ist ebenfalls einer von ihnen. Der Bau erfolgte zwischen 1962 bis 1969, er erste Vollstau im November 1967. Dabei bog sich die gigantische Hauptstaumauer um bis zu 55 mm durch. Der See fasst 43 Millionen Kubikmeter Wasser. An der Basis ist der 90 Meter hohe Damm 30 Meter breit.

Er dient als Speicher für das 1969 in Betrieb genommene Kopswerk I und das 2009 fertiggestellte, wesentlich leistungsstärkere und über einen separaten Stollen angebundene Kopswerk II. Dessen Bau verschlang rund 360 Millionen Euro. Die Ausmaße sind gigantisch. Die Maschinenhalle ist rund 88 Meter lang und 30 Meter breit und hat eine Höhe von 60 Metern.

Mehrere Stauseen im Montafon (sie gehören den Illwerken VKW) bilden ein Verbundsystem. Der Stausee Kops ist einer von ihnen
Mehrere Stauseen im Montafon (sie gehören den Illwerken VKW) bilden ein Verbundsystem. Der Stausee Kops ist einer von ihnen (Bild: Wilfried Vögel)
Der Stausee Kops (hier ein Blick vom Staudamm talwärts) liegt im hinteren Montafon unweit der Landesgrenze zu Tirol
Der Stausee Kops (hier ein Blick vom Staudamm talwärts) liegt im hinteren Montafon unweit der Landesgrenze zu Tirol (Bild: Wilfried Vögel)

Da der Stausee nur wenige Meter unterhalb der Passhöhe des Zeinisjoches liegt, würde er auf natürliche Weise nur wenig Wasser von kleinen Bächen liefern, weshalb man die Kraftwerke nur mit sehr wenig Wasser versorgen könnte. Daher haben die Ingenieure mehrere Bäche, die eigentlich in die Trisanna bzw. die Rosanna und letztendlich in die Donau fließen würden, durch Tunnel in den Stausee umgeleitet. Das gefasste Wasser des Jambaches und weiterer Bäche der Tiroler Silvretta transportiert man mit dem Pumpwerk Kleinvermunt in der Nähe der Tiroler Mautstelle der Silvretta-Hochalpenstraße in den Kopssee. Inklusive der Überleitungen kommt der Stausee Kops auf ein Einzugsgebiet von 170 km² und ein jährliches Wasservolumen von 233 Millionen m³.

Das Kopswerk II ist als Pumpspeicherkraftwerk mit drei vertikalachsigen Maschinensätzen mit einer Leistung von je 150 Megawatt realisiert. Die Maschinensätze erlauben nicht nur die Nutzung im Turbinenbetrieb zum Zweck der Stromerzeugung, sondern bieten auch die Möglichkeit, im Pumpbetrieb Wasser, das die Anlage durchlaufen hat und sich im Unterwasserbecken befindet, zur erneuten Nutzung zurück in das Oberwasserbecken zu pumpen. Das Kraftwerk befindet sich nahezu vollständig im Berg und galt lange als das modernste der Welt.

Das Kopswerk II erweiterte zum Zeitpunkt seiner Inbetriebnahme die Kapazität des Illwerke-Verbundes im Turbinenbetrieb um 36 Prozent und im Pumpbetrieb um 85 Prozent.

Die Staumauer ist rund 90 Meter hoch und ist am Dammfuß 30 Meter breit
Die Staumauer ist rund 90 Meter hoch und ist am Dammfuß 30 Meter breit (Bild: Wilfried Vögel)
Die umliegende Bergwelt bietet ideale Wanderbedingungen
Die umliegende Bergwelt bietet ideale Wanderbedingungen (Bild: Wilfried Vögel)

Das Kraftwerk nutzt als Oberwasserbecken zum Antreiben der Turbinen den bereits existierenden Stausee Kops, der auch das Kraftwerk Kops I mit Triebwasser versorgt. Als Unterwasserbecken dient dem Kopswerk II das Rifabecken, anders als das Kopswerk I, das als Unterwasser das Ausgleichsbecken Partenen verwendet. Beide Becken liegen etwa 500 Meter Luftlinie mit 20 Meter Höhenunterschied voneinander entfernt und sind über das Rifawerk, das für Turbinen- und Pumpbetrieb konzipiert wurde, miteinander verbunden. Beide Ausgleichsbecken liegen zwischen den Ortschaften Gaschurn und Partenen im hinteren Montafon.

Der Strom wird hier zwar ökologisch produziert, es gibt aber auch andere Sichtweisen. Sollten sich andere Energieformen, wie z.B. die Fotovoltaik, oder verbesserte Batterietechnik aber auch die Verwendung von Wasserstoff als günstiger erweisen, könnten millionenschwere Investitionen in Wasserkraftwerke wie im Montafon vielleicht schon in naher Zukunft nicht mehr lohnend sein.

Der See hat ein Fassungsvermögen von 43 Millionen Kubikmeter
Der See hat ein Fassungsvermögen von 43 Millionen Kubikmeter (Bild: Wilfried Vögel)
Der Speicher-Stausee Kops befindet sich im Grenzgebiet zwischen Tirol und Vorarlberg
Der Speicher-Stausee Kops befindet sich im Grenzgebiet zwischen Tirol und Vorarlberg (Bild: Wilfried Vögel)

Die Anfahrt zum Stausee Kops (er ist touristisch nicht so überlaufen wie der Silvrettastausee) erfolgt über die Rheintalautobahn, das Walgau, das Montafon, die Silvrettahochalpenstraße (mautpflichtig) und weiter in Richtung Paznauntal. Bald nach der Bielerhöhe biegt eine Straße links ab, die in wenigen Minuten zum Stausee Kops führt. Umweltfreundlicher geht es mit der Bahn bis Bludenz und weiter bis Schruns und von da ab mit dem Bus bis zur Bielerhöhe und weiter zum Stausee Kops.

Den Stausee kann man auf guten Wegen in eineinhalb Stunden umrunden. Empfehlenswert sind auch der Anstieg zur Heilbronner Hütte, aber auch eine längere Tour zum Wiegensee. Aber das sind nur ein paar von vielen ausgezeichneten Wandermöglichkeiten, die die Region zu bieten hat

Weitere Infos über den Bau des Kopswerkes II:

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