Sorge vor Austrittswelle aus Pflegeberufen

Sorge vor Austrittswelle aus Pflegeberufen
Diskussion über allgemeine Impfpflicht: Wenn an deren Ende keine Impfpflicht für alle kommt, rechnet die Stiftung Liebenau damit, bis zu fünf Prozent des Fachpersonals zu verlieren. (Bild: picture alliance/dpa | Sina Schuldt)
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Redaktion

Meckenbeuren/Liebenau – Erneut plädiert die Stiftung Liebenau für eine allgemeine Impfpflicht. Sie befürchtet ansonsten nicht nur ein Stocken in den Anstrengungen zur Überwindung der Pandemie – vielmehr könnte eine Austrittswelle aus Pflege- und Sozialberufen einsetzen.

Bis zu 5 Prozent Rückgang des Personals

Mit der vom Deutschen Bundestag bereits beschlossenen Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen hat die Diskussion über eine allgemeine Impfpflicht voll an Fahrt aufgenommen. Wenn an deren Ende keine Impfpflicht für alle kommt, rechnet die Stiftung Liebenau damit, bis zu fünf Prozent des Fachpersonals zu verlieren. Erste Anzeichen für eine solche Entwicklung gebe es in der Pflege, Teilhabe und im Klinikbereich bereits jetzt, so die Stiftungsverantwortlichen.

Erfahrungen aus Südtirol

Dass diese Sorge begründet ist, zeigen Erfahrungen aus Südtirol, wo die Stiftung Liebenau im Pflegebereich tätig ist. Nach Einführung der Impfpflicht für Berufe im Pflege- und Gesundheitswesen im Frühjahr 2021, mussten dort zwischen fünf und zehn Prozent der Beschäftigten vorerst suspendiert werden. Einige Fachkräfte haben dem Beruf inzwischen ganz den Rücken gekehrt. Infolgedessen konnten zeitweise rund 16 Prozent der stationären Pflegeplätze in der autonomen Provinz nicht belegt werden, da nicht genügend Fachpersonal zur Verfügung stand.

Impfpflicht für alle gegen Austrittswelle

Um zu verhindern, dass in Deutschland eine vergleichbare Entwicklung einsetzt, plädieren die Stiftungsverantwortlichen daher für eine allgemeine Impfpflicht. Dies könne ein wirksames Mittel sein, um dem schmerzhaften Verlust an Beschäftigten in diesen sensiblen Bereichen vorzubeugen. Denn mit der Impflicht für alle sinkt der Anreiz, den Pflegeberuf zu verlassen. Gleichzeitig steigt die Chance, dass noch mehr Impfangebote in den kommenden Wochen angenommen werden.

Dringender Appell in Richtung Politik

Ihre Sorgen bringt die Stiftung Liebenau in einem Schreiben an die Politik auf Bundes- und Landesebene zum Ausdruck. Die Fachkräftesituation im Pflegebereich war schon vor der Pandemie ein drängendes Thema. Angesichts der nun befürchteten Austrittswelle könne nicht mehr ausgeschlossen werden, dass einzelne Versorgungsangebote im schlimmsten Fall nicht mehr aufrechterhalten werden können. Daher brauche es dringend die Impfpflicht für alle – denn sich impfen zu lassen, sei nicht länger eine Entscheidung, die eine Person oder eine Berufsgruppe allein betrifft, so die Stiftungsverantwortlichen.

(Pressemitteilung: Stiftung Liebenau)