Sommerinterview mit Bürgermeister Matthias Henne

Sommerinterview mit Bürgermeister Matthias Henne
Bad Waldseer Bürgermeister Matthias Henne (Bild: Stadt Bad Waldsee)
WOCHENBLATT
Redaktion

Wir haben uns zum Sommerinterview mit dem Bad Waldseer Bürgermeister Matthias Henne getroffen, der auf sein erstes Jahr in Bad Waldsee zurückblickte und uns außerdem einen Ausblick auf die nächsten Jahre gegeben hat:

Rückblickend auf das erste Jahr als Bürgermeister von Bad Waldsee, was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Am 6. April 2020 habe ich mein Amt als Bürgermeister in Bad Waldsee angetreten, mitten in der Hochphase der Pandemie. Das erste Jahr war geprägt von Krisenmanagement, besonders in unserem Alten- und Pflegeheim Spital sowie im Kloster Reute, aber auch in den Rehakliniken, den Schulen und Kindergärten. Oberste Priorität hatte die maximale Sicherheit für alle Beteiligten. Meine ganze Kraft hätte ich gerne gleich vom Start weg in unsere wichtigen Zukunftsthemen gesteckt. Von Beginn an war dennoch eine gewisse Aufbruchsstimmung zu spüren. Ich konnte in meinem ersten Jahr auch neue und eigene Impulse setzen.

Was ebenfalls noch in Erinnerung, sogar in ganz besonders guter Erinnerung geblieben ist, das war das Ankommen mit meiner Familie hier in Bad Waldsee. Wir sind herzlich aufgenommen worden und fühlen uns seither hier Zuhause.

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf Ihre Arbeit im Rathaus ausgewirkt?

Ich trat meinen Dienst mitten in der Hochphase der Pandemie an. Besonders schade war, dass es zu Beginn sehr schwer war, die Mitarbeiter und die Menschen in Bad Waldsee persönlich zu treffen und kennenzulernen. 

Das tägliche Leben hat sich durch Corona für uns als Verwaltung, aber natürlich auch für unsere Bürger, Patienten und Gäste quasi auf den Kopf gestellt. Es gab gefühlt täglich Neuerungen und Änderungen; was gestern galt, war am nächsten Tag anders. Wir mussten über alle Fachbereiche hinweg schnell, aber immer auch besonnen reagieren. Ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen.

Welche Themen sind Ihnen für die kommenden Jahre besonders wichtig?

Alle. Familien, Jugend, Senioren, Klimawende, Verkehrssituation, der Schaffung von fairem Wohnraum, Stärkung des Ehrenamts bis hin zur zukünftigen Stadtentwicklung, um nur einige Themen zu nennen. Im Moment ist alles in Bewegung. Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie dem Gemeinderat haben wir, trotz der herausfordernden Umstände in den vergangenen Monaten, bereits vieles bewegt, voran gebracht und umgesetzt. So soll es auch weitergehen.

Themenbereich Jugend: Was möchten Sie in diesem Bereich verändern/verbessern?

Mir ist es wichtig den Jugendlichen eine Stimme geben, ihnen zuhören, sie sollen gehört werden. Ich möchte aber auch, dass sich die Jugendlichen mit in ihre Stadt, in ihre Ortschaft einbringen. Ihre Ideen sollen Platz finden. Deshalb gibt es das neue Format „HenneHörtHin“.

Erst am Dienstag (27. Juli) haben wir uns ungezwungen im Freibad getroffen. Dabei ging es darum, wie sich die Jugendlichen einbringen können und möchten, aber auch gleich ganz konkret um die Erweiterung des Freizeitareals am Stadtsee. Die Jugendlichen haben tolle Ideen eingebracht. Es war ein gutes und wertschätzendes Miteinander.

Themenbereich Senioren: Was möchten Sie in diesem Bereich verändern/verbessern?

Wir haben eine aktive und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Stadtseniorenrat. Er bildet ein hervorragendes Bindeglied zwischen den Anliegen der Senioren und uns als Stadtverwaltung. Gemeinsam haben wir schon mehrere Projekte umgesetzt, wie zum Beispiel das Mobilitätsband, das derzeit durch die Altstadt gebaut wird. Wir erhoffen uns eine deutliche Verbesserung für Senioren und mobilitätseingeschränkte Menschen.

Bei wichtigen Entscheidungen werden die Bedürfnisse älterer Bürgerinnen und Bürger berücksichtigt und fließen in die Planungen ein. Daneben pflegen wir mit der Solidarischen Gemeinde Reute-Gaisbeuren einen regen und vertrauensvollen Austausch. Natürlich legen wir auch großen Wert auf eine gute medizinische Versorgung hier in Bad Waldsee.

Bad Waldsee steht kurz davor, große Kreisstadt zu werden. Welche zusätzlichen Aufgaben/Zuständigkeiten kommen mit der Ernennung auf Bad Waldsee zu?

Große Kreisstadt ist nicht nur ein Titel, sondern auch ein Meilenstein in der Stadtgeschichte. Die Ernennung bietet der Stadt die Chancen auf größeren Einfluss und stärkeres politisches Gewicht, auf rechtlich und politisch größere Gestaltungsmöglichkeiten, sowie einen besseren Zugang zu Informationen und eine höhere Wahrnehmung der Stadt in der Region und im Land. Die Ernennung zur Großen Kreisstadt wird für Bad Waldsee ein erheblicher Imagegewinn sein, der den Standort für Wirtschaft und Wohnen noch interessanter macht.

Als Große Kreisstadt kommen natürlich auch neue Aufgaben auf die Stadt zu, wie die der Wohngeldstelle und der Ausländerbehörde. Als erfüllende Gemeinde der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft Bad Waldsee-Bergatreute nimmt die Stadt Bad Waldsee bereits seit vielen Jahren einige zusätzliche Aufgaben, die den unteren Verwaltungsbehörden zugewiesen sind, für die Gemeinde Bergatreute wahr. Die Stadt Bad Waldsee erfüllt somit bereits heute für einen Einzugsbereich von über 23.250 Einwohnern zentralörtliche Funktionen im Verwaltungsbereich. Auch die Aufgabe des Rechnungsprüfungsamts kommt hinzu.

Der Markenprozess für Bad Waldsee soll fortführt werden, was ist damit gemeint?

Städte und Regionen stehen zunehmend im Wettbewerb untereinander. Sie stehen im Wettbewerb um Zielgruppen wie Einwohner, Fachkräfte, Besucher, Touristen oder Unternehmen. Um aus diesem Wettbewerb gestärkt hervorzugehen, haben wir uns für einen Markenprozess mit breiter Beteiligung unserer Bürgerinnen, Bürger und Besucher entschieden.

Ziel ist es, unsere Stärken noch mehr hervorzuheben und nach außen zu kommunizieren. Hinter uns liegt eine gründliche  Markenanalyse, die unsere unverwechselbaren Stärken komprimiert dokumentiert. Nun wurde eine Kreativagentur beauftragt, die diese Erkenntnisse und Werte in eine maßgeschneiderte Wort- und Bildsprache kleiden und daraus passende Marketingkampagnen entwickeln wird. Damit soll gezielt die Wahrnehmung der Attraktivität von Bad Waldsee gesteigert werden, gleichermaßen bei unseren Bürgern wie auch bei Besuchern, Gästen und Unternehmen.

Mit der Stuttgarter Kreativagentur Pink Pony haben wir einen renommierten Partner gefunden, der sehr erfolgreich innovative Strategien für führende Unternehmen und Dienstleister entwickelt. Erste Ergebnisse erwarten wir sehr gespannt zum Jahresende.

Was mögen Sie persönlich am liebsten in Bad Waldsee und warum leben Sie gern in dieser Stadt?

Die Menschen. Es gibt einen großen Zusammenhalt in der Bevölkerung. Hier werden Brauchtum und Traditionen gelebt, gleichzeitig wird der Blick in die Zukunft gerichtet und die Menschen sind offen für Neues.

Bad Waldsee bietet eine sehr hohe Lebensqualität und eine echte Wohlfühlatmosphäre. Die Landschaft ist einfach herrlich und hat einen einzigartigen Reiz. Meine Familie und ich wurden hier in unserer neuen Heimatstadt sehr herzlich und mit offenen Armen aufgenommen, dafür bin ich sehr dankbar.