So geht es nicht mehr weiter: Petra Gehrke aus Ravensburg öffnet am 2. März ihre Schuhmacherei

So geht es nicht mehr weiter: Petra Gehrke aus Ravensburg öffnet am 2. März ihre Schuhmacherei
Schuhmacherin Petra Gehrke aus Ravensburg reicht es mit dem Lockdown. (Bild: le)

Die Ravensburger Schuhmacherin hat vom Lockdown die Nase gestrichen voll und macht ihr Geschäft in der Unteren Breite Straße 37 wieder auf. Basta!

Finanziell ist das Ende der Fahnenstange längst erreicht.

Die wenigen Hilfen, die ihr zustanden, sind längst verbraucht und erst seit gestern kann der Steuerberater das dringend benötigte Überbrückungsgeld 3 beantragen. Die Angaben zum künftigen Einkommen können zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich gegeben werden.

„Ich weiß doch heute noch nicht, wie viele Kunden wieder kommen und ob sich das Verhalten der Menschen durch Corona geändert hat“. Bis das Geld letztendlich auf dem komplett leeren Konto ist, kann dauern, ebenso bis der sagenumwobene Inzidenzwert von 35 pro 100000 Einwohner erreicht ist. „Man hat uns die ganze Zeit im Regen stehen lassen“, so einfach ist das. Der einzige Trost kam von einigen treuen Kunden. Die erkundigten sich immer wieder, wie es geht. Das tat ihr gut.

„Ich bin Handwerkerin aus Leidenschaft, seit 2005 selbständig und kann es nicht verstehen, warum Schuhmacher nicht systemrelevant sein sollen“, so Gehrke. Orthopädie-Schuhmacher durften ihre Geschäfte öffnen, jeder andere Handwerker sein tägliches Brot verdienen und die gewöhnlichen Schuhmacher mussten schließen und weiterhin ihre Leisten ruhen lassen. In den Discountern und Drogeriemärken tummeln sich die Menschen und beim Schuhmacher ist es nicht erlaubt, den Absatz zu richten. „Click & Collect ist zum Lachen“, so Gehrke. Ich sitze den ganzen Tag am Telefon und warte darauf, dass jemand anruft. Im Durchschnitt sind es vielleicht 2 Kunden pro Tag. Davon kann kein Mensch leben.

„Da sitzt man bis zu 3 Stunden für einen Haarschnitt mit Farbe beim Figaro und bei mir ist man höchstens 3 Minuten im Laden“. Da stimmt doch was von ganz Oben nicht. Was bringt ein schöner Kopf, wenn die Absätze krumm sind? „Ein Lieferant hat mir erzählt, dass in Biberach bereits einige Schuhmacher geöffnet haben. Ob es stimmt, weiß ich nicht. Nur weil ich in meiner Schuhmacherei auch Beiwerk wie Schnürsenkel, Pflegecreme sowie selbstgemachte Gürtel verkaufe, geht nichts. Das alles ist in jedem Discounter in Hülle und Fülle erhältlich“. Als Alleinverdiener habe ich nur 1 x im Jahr für eine Woche Urlaub gemacht, damit der Verdienstausfall nicht zu groß ist. Jetzt sitze ich tatenlos seit Monaten daheim… „Es geht ums Überleben meiner Familie und daher öffne ich am 2. März mein Geschäft!“

Infos: Bitte den Laden nur einzeln und mit Schutzmaske betreten. Natürlich wird Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt. Öffnungszeiten: Montag: geschlossen, Dienstag bis Freitag: 9 – 12.30 und 14 – 18 Uhr, Samstag: 9 – 12.30 Uhr.