Schwaben im Hühner-Himmel: Warum das Huhn zum absoluten Trend-Haustier wurde

Schwaben im Hühner-Himmel: Warum das Huhn zum absoluten Trend-Haustier wurde
Bantam – Es gibt viele verschiedene Hühnerrassen. Das Bantam zum Beispiel gehört zu den beliebten Zwerghühnern. (Bild: Privat)

Ich wollt‘, ich hätt‘ ein Huhn! Immer mehr Oberschwaben träumen von einer kleinen Hühnerschaar im eigenen Garten. Zur Not auch auf dem Balkon. Die Nachfrage nach den geflügelten Haustieren ist sprunghaft angestiegen. Wir erklären, warum das so ist und was es braucht, um eigene Hühner zu halten.

Beim Spaziergang durch den eigenen Wohnort ist es womöglich schon aufgefallen. An allen möglichen Ecken, in Hinterhöfen, in Gärten und sogar auf Balkonen kräht es plötzlich! Denn immer mehr Menschen erfüllen sich ihren Traum vom Huhn.

Hühnerhaltung im Garten, auf dem Balkon oder im Mehrfamilienhaus

Ida (26) aus Wolfartsweiler bei Bad Saulgau hat sich vor zwei Jahren diesen Traum erfüllt. Durch den Garten des Mehrfamilienhauses, in dem sie lebt, flitzen und flattern Hahn Fridolin und seine Ladys. Die Hennen Berta, Marta und Paula sind, wie Fridolin auch, Zwerghühner. „Am Anfang waren die Nachbarn noch skeptisch aber sie haben ihr Einverständnis, es auszuprobieren, mit den Hühnchen“, erklärt Ida. „Es hat gar nicht lange gedauert. Da waren sie genau so begeistert wie ich. Jetzt freuen sie sich über die vielen Bio-Eier aus dem eigenen Stall. Jede Henne legt jeden Tag ein kleines Ei. Wie aus dem Bilderbuch“, lacht Ida. „Und dazu fressen sie noch alle möglichen Bioabfälle. Zum Beispiel Kartoffelschalen, alte Nudeln oder… eigentlich fressen sie alles. Außer diesem Dinkel-Vollkorn-Zwieback, den ich auch nicht runterbekommen habe“, überlegt die Blondine.

Mindestens 3 Hennen sollten zusammengehalten werden. Komplett wird die kleiner Hühnerschar mit einem Hahn, den die Mädels anhimmeln können.
Mindestens 3 Hennen sollten zusammengehalten werden. Komplett wird die kleiner Hühnerschar mit einem Hahn, den die Mädels anhimmeln können. (Bild: Privat)

Corona als Treiber für den Hühner-Boom

Als die Hühner vor zwei Jahren einzogen, waren wir gerade im ersten Lockdown der Pandemie. Und genau dieser Umstand hat Ida dazu veranlasst, ihr Hühner-Projekt endlich in Angriff zu nehmen. Sie las Ratgeber, fragte bei Geflügelzüchtern an und nachdem ihr Entschluss feststand, holte sie sich das Einverständnis ihres Vermieters und der Hausgemeinschaft. Die packte nach anfänglicher Skepsis auch mit an. So stellte der Vermieter ein altes Gartenhäuschen als Hühnerstall zur Verfügung. Ein Nachbar besserte die Klappe zum Eingang nach. Denn die muss nachts fest verschlossen sein, damit Marder, Fuchs und Co. keine Chance haben. Dazu brauchte das Zwerggeflügel noch Platz zum Scharren und etwas Auslauf. Das macht sie zu anspruchslosen Haustieren. Das macht sie nicht nur bei Pia beliebt.

Anspruchslose Haustiere – Hühner brauchen wenig zum Glücklichsein

Hühner als Haustiere werden seit Jahren immer beliebter. Doch seit dem Ausbruch des Coronavirus hat das Ganze noch einmal richtig Fahrt aufgenommen. Vorgefertigte Hühnerställe haben zum Teil monatelange Wartezeiten bis zur Lieferung. Ein geimpftes und entwurmtes Huhn kostet zwischen zehn und 15 Euro. Besonders edle Rassen auch mal mehrere Hundert. Doch der Preis allein ist nicht das Problem. Geflügelzüchter kommen zum Teil kaum hinterher, um die explodierenden Kundenanfragen zu bedienen.

Haus- statt Nutztier

Die wenigsten der Geflügel-Tiere landen im Kochtopf. Sie bekommen Namen, legen Eier und ihre Besitzer erfreuen sich an ihrem wuseligen Treiben. Lehrerin Monika (56) hat sich ebenfalls einen Hahn samt Gefolge angeschafft und schwärmt: „Das ist manchmal besser als Kino. Jedes Huhn hat seinen ganz eigenen Charakter. Oberhuhn Prillan (genau, wie bei Findus & Petterson) hat das Sagen und ist immer vornedran. Hildegard fliegt super schnell und Chuanita ist schüchtern.“ Versteht sich, dass auch Monikas Hühner in ihrem Gärtchen mit Hanglage alt werden dürfen. „Mit meinem Garten konnte ich wegen der Lage eh nix anfangen und Hühner wollte ich schon immer. So wie meine Oma damals. Die hatte auch welche und ich fand das als Kind schon toll.“

Hühnerstall – ein umgebauter Schuppen, ein kleiner Verschlag oder ein altes Gartenhaus. Hauptsachen ein Rückzugsort, der sicher vor Raubtieren ist.
Hühnerstall – ein umgebauter Schuppen, ein kleiner Verschlag oder ein altes Gartenhaus. Hauptsachen ein Rückzugsort, der sicher vor Raubtieren ist. (Bild: Privat)

„Hühner sind wie Kino“

Genau dieser Punkt scheint beim Hühnchen-Trend eine große Rolle zu spielen. Es ist ein Stück heile Welt. Die Sehnsucht nach unbeschwerten Zeiten. Ein Kikereki am Morgen erinnert an Ferien auf dem Bauernhof. An Kindheitstage bei der Oma. An Rührei zum Frühstück und Apfelstrudel am Nachmittag. Gerade in den letzten zwei Jahren, in denen wir so viel aushalten mussten, es so viele Veränderungen gab und der Blick in die Zukunft so ungewiss wurde: Da bringt ein nach Regenwürmern scharrendes Huhn ein bisschen Frieden in den turbulenten Alltag.

Rent a Chicken – Hühner zum Ausleihen

Doch was ist, wenn ich mir noch nicht ganz sicher bin, in Sachen Hühnerhaltung? Dann kann man auch einfach mal ausprobieren, wie es sich anfühlt als Hühnerhalter. Denn es gibt die Möglichkeit sich einfach Hühner zu mieten. In unserer Region gäbe es die Möglichkeit zum Beispiel in Laupertshausen. Die Miet-Hühner müssen auf jeden Fall wieder abgegeben werden aber wer sich nach seiner Zeit mit den Miet-Hühnchen ein leben ohne geflügelte Mitbewohner nicht mehr vorstellen möchte, kann ihn dann ja in Ruhe angehen. Dem Traum vom eigenen Huhn.