Bürgerinfo zum Klimawandel Schussental: Überwärmte Stadtzentren und zunehmende Trockenheit

Schussental: Überwärmte Stadtzentren und zunehmende Trockenheit
Die Temperaturen sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen und auch dieser Sommer war im langjährigen Vergleich mit über 20 heißen Tagen deutlich zu warm und zu trocken. (Bild: Pixabay)
WOCHENBLATT
Redaktion

Der Klimawandel hat Folgen – auch im Schussental. Die Temperaturen sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen und auch dieser Sommer war im langjährigen Vergleich mit über 20 heißen Tagen deutlich zu warm und zu trocken. Um diesen Entwicklungen etwas entgegenzusetzen, haben die GMS-Gemeinden ein Klimaanpassungskonzept in Auftrag gegeben, dessen erste Ergebnisse nun vorliegen.

Bei einer Bürgerinformation am Mittwoch, 12. Oktober, ab 17 Uhr, werden in der Gemeindehalle Baienfurt die Ergebnisse der Stadtklimaanalyse und mögliche Zukunftsszenarien vorgestellt und geeignete Maßnahmen diskutiert. Nähere Informationen zur Bürgerinfo werden über die Homepage des Gemeindeverbands Mittleres Schussental veröffentlicht. Eine Anmeldung zu der Veranstaltung ist nicht erforderlich.

Ziel des Konzeptes ist es, herauszufinden, wie sich das Klima künftig entwickeln wird und wie die GMS-Kommunen Ravensburg, Weingarten, Baienfurt, Baindt und Berg auf die lokalen Folgen des Klimawandels reagieren können. Hierfür wurde eine regionale Klimaanalyse für das Mittlere Schussental vorgenommen, bei der auch geplante bauliche Entwicklungen mit einbezogen wurden.

Gesundheitsrisiken für Menschen im Blick

Erste Erkenntnisse dieser Untersuchungen liegen nun vor. Sie zeigen, dass sich insbesondere in den stark versiegelten und dicht bebauten Zentren der Siedlungsbereiche sogenannte Wärmeinseln mit erhöhter Wärmebelastung für die Bevölkerung ausbilden. Ebenso wurden wichtige Kaltluftenstehungsgebiete und Luftleitbahnen für die städtische Durchlüftung identifiziert. 

Wärmebelastung an einem warmen Sommertag im Gemeindeverband Mittleres Schussental. Dargestellt ist die "Physiologisch Äquivalente Temperatur (PET) die mit der "gefühlten Temperatur" vergleichbar ist. Bei über 35°C PET geht man von einer starken Wärmebelastung für den Menschen aus.
Wärmebelastung an einem warmen Sommertag im Gemeindeverband Mittleres Schussental. Dargestellt ist die „Physiologisch Äquivalente Temperatur (PET) die mit der „gefühlten Temperatur“ vergleichbar ist. Bei über 35°C PET geht man von einer starken Wärmebelastung für den Menschen aus. (Quelle: Stadt Ravensburg)

Das fertiggestellte Klimaanpassungskonzept soll in Zukunft in der Bauleitplanung Ideen aufzeigen, wie Baugebiete in ihrer Planung künftig besser an die Folgen des Klimawandels angepasst und umgesetzt werden können, damit die Gesundheitsrisiken für die Menschen in der Region reduziert werden können. Zudem richtet das Konzept den Fokus auf die lokalen Auswirkungen, die mit der fortschreitenden globalen Erderwärmung einhergehen und entwickelt entsprechend angepasste Maßnahmen in den Bereichen Landwirtschaft, Wald- und Forstwirtschaft, Wasser und Wasserhaushalt, Boden und Bodenschutz sowie Artenschutz und Biodiversität.

Immer mehr Tropennächte

Eine Überhitzung findet man vor allem in dicht bebauten Bereichen. Sonne, viele versiegelte Flächen und ein reduzierter Luftaustausch an heißen Sommertagen führen auch in Teilbereichen der GMS-Gemeinden zunehmend zum so genannten „Wärmeinseleffekt“. „Darunter wird das Aufheizen von Siedlungsbereiche ohne vollständige nächtliche Abkühlung während Hitzeperioden verstanden „, wie Dr. Marius Eisele, beim GMS zuständig für das Klimaanpassungskonzept, erklärt. „Das mussten wir in diesem Jahr bereits schon mehrfach erleben. Darunter leiden das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen ebenso wie unter den so genannten „Tropennächten“. Von diesen spricht man, wenn die Temperatur auch nachts nicht unter 20 Grad fällt“.

Im Zuge des Klimawandels ist auch in Oberschwaben mit einer Zunahme dieser Erwärmung zu rechnen. Vorteilhaft hingegen wirken sich Freiflächen, schattenspendende Bäume und so genannte „Kalt- und Frischluftleitbahnen“ entlang von Fließgewässern und Straßenzügen aus, die es im Zuge der Umsetzung des Klimaanpassungskonzepts bei der baulichen Entwicklung in Zukunft stärker zu beachten, zu schützen und ggfs. zu stärken gilt.