Schlafentzug kann gegen Depression wirken

Schlafentzug kann gegen Depression wirken
Schlafentzug zur kurzfristigen Wirksamkeit bei der Behandlung depressiver Symptome. (Bild: Engin Akyurt)
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Redaktion

Köln – Forscher haben – laut Mitteilung des Deutschen Gesundheitsportals (DGP) – einen systematischen Review der Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit von therapeutischem Schlafentzug als Behandlung bei unipolarer oder bipolarer Depression durchgeführt.

Acht kontrollierte Studien, eine qualitative Studie sowie sieben Fallserien zeigten, dass die Behandlung, so das DGP weiter, je nach Patientengruppe vorübergehend wirksam sein kann. Die Forscher fordern weitere Studien zur besseren Eingrenzung geeigneter Patientengruppen.

Schlafentzug wird seit Jahren bei der Depression eingesetzt und untersucht. Forscher führten nun einen systematischen Review der Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit von therapeutischem Schlafentzug als Behandlung bei unipolarer oder bipolarer Depression durch.

Die systematische Literaturübersicht wurde nach PRISMA-Richtlinien durchgeführt. Außerdem wurde die Sicherheit der jeweiligen Evidenz bewertet. Zur Einschätzung der Wirksamkeit zogen die Forscher kontrollierte Studien heran, Fallserien wurden zur Evaluation von Komplikationen genutzt. Zur Analyse der Erfahrungen von Patienten dienten dagegen qualitative Studien.

Die Recherche ergab acht kontrollierte Studien mit zusammen 368 Patienten, eine qualitative Studie sowie sieben Fallserien mit zusammen 825 Patienten. Eine Woche nach Behandlungsstart zeigte sich keine Reduktion depressiver Symptome durch Schlafentzug in Kombination mit Standardbehandlung im Vergleich zu nur der Standardbehandlung (standardisierte Mittelwertsdifferenz SMD = -0,29; 95 Prozent Konfidenzintervall CI: -0,84 – 0,25; p = 0,29).

Bei Ausschluss einer Studie mit älteren Patienten in einer post-hoc-Analyse zeigte sich allerdings ein signifikanter Effekt (SMD = -0,54; 95 Prozent CI: -0,86 – -0,22; p < 0,001), der jedoch nach zwei Wochen kleiner wurde. Im Vergleich zu Antidepressiva zeigte sich keine Überlegenheit des therapeutischen Schlafentzugs.

Allerdings könnte Schlafentzug unter bestimmten Bedingungen überlegen sein, berichten die Forscher. Es ist unsicher, ob Schlafentzug die Schlafqualität, Lebensqualität, Alltagsfunktionalität oder Länge eine Krankenhausaufenthalts beeinflusst. Außer einem Risiko für einen Switch in eine manische Episode (Risiko zwischen 2,7 Prozent – 10,7 Prozent) wurden keine anderen ernsten Komplikationen berichtet.

Schlafentzug wurde, so zeigte die Literaturübersicht, in einem breiten Spektrum an Settings untersucht. Daraus ergaben sich sehr unterschiedliche Resultate zur kurzfristigen Wirksamkeit bei der Behandlung depressiver Symptome.

Post-hoc-Analysen deuten auf einen signifikanten, wenn auch vorübergehenden Effekt in bestimmten Populationen. Weitere Studien sollten darauf fokussieren, welche Untergruppen speziell auf diese Behandlung ansprechen und die Machbarkeit in der klinischen Routine untersuchen.