Riedlingen löst Schilda ab – Ein Kommentar

Riedlingen löst Schilda ab – Ein Kommentar
In früheren Jahren gab es in Riedlingen noch einen prächtigen Weihnachtsbaum (Bild: Maximilian Kohler)

Freier Redakteur
E-Mail senden

Immer wenn man glaubt, es könne nicht noch schlimmer kommen, belehrt die Riedlinger Stadtverwaltung samt Gemeinderatsmehrheit ihre Bürger eines Besseren. Die Kapriolen der letzten Wochen sind schwer zu begreifen und lösen bei den Bürgern der Stadt Unverständnis aus. Damit nicht genug, im Umland erntet man als Bürger der Stadt, nicht nur derzeit Hohn und Spott.

Als ob das seit 10 Jahren andauernde Theater um eine vernünftige und zukunftsweisende Gesundheitsversorgung nicht genug wäre, legen die Stadtoberen mit weiteren, kaum begreifbaren Beschlüssen nach. Für die „Lebendige Altstadt“ wird ein sechsstelliger Betrag aufgewendet. Gewinner sind die Beratungsfirmen, die sich über ein vorgezogenes „Weihnachtsgeschenk“ aus Riedlingen freuen dürfen.

Ob die Stadt jemals einen Nutzen oder Gewinn aus diesen Aktivitäten ziehen wird, bleibt ungewiss. Zu viele Anläufe gab es in der Vergangenheit, die Altstadt zu „retten“. Die seit 25 Jahren getätigten Aufwände (Stadtmarketings, Hochschulen aus Biberach und Albstadt-Sigmaringen, Imakomm Akademie etc.) haben genau so wenig nachhaltige Spuren hinterlassen, wie die bisher drei eingesetzten Wirtschaftsförderer der Stadt.

Das Projekt „Lebendige Altstadt“ und die damit verbundenen (immensen) Kosten haben offensichtlich erste Auswirkungen. Die Stadt kann und will sich keinen repräsentativen Weihnachtsbaum samt Weihnachtsbeleuchtung mehr leisten. Alternativ bietet die Stadt ein Fitnessprogramm an. Wer will kann für die Beleuchtung in die Pedale eines Lastenfahrrades treten, damit am aufgestellten Bäumle das Licht leuchtet.

In Riedlingen setzen die Verantwortlichen ihre ganze Hoffnung in die Gartenschau 2035. Die soll die Stadt rocken und voranbringen. Prinzip: Die Hoffnung stirbt zuletzt! Doch was passiert bis dorthin? Die Zeitspanne bis dorthin ist viel zu lange, um nur auf diesen Faktor zu setzen. Verdienen wird die Stadt mit der Gartenschau kaum etwas, im Gegenteil, sie ist gezwungen viel Geld in die Hand zu nehmen, um das Städtle herauszuputzen. Leichter fiele dies, wäre die Stadt bei der Ansiedlung neuer Betriebe und Schaffung neuer Arbeitsplätze erfolgreich. Doch hier ist man, im Vergleich zu den benachbarten Städten, das weit abgeschlagene Schlusslicht.

Einen weiteren Glanzpunkt setzt die Gemeinderatsmehrheit vor wenigen Tagen bei den Vorbereitungen zur Gartenschau. Um den gesamten Stadtgraben überplanen zu können, kaufte die Stadt ein Wiesle mit Garage hinter dem „Pflug“. Kosten für das Grundstück: 235 Euro pro Quadratmeter! Dazu kommen wohl noch die Kosten für den Abbruch der Garage. Doch das ist nicht das Ende der Geschichte: Hätte die Stadt ihr Vorkaufsrecht früher ausgeübt, wäre das Grundstücksgeschäft vermutlich deutlich billiger gewesen. Das Filetstück Steinbruch vertickte die Stadtverwaltung mit Gemeinderatsmehrheit für nur 100 Euro je Quadratmeter auf. Einen Preis fernab der üblichen Grundstückspreise in der Stadt.

Offensichtlich kann die Stadtverwaltung schalten und walten, wie sie es will. Und der Gemeinderat? Von Kontrolle der Verwaltung keine Spur, es findet sich offenkundig immer eine Mehrheit für Beschlüsse, deren Sinnhaftigkeit zumindest angezweifelt werden darf. Es ist ein Jammer, aber es scheint, als ob Riedlingen alle Anstrengungen unternimmt, das berühmt berüchtigte Schilda als Hochburg der seltsam anmutenden Entscheidung abzulösen. Passend dazu ein Vorschlag: Strampelt ein Bürger der Stadt besonders heftig auf dem Fahrrad, können ja der Bürgermeister, seine Verwaltungsmitarbeiter und die Gemeinderatsmitglieder das erstrahlende Licht am Bäumle in Säcke stecken und sie in das Rathaus tragen.

Weihnachtsbaum beim L'Aragosta.
Weihnachtsbaum beim L’Aragosta. (Bild: Maximilian Kohler)

Zum Trost für alle Riedlinger sei erwähnt, dass es in Riedlingen trotzdem einen repräsentativen und wunderschönen geschmückten Weihnachtsbaum gibt. Er steht neben dem Restaurant L’Aragosta in der Gammertinger Straße.