Donaugestaltung: Ja zu Zielen aus Bürgerbeteiligung, Nein zum Verkehrsversuch

Donaugestaltung: Ja zu Zielen aus Bürgerbeteiligung, Nein zum Verkehrsversuch
Abgelehnt: Im Rahmen eines Verkehrsversuchs war geplant, Teil der die Weimarstraße zu sperren und – ähnlich wie hier beim letzten Stadtfest - für verschiedene Aktivitäten zu nutzen. Der Gemeinderat lehnte den Verkehrsversuch ab. (Bild: Stadt Tuttlingen)

WOCHENBLATT

Neue Treffpunkte, mehr Gastro Im Donaupark und weniger Verkehr in der Weimarstraße – diesen grundsätzlichen Zielen aus der Bürgerbeteiligung stimmte der Gemeinderat am Montag mit einer knappen Mehrheit grundsätzlich zu. Die Idee, die künftige Verkehrsführung durch einen Verkehrsversuch zu testen, wurde hingegen mit einer ebenso knappen Mehrheit abgelehnt. Auch das geplante Reallabor mit Sport- und Kulturangeboten in der Weimarstraße wird es folglich nicht geben.

Über 80 Bürger hatten an den Bürgerwerkstätten teilgenommen, dazu kamen Bürgerspaziergänge, Infostände und die Möglichkeit, sich online zum Thema Donaugestaltung zu äußern. Am Ende der Bürgerbeteiligung standen über 800 Anregungen und Kommentare – und verschiedene Ziele, die das beratende Büro Translake zusammengefasst hatte.

In der Gemeinderatssitzung am Montag wurden die Ergebnisse vorgestellt – zu Wort kamen dabei auch zwei Bürger, die sich in den Bürgerwerkstätten engagiert hatten. „Ich hab mir davor lange überlegt, ob ich mir das antue – aber dann habe ich viel gelernt“, berichtete Annemarie Atzrodt. Und Dr. Sebastian Braun-Lüdicke schwärmte davon, dass in den Sitzungen „die Ideen nur so sprudelten.“

„Wir beraten heute über abstrakte Ziele – und wir sollten das Votum der Bürger auch ernst nehmen“, so OB Michael Beck. Zu den meisten der vom Büro Translake zusammen gefassten Zielen aus der Bürgerbeteiligung gab es auch einen großen Konsens im Gemeinderat: Neue Treffpunkte, weitere gastronomische Angebote, der Erhalt von Gehölzen, Querungsmöglichkeiten über den Fluss, ein Wasserspielplatz oder ein Müllkonzept für den Donaupark waren unstrittig.

Auch die Idee, die Sohle der Donau anzuheben und vier von fünf Wehrklappen auf Dauer aufzustauen und das Ufer entsprechend zu gestalten, gab es weder Meinungsverschiedenheiten noch Diskussionen. Anders war es beim Verkehr: Vor allem das Ziel, die Zahl der in der Weimarstraße parkenden und fahrenden Autos zu senken war strittig. Letzteres ist aber nötig, wenn ein anderes Ziel – die Trennung von Rad- und Fußweg in der Allee – zu ermöglichen. Nach längerer Diskussion wurden die Leitziele dann aber beschlossen – mit einer Stimme Mehrheit.

Ebenso knapp aber mehrheitlich abgelehnt wurde hingegen die Idee, den Sommer über die Weimarstraße auf Höhe es Stadtgartens vorübergehend zu sperren. So sollte getestet werden, wie sich der Verkehr anders verteilt, wenn man eine der bestehenden Ost-West-Verbindungen erschwert. Der Verkehrsversuch wird nun also nicht stattfinden. Auch die bereits angedachten Kultur- und Sportaktionen im Rahmen des Reallabors auf der gesperrten Straße wird es nun nicht geben. Als nächster Schritt werden nun auf der Grundlage der Leitziele erste Planstudien ausgearbeitet.

Kein Public Viewing, keine Seilbrücke und keine Leseecken – Was mit dem Verkehrsversuch alles ausfällt

Wie ändern sich Verkehrsflüsse, wenn man die Durchfahrt durch die Weimarstraße sperrt? Darüber sollte der Verkehrsversuch Aufschluss geben, den die Verwaltung über die Sommermonate geplant hatte, und der vom Gemeinderat nun mit knapper Mehrheit abgelehnt wurde. Vorgesehen war unter anderem, die Weimarstraße auf Höhe des Stadtgartens komplett zu sperren – der Rest der Straße hätte freilich weiter genutzt werden können.

Außerdem war angedacht, an mehreren Stellen vorübergehend die Verkehrsführung zu ändern – zum Beispiel durch teilweise geänderte Einbahnregelungen oder vorübergehende Änderungen an den Kreuzungen Groß Bruck/Stuttgarter Straße und Ludwigstaler Straße/Gießstraße.

„Innerhalb verschiedener Versuchsphasen soll hier ausgetestet werden, wie sich der Verkehr in der Weimarstraße verhält und auf welchen Straßen es zu Mehrbelastungen kommen wird“, hieß es in der Vorlage. Und während dieser Zeit wäre die Weimarstraße auf Höhe des Stadtgartens als „Reallabor“ genutzt worden – also als Experimentierfläche, was man in einer Stadt auf gewonnen Flächen alles machen kann.

Durch das Nein des Gemeinderates fallen Verkehrsversuch und Reallabor nun aus. Auch die bereits geplanten Aktionen werden in der geplanten Form nun nicht stattfinden. Vorgesehen waren unter anderem

  • Public Viewing zur EM
  • Ein Open-Air-Kino auf der Weimarstraße
  • Eine temporäre Bühne für Kulturveranstaltungen – unter anderem das Musikschulfest
  • Sportangebote – unter anderem ein Pump Track, also ein Parcours für Fahrradfahrer und Inlineskater
  • Kunstprojekte der Kindergärten und der Jugendkunstschule
  • Leseecken
  • Eine Seilbrücke über die Donau

(Pressemitteilung: Stadt Tuttlingen)