Vorboten des Deutschen Trachtenfests im Stadtmuseum Wangen

Vorboten des Deutschen Trachtenfests im Stadtmuseum Wangen
Das Bild zeigt die Verantwortlichen für das Deutsche Trachtenfest in Wangen sowie die Ausstellung im Stadtmuseum. (Bild: Stadt Wangen /Rainer Jensch)

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Zehn Trachten aus ganz Deutschland sind seit Sonntag im Stadtmuseum zu sehen. Sie sind Vorboten des Deutschen Trachtenfests, das von Freitag, 7. bis Sonntag, 9. Juni 2024, in Wangen stattfinden wird.

Hohe Trachtenprominenz war vertreten, um den Start der Ausstellung offiziell zu verkünden. Der Vizevorsitzende des Deutschen Trachtenverbands, Gunter Dlabal, und der Gauvorsitzende des Bodensee – Heimat – und Trachtenverbands, Werner Halder, führten in die Ausstellung und das Wesen der Heimat- und Trachtenvereine ein.

Trachtenträger sind keine Museumpuppen

Nach einem herzlichen Willkommensgruß durch den Leiter des Kultur- und Sportamts, Hermann Spang, stellte Werner Halder die Vielfalt seines Verbands vor. Mit 21 Vereinen, wovon drei aus Bayern kommen, werden die unterschiedlichen Trachten der Region und das dazugehörige Brauchtum gepflegt. Stilistisch gibt es zweierlei Trachtentypen in der Region: Die Allgäuer Gebirgstracht und die historische Bürgertracht.  Die Trachtler seien keine Museumspuppen, sondern möchten das Brauchtum mit Musik, Tanz, Goaßlschnalzen und anderem erhalten und zeigen. Dabei so Halder grenzen sich die Heimatvereine ganz klar ab von jenen, die am rechten politischen Rand den Begriff Heimat für sich beanspruchen.

Dabei seien die Heimatvereine international verbunden. So findet jedes Jahr die Europiade statt – in diesem Jahr auf Sardinien. Dort feierten Gruppen aus 25 Nationen zusammen und präsentierten das Brauchtum ihrer jeweiligen Heimat.

Trachten von Schleswig-Holstein bis Bayern

Nach diesem geweiteten Blick erläuterte Gunter Dlabal das Thema der Tracht. Zunächst bedankte er sich bei Hermann Spang und der Stadt Wangen dafür, dass zu diesem Deutschen Trachtenfest eine Ausstellung hinführen darf. Das habe es noch nie gegeben. Seit 30 Jahren wählt der Deutsche Trachtenverband jährlich eine „Tracht des Jahres“. In den beiden oberen Stockwerken zeigt der Verband nun zehn Kostüme aus den verschiedensten Regionen Deutschlands von Schleswig-Holstein bis nach Miesbach in Bayern.

Heute ersetzt die Jeans die Tracht als Standardkleidung

Der Begriff Tracht sei ein rein deutscher. In anderen Ländern werde der Begriff Kostüm bevorzugt. Und wenn man genau hinschaue, dann habe sich die Haute Couture bereits der Tracht bemächtigt. Als Beispiel nannte er das berühmte Kostüm nach dem Entwurf von Coco Chanel. Das Jäckchen sei ein Spencer, wie man es von Trachten aus dem Salzburgischen kenne. Heute seien Jeans die Tracht der Menschen, also eine Standardkleidung.

Trachten erzählen Geschichten

Die Trachten, die jetzt im Museum präsentiert werden, sind allerdings festliche Kleidungsstücke, Hüte, Hauben und Accessoires.  Die Ausstattung einer Tracht erzählt auch immer etwas über die wirtschaftlichen Umstände der Region, aus der sie kommt. So wies Gunter Dlalbal beispielsweise bei der Hohenlohisch-Frankischen Tracht auf die hochwertige Ausstattung hin. So hätten die Bauern aus dieser Region ihre Rinder bis nach Südfrankreich gebracht und sie dort direkt vermarktet. Dies habe zu einem stattlichen Reichtum geführt, der sich unter anderem an den reichen Knöpfen ablesen lasse. Oder die Tracht aus dem Thüringischen Rula – dort haben die Menschen früher im Winter Uhren gebaut und sie im Sommer auf Märkten verkauft. Deshalb habe die Rulaer Frauentracht den Anschein einer Markthändlerin. Die Schwälmer Tracht (Hessen) hat ein Käppchen, das laut Dlabal von den Brüder Grimm als Vorbild für das Rotkäppchen genutzt wurde. Der Mantel der Altenburger Tracht (Thüringen) sei so groß, dass damit ein ganzer Pferderücken bedeckt werden könne – auch ein Zeichen von Reichtum, wie Dlalbal sagte.

Mit der Kür der „Tracht des Jahres“ verbindet der Deutsche Trachtenverband die Absicht, das Kulturgebiet Deutschland abzubilden.

Wochenende im Zeichen der Tracht

Dass das Deutsche Trachtenfest vom 7. bis zum 9. Juni 2024 in Wangen gefeiert wird, wurde vor elf Jahren beim 100-jährigen Bestehen des Wangener Trachtenvereins ins Auge gefasst und seit drei Jahren intensiv vorbereitet. Nach dem Galaabend am Freitag auf der Sparkassen-Kulturbühne in der ERBA wird es am Samstag von 10 bis 18 Uhr Darbietungen in der Altstadt und auf dem LGS-Gelände geben. Abends wird wieder auf der Sparkassen-Kulturbühne getanzt, gespielt und gefeiert. Am Sonntag beteiligen sich nach dem Gottesdienst in St. Martin ab 12.30 Uhr rund 3500 Trachtenfreunde und viele Musikkapellen am Umzug durch die Altstadt. Er mündet beim Milchpilz ins LGS-Gelände und führt zur Sparkassen-Kulturbühne, wo es einen Fahneneinmarsch geben wird.

(Pressemitteilung: Stadt Wangen)