Im Südwesten müssen Steuerzahler derzeit im Durchschnitt 45 Tage auf ihren Steuerbescheid warten. Das Finanzministerium nennt Gründe für die verlängerte Bearbeitungsdauer.
Die Finanzämter in Baden-Württemberg lassen sich bei der Bearbeitung von Steuererklärungen wieder mehr Zeit. Für das Steuerjahr 2024 benötigten sie im Jahr 2025 im Schnitt 45 Tage, um eine Einkommensteuererklärung zu bearbeiten, wie das Finanzministerium in Stuttgart mitteilte. Zum Vergleich: 2024 lag die durchschnittliche Bearbeitungszeit bei 41 Tagen, im Jahr 2023 bei 54 Tagen.
Als Ursache für die längeren Bearbeitungszeiten im Jahr 2025 nennt das Ministerium die verkürzten Abgabefristen, die schrittweise wieder an das Niveau vor der Corona-Pandemie herangeführt wurden. Dadurch seien zeitweise besonders viele Steuererklärungen gleichzeitig bei den 65 Finanzämtern im Land eingegangen. Nicht alle hätten sofort bearbeitet werden können, was zu einer leicht gestiegenen durchschnittlichen Bearbeitungsdauer im Vergleich zum Vorjahr führte.
Regional gibt es deutliche Unterschiede: In Sinsheim und Schwetzingen erhielten Steuerzahler ihren Bescheid im Schnitt bereits nach 34 Tagen. Deutlich länger dauerte es dagegen in Villingen-Schwenningen sowie beim Finanzamt Freiburg-Stadt, wo im Durchschnitt 59 Tage vergingen, wie das Ministerium auf Anfrage erklärte.
Kritik an der Begründung äußerte der Landesvorsitzende des Steuerzahlerbundes, Eike Möller. Es sei aus seiner Sicht nicht nachvollziehbar, dass der Gesetzgeber Steuerzahler zu einer schnellen Abgabe verpflichte, die Finanzämter aber anschließend mit der Bearbeitung nicht Schritt halten könnten. Vor diesem Hintergrund plädierte er für einen großzügigeren Umgang mit Fristverlängerungen. „Ganz allgemein lässt sich sagen, dass es mit den nun wieder gestiegenen Bearbeitungszeiten in eine falsche und für die Steuerzahler unangenehme Richtung geht.“