Stichling-Invasion im Bodensee: Mögliche Lösung gefunden

Omega-3-Fettsäuren locken die Stichlinge in die Mitte des Bodensees – wo sie in großen Mengen gefangen werden können.
Omega-3-Fettsäuren locken die Stichlinge in die Mitte des Bodensees – wo sie in großen Mengen gefangen werden können. (Bild: Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg)

Im Bodensee tummeln sich viele verschiedene Fischarten. Der dreistachlige Stichling stellt die Forscher bereits seit langem vor Herausforderungen. Jetzt könnte tatsächlich eine vermeintliche Lösung für die Bedrohung gefunden worden sein.

Der dreistachlige Stichling ist seit rund 70 Jahren im Bodensee angesiedelt. Nachdem er jahrelang relativ unscheinbar am Uferbereich lebte, entwickelte er sich in den letzten Jahren zu einem immer größer werdenden Problem. Seit 2012 halten sich die Stichlinge in großen Massen, vor allem im Freiwasser des Bodensees auf.

Stichlinge sind Feinde der bedrohten Felchen

Das ist sehr zum Nachteil der dort lebenden Felchen, denn die Stichlinge machen ihnen die Nahrung streitig und fressen ihre Nachkommen. Warum die Stichlinge überhaupt in das Freiwasser eingedrungen sind, konnte bisher nicht geklärt werden.

Eine neue Studie der Fischereiforschungsstelle Langenargen, des Landwirtschaftlichen Zentrums Aulendorf und der Technischen Universität München liefert nun erste Antworten.

Felchen werden durch den Stichling im Bodensee bedroht.
Felchen werden durch den Stichling im Bodensee bedroht. (Bild: Felix Kästle/dpa)

Omega-3 Fettsäuren als Auslöser für Umsiedlung

Das Forscherteam analysierte die Fettsäurezusammensetzung der Stichlinge am Ufer und im Freiwasser und verglich sie mit deren Mageninhalt. Das Ergebnis: Stichlinge aus dem Freiwasser sind deutlich besser mit langkettigen Omega-3 Fettsäuren versorgt als ihre Artgenossen am Ufer.

Grund dafür ist die Ernährung der Fische. Im Freiwasser können die Stichlinge nämlich deutlich mehr Ruderfußkrebse finden und fressen, als am Ufergebiet. Die Krebse tragen hohe Mengen der für die Fische wichtigen Fettsäuren in sich.

Uferstichlinge müssen auf Wasserflöhe ausweichen. Die Ernährung der Fische im Freiwasser ist damit deutlich hochwertiger. Experten vermuten daher, dass diese reichhaltige Nahrungsquelle der ausschlaggebende Grund für das ungewöhnliche Wanderverhalten der Stichlinge ist.

Invasion bislang nur im Bodensee

Auch auf die Frage, wieso die Freiwasserinvasion bisher nur im Bodensee auftritt, liefert die Studie mögliche Antworten:

„Die Stichlinge im Bodensee, die ja durch den Menschen eingeschleppt wurden, sind marinen Ursprungs. Im Meer sind diese Omega-3-Fettsäuren in der Nahrung nahezu im Überfluss vorhanden. Im Süßwasser ist das hingegen anders, hier sind bestimmte, lebensnotwendige Fettsäuren ungleich verteilt. Daher wohl die Wanderung der Bodenseestichlinge ins Freiwasser, da sie dort die wichtigen Omega-3-Fettsäuren viel besser erreichen können.“

Der Bodensee ist der Schauplatz der Stichling-Invasion. Wieso das so ist, könnte nun geklärt sein.
Der Bodensee ist der Schauplatz der Stichling-Invasion. Wieso das so ist, könnte nun geklärt sein. (Bild: OxfordSquare // iStock / Getty Images Plus)

Dichte an Fischen in 2012 ungewöhnlich niedrig

Weshalb es nicht früher zur Umsiedlung in das Freiwasser kam, blieb lange Zeit ein Rätsel. Die Forscher haben auch hierzu eine Theorie: Die Dichte an Fischen im Freiwasser, vor allem an Felchen, war im Jahr 2012 sehr niedrig. Das bedeutet, dass auch die Konkurrenz um Nahrung und Platz gering war.

Das nutzten die Stichlinge möglicherweise aus und übernahmen, zum Leidwesen der Felchen, deren Lebensraum. Die Experten empfehlen zukünftig mit Netzen gegen die Stichlinge vorzugehen. So sollen die Felchen, die ab 2023 unter Schonung stehen, noch besser geschützt werden.

(Quelle:  Landwirtschaftliches Zentrum für Rinderhaltung, Grünlandwirtschaft, Milchwirtschaft, Wild und Fischerei Baden-Württemberg (LAZBW)- Fischereiforschungsstelle)