Bei einer Sommertour besucht Staatssekretär Dr. Andre Baumann den Biotopverbund in Kressbronn. Vier Stationen zeigen die Zusammenarbeit vor Ort.
Gemeinsam mit Landrat Luca Prayon, Bürgermeister Daniel Enzensperger sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Naturschutz, Landwirtschaft und Politik informierte sich der Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg über beispielhafte Maßnahmen zur Vernetzung wertvoller Lebensräume.
Durch die Exkursion führte Thomas Ueber, Biotopverbundbotschafter des Landschaftserhaltungsverbandes Bodenseekreis (LEV). An vier Stationen zeigte sich, wie durch die Zusammenarbeit von Gemeinde, Landwirtschaft, Naturschutz und Behörden ein funktionierender Biotopverbund entstehen kann.
Landrat Luca Prayon würdigte die geleistete Arbeit: „Der Landschaftserhaltungsverband Bodenseekreis leistet mit großem fachlichem Engagement einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer vielfältigen Kulturlandschaft. Besonders beeindruckend ist, wie hier Naturschutz, Landwirtschaft, Behörden, Gemeinde sowie Landschaftspfleger partnerschaftlich zusammenarbeiten. Der Biotopverbund in Kressbronn zeigt eindrucksvoll, dass erfolgreiche Naturschutzprojekte nur im Miteinander aller Beteiligten gelingen.“
Frühe Vorbehalte in der Landwirtschaft
Zum Auftakt am Hofgut Schleinsee wurde die Entwicklung der Biotopverbundplanung in Kressbronn vorgestellt. Die Gemeinde gehörte zu den ersten Kommunen im Bodenseekreis, die sich auf den Weg machten. Nach der Ausschreibung im Jahr 2021 begann 2022 die fachliche Bearbeitung.
„Gerade zu Beginn gab es insbesondere seitens der Landwirtschaft durchaus erhebliche Vorbehalte gegenüber dem Projekt“, erläuterte Thomas Ueber. „Entscheidend war deshalb, frühzeitig den Dialog zu suchen. Durch regelmäßige Gespräche mit den landwirtschaftlichen Berufsverbänden, die Einrichtung eines Gemeinderatsbeirats und eine intensive Öffentlichkeitsbeteiligung konnten wir Vertrauen aufbauen und gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln.“
Heute gilt die Biotopverbundplanung in Kressbronn als gelungenes Beispiel für einen konstruktiven Beteiligungsprozess.
Seltene Arten im Schönmoos
An der zweiten Station im Naturschutzgebiet Schönmoos standen die ökologischen Besonderheiten des kleinräumigen Moorgebiets im Mittelpunkt. Das Gebiet beherbergt ein vielfältiges Mosaik aus Hoch- und Zwischenmoor, Pfeifengras-Streuwiesen, Seggenrieden sowie wertvollen Nasswiesen. Zahlreiche seltene und teilweise stark gefährdete Pflanzenarten wie Rundblättriger Sonnentau, Fieberklee, Sibirische Schwertlilie oder verschiedene Orchideen finden hier geeignete Lebensräume.
„Moore gehören zu den artenreichsten, aber auch empfindlichsten Lebensräumen unserer Landschaft“, erklärte Ueber. „Daher sind regelmäßige Pflegemaßnahmen, damit die Flächen nicht verbuschen und ihre besondere Artenvielfalt erhalten bleibt, sehr wichtig.“
Zugleich wurden an dieser Station Herausforderungen bei der Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen thematisiert. Zahlreiche Pflegemaßnahmen wurden über die Landschaftspflegerichtlinie erfolgreich umgesetzt. Aufgrund eingeschränkter Mittelverfügbarkeit konnten teilweise jedoch notwendige Folgepflegemaßnahmen sowie neue Vertragsabschlüsse nicht mehr realisiert werden.
Betznauer Bach verbindet Lebensräume
Am Betznauer Bach wurde die Bedeutung naturnaher Gewässer als ökologische Verbindungsachsen erläutert. Der Bach verbindet die Naturschutzgebiete Schönmoos und Berger Weiher und bildet damit einen zentralen Bestandteil des regionalen Biotopverbunds.
Gleichzeitig stellt er einen der bedeutendsten Lebensräume der streng geschützten Helm-Azurjungfer im Bodenseekreis dar. Die Libellenart ist auf sonnige, saubere und naturnahe Fließgewässer angewiesen. Eine schonende Gewässerpflege sowie eine extensive Bewirtschaftung der angrenzenden Flächen tragen wesentlich zu ihrem Erhalt bei.
Mittelmühle ökologisch aufgewertet
Den Abschluss bildete die Mittelmühle am Nonnenbach. Dort wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung umgesetzt. Dazu gehören extensive Beweidung, die Entwicklung artenreicher Wiesen, die Anlage eines Amphibientümpels sowie die Umwandlung einer ehemaligen Hopfenanlage in artenreiches Grünland.
Besonders erfolgreich entwickelte sich die mit regionalem Wiesendrusch eingesäte Fläche. Bereits nach kurzer Zeit konnten zahlreiche für artenreiches Extensivgrünland typische Pflanzenarten nachgewiesen werden.
„Diese Fläche zeigt sehr anschaulich, dass sich fachgerechte Planung und Geduld auszahlen“, betonte Ueber. „Mit regionalem Wiesendrusch und einer angepassten Bewirtschaftung entstehen innerhalb weniger Jahre wertvolle Lebensräume, die einen wichtigen Beitrag zum Biotopverbund leisten.“
Baumann betont biologische Vielfalt
Staatssekretär Dr. Andre Baumann unterstrich die Bedeutung des Projekts: „Der Biotopverbund als Netz miteinander verbundener Lebensräume für Tiere und Pflanzen ist von zentraler Bedeutung für die biologische Vielfalt und eine lebendige Landschaft. Es ist toll zu sehen, wie gut es hier im engagierten Miteinander geklappt hat, einen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität im Land zu leisten. Mit diesem Einsatz werden ökologische Zusammenhänge gestärkt und die Widerstandsfähigkeit unserer Natur gegenüber aktuellen Herausforderungen wie dem Klimawandel erhöht.“
Die Exkursion verdeutlichte, dass der Biotopverbund über die Vernetzung einzelner Schutzgebiete hinausgeht. Er lebt vom Engagement der Flächeneigentümerinnen und Flächeneigentümer, der Landwirtschaft, der Kommunen sowie der Naturschutzakteure. Die Sommertour setzte damit ein Zeichen für den Erhalt der biologischen Vielfalt und würdigte das Engagement aller Beteiligten, die den Biotopverbund in Kressbronn gemeinsam voranbringen.
(Quelle: Landratsamt Bodenseekreis)