Radikalisierung erkennen – Zivilcourage zeigen

Radikalisierung erkennen – Zivilcourage zeigen
Um Radikalisierung frühzeitig zu erkennen, gilt es, Veränderungen im Verhalten der betreffenden Person zu bemerken und richtig zu deuten (Bild: canva)
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Redaktion

Ra­di­ka­li­sie­rungs­pro­zes­se sind nicht immer unmittelbar zu erkennen, denn es gibt keine all­ge­mein­gül­ti­gen Anzeichen oder eindeutig sichtbare Merkmale. Allerdings bemerken Familie, Freunde oder Lehrkräfte oft ein verändertes Verhalten einer Bezugsperson. Es fällt ihnen auf, dass die Einstellungen immer extremer werden oder dass die Person sich aus dem sozialen Umfeld zurückzieht. Was kann man tun?

Um Radikalisierung frühzeitig zu erkennen, gilt es, Veränderungen im Verhalten der betreffenden Person zu bemerken und richtig zu deuten. Menschenwürde, Meinungsfreiheit, Demokratie – unsere Grundwerte sind nicht verhandelbar. Unterschiedlichste Gruppierungen zielen allerdings darauf ab, unserer freiheitlich-demokratische Grundordnung anzugreifen und abzuschaffen. Dabei sind sie sogar teilweise bereit, Gewalt einzusetzen oder verüben terroristische Anschläge.

Was versteht man unter Radikalisierung?

Eine Person oder eine Gruppe identifiziert sich im Laufe der Zeit immer mehr mit einer extremistischen Denk- und Handlungsweise. Dabei kann die Bereitschaft steigen, Gewalt zu unterstützen oder gar selbst anzuwenden, um die extremistischen Ziele zu verwirklichen. Solch eine Radikalisierung ist oft ein schleichender Prozess.

Wie erkenne ich Radikalisierungstendenzen einer Person?

Radikalisierungsprozesse sind für Außenstehende nicht immer unmittelbar zu erkennen, denn es gibt keine allgemeingültigen Anzeichen oder eindeutig sichtbare Merkmale einer Radikalisierung. Sie entsteht aus einem Zusammenwirken vieler Faktoren, wie die individuellen Erfahrungen des Einzelnen und seine familiäre Prägung, seinen Kontakten mit extremistischen Organisationen oder Einzelpersonen im sozialen Umfeld und dem Konsum von Propaganda über das Internet und in den sozialen Medien.

Familie, Freunde, Lehrer und im Zusammenhang mit der Zuwanderung die Flüchtlingsbetreuer sind oft die ersten, denen eine Verhaltensänderung bei jungen Menschen auffällt. Es hilft es, eine Person bereits gut zu kennen. Auch bei losen Bekanntschaften und im erweiterten Freundes- und Familienkreis ist es wichtig, auf radikale Meinungen und die Verbreitung dieser zu achten.

Zivilcourage zeigen: die Tipps der Zivilen Helden

Im persönlichen Umgang mit diesen Mitmenschen kommt es darauf an, zuzuhören und die Position des Gegenübers zu hinterfragen. Den Kontakt bei Bekannten und Freunden einfach abzubrechen, führt dazu, dass die Person sich weiter isoliert. Besser ist es, Hilfestellung zu geben und zumindest lockeren Kontakt zu halten, um weitere Radikalisierungsschritte mitzubekommen.

Richtiges Verhalten bei Radikalisierung:

  1. Hinterfragen: Fragen Sie direkt nach, wie eine Äußerung gemeint ist
    Es hilft mehr, zu hinterfragen, statt zu belehren. So kann auf mögliche Widersprüche in der Argumentation hingewiesen werden. Einfaches Belehren führt eher zu Abwehrreaktionen.
  2. Widerspruch: Reagieren und argumentieren Sie
    Beispielsweise sollen Äußerungen, in denen es um die Abwertung anderer (zum Beispiel von sogenannten „Ungläubigen“) nicht unwidersprochen im Raum stehen bleiben.
  3. Grenzen setzen: Respektieren Sie zwar die Entscheidung, aber setzen Sie Grenzen
    Betroffene sollten nicht ignoriert werden, sie benötigen weiterhin Unterstützung und Respekt. Dabei sollte jedoch absolute Intoleranz gegenüber radikalen Einstellungen formuliert werden. Setzen Sie Grenzen, versuchen Sie aber nicht, den Kontakt komplett zu vermeiden.
  4. Bieten Sie immer wieder Hilfe an
    Keine Vorwürfe machen. Bietet Sie immer wieder Unterstützung an. Vermeiden Sie, den Kontakt abzubrechen. Zeigen Sie Respekt und zeigen Sie Interesse am Leben des Betroffenen.
  5. Vermitteln Sie: Gemeinsam schaffen wir das
    Arbeiten Sie zum Beispiel bei Jugendlichen eng mit Lehrern zusammen. Bitten Sie Andere im nahen Umfeld der Betroffenen um Hilfe. Behalten Sie Informationen nicht für sich, sondern suchen Sie Hilfe.
  6. Sichern Sie Beweise, wie Screenshots oder andere Hinweise
    Sollten Ihnen Hinweise im Netz begegnen, sichern Sie diese per Screenshot. Ein Screenshot kann sowohl direkt am Computer, im Browser und auch auf dem Smartphone erstellt werden. Im besten Fall sind auf dem Screenshot auch Datum und Uhrzeit zu sehen. Sprachnachrichten nicht löschen. Auch das können Beweise sein.

Bei aktuten sicherheitsrelevanten Hinweisen oder in einer akuten Gefährdungssituation wenden Sie sich bitte an die nächstgelegene Polizeidienststelle oder rufen Sie 110 an.

(Pressemitteilung: Polizeiliche Kriminalprävention)