Psychische Auffälligkeiten bei 16 Prozent aller Minderjährigen in der Region

Psychische Auffälligkeiten bei 16 Prozent aller Minderjährigen in der Region
Fast ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen leidet an einer psychischen Störung. (Bild: Privat)
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Redaktion

Grundschüler besonders betroffen

Ulm – Angststörungen, Aufmerksamkeitsdefizite, Depressionen – fast ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen leidet an einer psychischen Störung. Etwa jeder fünfte Junge und jedes siebte Mädchen war laut der letzten Auswertung der AOK Baden-Württemberg wegen einer psychischen Erkrankung in Behandlung. Tendenz steigend.

In der Region ist die Prävalenz psychischer Erkrankungen unter Versicherten bis 17 Jahren in den letzten Jahren im Schnitt um vier Prozent gestiegen.

Die AOK Ulm-Biberach möchte anlässlich des Internationalen Tags der Seelischen Gesundheit am 10. Oktober für das Thema sensibilisieren und auf die Wichtigkeit der Vorsorgeuntersuchungen gerade auch im Jugendalter hinweisen.

Im Jahr 2018 waren im Alb-Donau-Kreis 2.525 minderjährige AOK-Versicherte wegen einer psychischen Erkrankung in ambulanter oder stationärer Behandlung. Das sind 595 Kinder und Jugendliche mehr als vier Jahre zuvor. Für den Landkreis Biberach zählte die AOK 2.453 Betroffene (2014: 2.200) und für den Stadtkreis Ulm 1.466 Kinder und Jugendliche (2014: 916). Zu den psychischen Erkrankungen zählen auch Entwicklungsstörungen wie etwa Lese- und Rechtschreibschwäche. Daher sind Kinder im Grundschulalter besonders betroffen: Landesweit ist ein Viertel der Fünf- bis Neunjährigen wegen psychischer Erkrankungen in Behandlung.

„Fast die Hälfte aller psychischen Erkrankungen beginnen während der Pubertät, in drei von vier Fällen liegt der Krankheitsbeginn vor dem 25. Lebensjahr,“ sagt Dr. Sabine Knapstein, Ärztin und Psychotherapeutin bei der AOK Baden-Württemberg. „Zur Entstehung und zum Verlauf von seelischen Erkrankungen tragen viele Umstände bei, unter anderem auch individuell-lerngeschichtliche sowie psychosoziale Faktoren. Je besser die persönliche Unterstützung im Umfeld ist, umso besser kann sich die seelische Gesundheit eines Kindes entwickeln.“

Zu den häufigsten Diagnosen zählen unter anderem ADHS, soziale Verhaltensstörungen und auch Essstörungen. „Weil bei Kindern und Jugendlichen die Grenzen nicht leicht zu erkennen sind, wann ein ärztlicher Beratungs- und Behandlungsbedarf entsteht, ist die Einhaltung der Vorsorgeuntersuchungen gerade auch im Jugendalter beim Kinder- und Jugendarzt sehr wichtig,“ so Knapstein.

Infos zu den Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche finden Eltern unter: aok.de/bw/familie.