Prost!: Der Tag des deutschen Bieres ist ein Feiertag, ganz nach hopfigem Geschmack

Prost!: Der Tag des deutschen Bieres ist ein Feiertag, ganz nach hopfigem Geschmack
Der Gerstensaft hat Ehrentag: Am 23. April ist der Tag des deutschen Bieres! (Bild: picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose)
Julian Leberer

Am 23. April ist Tag des deutschen Bieres – Ein (Feier-)Tag, der vor allem den Männern ein freudiges Strahlen ins Gesicht zaubern dürfte.

Seit 1995 feiern wir Deutschen jährlich am 23. April, zu Ehren des deutschen Reinheitsgebots, diesen besonderen Tag. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Gerstensaft ist in Deutschland seit Jahren leicht rückläufig. Schuld daran trägt in den letzten beiden Jahren auch Corona. Denn pandemiebedingte Restaurant-Schließungen und ausgefallene Großereignisse, wie zum Beispiel das Oktoberfest, bekamen die Brauereien schmerzhaft zu spüren. Trotzdem lieben die Deutschen ihr Bier! Ob Alt, Kölsch, Pils oder Weizen – in Deutschland wird jede Menge Bier getrunken. Laut der Statistikplattform Statista betrug der Pro-Kopf-Konsum letztes Jahr gut 95 Liter.

Die Geschichte mit dem deutschen Reinheitsgebot

Die Ursprünge der deutschen Bierbraukunst reichen bis weit ins Mittelalter zurück. Erstmals schriftliche Erwähnung findet ein „besonderer Gerstensaft“ im Jahr 736 im bayerischen Geisenfeld. Gut 30 Jahre später entstand die erste bekannte Bierurkunde, welche eine Gerstensaftlieferung von Geisingen an der Donau ins schweizerische Kloster St. Gallen beglaubigt. Dies zeigt bereits, welchen starken Einfluss die süddeutschen Klöster und Ordensgemeinschaften noch in Sachen Bierbraukunst einnehmen werden. Selbst heute werden noch Biere der Klosterbrauereinen Andechs, Franziskaner oder Paulaner ausgeschenkt.

Am 23. April 1516 erließ der bayerische Herzog Wilhelm IV. eine Vorschrift, laut welcher zur Herstellung von Bier in Deutschland ausschließlich Hopfen, Gerstenmalz, Hefe und Wasser genutzt werden dürfen. Doch erst gut 400 Jahre später, am 4. März 1918, findet sich die Bezeichnung „Reinheitsgebot“ das erste Mal in einem Sitzungsprotokoll des bayerischen Landtags wieder. In diesem wird die von Herzog Wilhelm erlassene Vorschrift zum korrekten Brauen von Bier, zum Gebot formuliert.

Bayern gegen Zucker: Ein Gesetz gegen gepanschte Biere

Allerdings setzte sich die Bezeichnung erst während des Streits um das sogenannte „Süßbier“ in den 1950er-Jahren wirklich durch. Dieses sollte verhindern, dass zuckerhaltiges Bier aus anderen Bundesländern nach Bayern importiert werden durfte. Aus diesem Grund war zu dieser Zeit auch lediglich vom „bayerischen Reinheitsgebot“ die Rede. Erst in den 1960er-Jahren, der Deutsche Brauer-Bund wehrte sich gemeinsam gegen eine Importerlaubnis für Biere aus anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, wurde auf das gesamtheitliche „deutsche Reinheitsgebot“ verwiesen. Später wurde dieses dann durch umfangreiche Aktionsprogramme der Brauwirtschaften und durch mediale Berichterstattung beworben, um ausländische Biere als „Chemiebiere“ brandmarken zu können.

Da der Ursprung des „Deutschen Bieres“, also einem ohne Zusatz von Zucker, Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe oder Farbstoffe hergestellten Bier, fest mit dem Erlass vom 23. April 1516 verankert ist, wird der Tag des Deutschen Bieres an genau dessen Jahrestag gefeiert.

Darum schmeckt jedes Bier anders

Keines wie das Andere: Bei den vielen verschiedenen Biersorten lohnt sich ein "Bier-Tasting".
Keines wie das Andere: Bei den vielen verschiedenen Biersorten lohnt sich ein „Bier-Tasting“. (Bild: picture alliance/dpa | Thomas Banneyer)

Dass die mehr als 6.000 in Deutschland gebrauten Biere trotzdem alle unterschiedlich schmecken, hat diverse Gründe: die Rezeptur, die Brauart, das Brauwasser, wie das Getreide gemälzt wurde, das Aroma des eingesetzten Hopfen und nicht zuletzt hängt es mit dem Können und Fingerspitzengefühl des Braumeisters zusammen.

Klebt der Hintern an der Bank… – Bier-Qualitätsprobe im Mittelalter

Die Qualität des Bieres ist auch schon vor dem Erlass des Reinheitsgebotes geprüft worden. Da die Wissenschaft zu dieser Zeit noch nicht ganz so weit war, behalf man sich anderer „zuverlässiger“ Prüfmethoden. Die wirkungsvollste Methode im 15. und 16. Jahrhundert soll wohl recht simpel gewesen sein. Eine herkömmliche Bank wurde großzügig mit Bier bestrichen und die amtlichen Prüfer setzten sich für drei Stunden in ihren ledernen Hosen darauf. Auf Kommando sprangen sie dann allesamt gleichzeitig auf. Blieb die Bank an der Hose kleben, gab es an dem Bier nichts zu beanstanden. Blieb die Bank jedoch stehen, wurde dieses offensichtliche Vergehen des Brauers bestraft.

Eigenes Bier brauen

Wem diese Methode etwas zu feucht und klebrig ist, der kann am 23. April trotzdem guten Gewissens ein deutsches Bier trinken. Die Qualitätsstandards in der Bierbrauerei sind so hoch und einheitlich geregelt, dass es definitiv keinen aufwendigen Bierbank-Testes mehr bedarf. Wir können uns jetzt auf das Testen der rein geschmacklichen Komponente konzentrieren. Um herauszufinden, wonach so ein Bier eigentlich schmecken kann und welch große Unterschiede es zwischen den einzelnen Brauereien gibt, empfiehlt sich der direkte Geschmacks-Vergleich. Das kann man ganz professionell haben. Bei einem Bier-Tasting zum Beispiel. Und wer es ganz individuell haben will, braut sich direkt den eigenen Gerstensaft.

In eintägigen Kursen lernen interessierte Bier-Fans den kompletten Arbeitsablauf während des Brauprozesses kennen. Und – ist doch logisch – natürlich werden im Laufe dieses Kurses auch ausreichend alkoholische und nicht-alkoholische Getränke kredenzt. Etwa vier Wochen später kann man ein 5-Liter-Fass des Bieres mit nach Hause nehmen und dort mit Freunden oder Familie auf die eigene Braukunst anstoßen.

In diesem Sinne: Ein Prosit auf den Tag des Deutschen Bieres!