Personalmangel führt in SRH Kliniken zu drastischen Maßnahmen

Personalmangel führt in SRH Kliniken zu drastischen Maßnahmen
Ein verschärfter Personalengpass in der Pflege führt zu einem eingeschränkten Betrieb // Symbolbild (Bild: picture alliance / dpa Themendienst | Florian Schuh)
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Redaktion

Der zunehmend prekäre Personalengpass, insbesondere in der Pflege, wirkt sich, wie in vielen Krankenhäusern landesweit, auch in den SRH Kliniken im Landkreis Sigmaringen auf den stationären Betrieb aus. Die Vorgaben der Personaluntergrenzen-Verordnung, wie auch die Belastungen des Pflegepersonals u.a. in den Jahren der Corona-Pandemie, führen dazu, dass aufgrund fehlenden Pflegepersonals an allen drei Klinikstandorten weniger Betten betreiben können, als tatsächlich in den Kliniken aufgestellt sind. 

SRH Krankenhaus Bad Saulgau

Am SRH Krankenhaus Bad Saulgau stehen aufgrund der Personalsituation derzeit für die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, die Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie für internistische Behandlungen maximal 20 Betten für die stationäre Patientenbehandlung zur Verfügung. Damit ist im SRH Krankenhaus Bad Saulgau nur noch eine Station belegt.

Ein verschärfter Personalengpass in der Pflege führt daher im September dazu, dass am Wochenende vom 18. und 19. September 2022 der Betrieb eingeschränkt werden muss. Um die Auswirkungen auf die Patientenbehandlung möglichst gering zu halten, werden daher Patientenaufnahmen, erforderliche Operationen und Behandlungen so geplant, dass die Patienten für planbare Eingriffe am Beginn einer Woche aufgenommen und operiert werden, um eine Entlassung zum Wochenende zu ermöglichen. Außerhalb dieses Zeitfensters ist die Versorgung durch das SRH Krankenhaus Sigmaringen sichergestellt.

Im Oktober und November 2022 verschärft sich der Personalengpass weiter, weshalb die vollstationäre Patientenbehandlung generell nur noch montags bis freitags möglich ist. Zudem muss in den Herbstferien der stationäre Betrieb in der Woche vom 31. Oktober bis 4. November 2022 unterbrochen werden. Da die Personalbesetzung ab dem 30. November 2022 nicht mehr sichergestellt werden kann, muss der stationäre Betrieb zu diesem Datum gänzlich eingestellt werden. Die Notfallambulanz bleibt zunächst bis auf Weiteres mit einer durchgängigen Bereitschaft geöffnet.

SRH Krankenhaus Pfullendorf

Von Personalengpässen ist auch das SRH Krankenhaus Pfullendorf nicht ausgenommen. Aufgrund der derzeitigen Personalsituation in der Ärzteschaft der Inneren Medizin kann noch eine Station mit 20 internistischen Betten betrieben werden. Um die Notfallversorgung einschließlich der Reanimationsbereitschaft durch die Innere Medizin zu gewährleisten, werden mindestens zwei Ärzte benötigt. Bisher konnte dies durch Personal der Anästhesie sowie durch Leihkräfte sichergestellt werden, doch ist der hierfür betriebene Aufwand nicht weiter tragbar. Grund hierfür ist der akute Personalmangel in der Anästhesie an allen drei Standorten, welcher auch überregional bei anderen Kliniken ein großes Problem darstellt.

Aufgrund der immer enger werdenden Personalsituation müssen Kräfte gebündelt werden, um operative Kapazitäten am Standort Sigmaringen für die Kreisbevölkerung auch in Zukunft zu erhalten. In der Folge bedeutet das die weitgehende Schließung des Standorts in Pfullendorf zum 31. Oktober 2022.

Weiteres Vorgehen an den Standorten Bad Saulgau und Pfullendorf

In den letzten Monaten haben insbesondere hohe Mitarbeiterausfälle in der Pflege durch Erkrankungen, fehlendes Personal auf dem Stellenmarkt und auch Abwanderungen in nichtklinische Gesundheitseinrichtungen, an den Krankenhäusern Bad Saulgau und Pfullendorf dazu geführt, dass sich der bereits bestehende Personalengpass sukzessive verschärft hat. Aufgrund der langanhaltenden hohen Belastung in der Pandemiezeit und der bevorstehenden Schließung der Standorte, ist es zunehmend schwierig, dass Beschäftigte im Urlaub bzw. im Überstundenfrei als Springer zur Verfügung stehen.

Mit den Mitarbeitenden an den Standorten Bad Saulgau und Pfullendorf werden aktuell Einzelgespräche über ihren weiteren Einsatz geführt. Absicht der Klinikgeschäftsführung ist es, möglichst viele Mitarbeitende aus dem ärztlichen und pflegerischen Bereich für eine zukünftige Mitarbeit am Klinikstandort Sigmaringen zu gewinnen. Dies gelingt in vielen Fällen. Allerdings spielen immer auch individuelle Interessen und Bedürfnisse bei diesen Gesprächen eine Rolle.

Die SRH Kliniken arbeiten aktuell an der Weiterentwicklung ihrer Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) an den Standorten in Bad Saulgau und Pfullendorf sowie an der Fortführung einer Ambulanz in Pfullendorf gemeinsam mit Dr. med. Dolores de Mattia. Ebenfalls wird die Verlagerung der Psychiatrie von Sigmaringen nach Pfullendorf für voraussichtlich 2024 vorbereitet. Am Standort Bad Saulgau ist es für das bestehende MVZ gelungen, einen zusätzlichen Hausarztsitz und einen weiteren Gynäkologen zu gewinnen. Anträge auf Sonderbedarfszulassungen und Sonderermächtigungen für beide Standorte sind gestellt.

Die SRH Kliniken bedauern sehr, dass sich mangels Personal Betriebseinschränkungen für das SRH Krankenhaus Bad Saulgau in den Monaten September bis November ergeben und eine Schließung des SRH Krankenhaus Pfullendorf zum 31. Oktober 2022 und des SRH Krankenhauses Bad Saulgau zum 30. November 2022 erforderlich ist. Gemäß der von den Gesellschaftern der SRH Kliniken Landkreis Sigmaringen im März 2022 beschlossene Bündelung der stationären somatischen Patientenversorgung am Standort Sigmaringen, war die Einstellung des Krankenhausbetriebs für spätestens 2023 geplant, sofern bis zu diesem Zeitpunkt ausreichend Personal zur Verfügung steht.

Versorgung am SRH Krankenhaus Sigmaringen

Trotz der vorzeitigen Schließung der Krankenhausstandorte in Bad Saulgau und Pfullendorf ist die Versorgung der Kreisbevölkerung am SRH Krankenhaus Sigmaringen gewährleistet. Dort stehen in Summe so viele Betten zur Verfügung, wie sie aktuell an drei Standorten verteilt und unter Berücksichtigung des Personalstands angeboten werden können. Mit der Eröffnung des Neubaus, der voraussichtlich im Juni 2023 bezogen werden kann, erweitert sich das Angebot von 400 zur Verfügung stehenden Betten um zusätzliche 152. Ebenso hat sich die Zentrale Notaufnahme bereits darauf eingestellt, weitere Patienten aus Bad Saulgau und Pfullendorf aufzunehmen. Hierdurch kann die Zeit überbrückt werden, bis mit Inbetriebnahme des Neubaus auch die neue Zentrale Notaufnahme zur Verfügung steht.

Zusätzlich haben zum aktuellen Zeitpunkt 88 Mitarbeitende aus Pfullendorf und Bad Saulgau, davon 19 Krankenpflegekräfte, ihre Bereitschaft erklärt, an das Krankenhaus Sigmaringen zu wechseln. Weitere Gespräche finden in den kommenden Wochen statt. Damit kann die Bettensituation in Sigmaringen stabilisiert werden. Dem hinzu kommt, dass 24 Gesundheits- und Krankenpfleger am 8. September ihre Ausbildung an der Pflegefachschule in Pfullendorf erfolgreich abgeschlossen haben, wovon 22 Absolventen zum 1. Oktober ihren Dienst am Krankenhaus Sigmaringen aufnehmen werden.

(Pressemitteilung: SRH Krankenhaus)