Performance in der Karlheinz-Müller-Ausstellung – Klänge und Poesie eröffnen Bilderlebnisse

Performance in der Karlheinz-Müller-Ausstellung – Klänge und Poesie eröffnen Bilderlebnisse
Ingrid Schorscher ist Akkordeonistin und freischaffende Künstlerin im Bereich Tanz/Performance. Zahlreiche Auftritte im konzertanten Bereich, wie auch in Theatern, Ausstellungen und als Regisseurin prägen ihre Laufbahn (u.a. bei „Centerpieces“ von Marina Abramovic, ArtBasel 2014. (Bild: Stadt Tuttlingen)
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Redaktion

Tuttlingen – „Eigenfarben“ war der Titel der letzten abendlichen Begleitveranstaltung zur Ausstellung „Karlheinz Müller – Zeitlose Bilder“, die am vergangene Woche endete.

Zwischen Improvisation und Komposition präsentierte die Musikerin und Performance-Künstlerin Ingrid Schorscher einen musikalischen Zyklus für Tonflöten, Stimme, Elektronik und Text. „Hier geschieht die etwas andere Art der Kunstvermittlung, denn es geht darum, Kunst mittels Kunst zu erspüren“, so Galerieleiterin Anna-Maria Ehrmann-Schindlbeck in ihrer Einführung. „Klänge und Poesie eröffnen neue und andere Bilderlebnisse“.

Mit virtuosem Spiel an zwei Tonflöten und technisch erzeugtem Echo (Technik: Celio de Carvalho) schuf Ingrid Schorscher mit gehauchten und tönenden Klängen eine Atmosphäre, die abwechselnd an das Wehen und Rauschen des Windes, das Fließen von Wasser und den Atem von Lebewesen erinnerte.

Täuschend echt und von großer Sprachakrobatik waren vogel- und tierähnliche Stimmgeräusche, mit denen die Künstlerin die Gedanken auf das Naturerlebnis lenkte, das auch dem Künstler Karlheinz Müller so wichtig war. Momente der Stille eröffneten die Möglichkeit, das Gehörte mit dessen Bildwelt zu verbinden und eigene Assoziationen zu den in feinen Aquarelllasuren gemalten Motiven zu entfalten.

Die Haltung, derer es bedarf, um künstlerisch tätig zu sein, beschwor Ingrid Schorscher mit Textausschnitten von Peter Handke, etwa folgender Passage aus „Über die Dörfer“: „Spiele das Spiel. Suche die Gegenüberstellung: Aber sei absichtslos. Vermeide die Hintergedanken. Verschweige nichts. Sei erschütterbar. Zeig deine Augen, wink die anderen ins Tiefe. Entscheide nur begeistert. Scheitere ruhig.

Vor allem hab Zeit und nimm Umwege. Lass dich ablenken. Bück dich nach Nebensachen, weich aus in die Menschenleere. Beweg dich in deinen Eigenfarben, bis du im Recht bist und das Rauschen der Blätter süß wird. Geh über die Dörfer. Ich komme dir nach.“ Anhand dieser Worte sollte das Publikum nachempfinden, was auch Karlheinz Müller bei seinem Schaffensprozess bewegt haben mag.

Als Sohn der Stadt malte er Motive aus der Umgebung, doch war er alles andere als ein Heimatmaler. In seinen Bildern, die von zeitloser Art sind, konzentrierte er sich in aller Ruhe auf das Wesentliche und schuf dabei eine unverkennbare Bildsprache, die seiner eigenen Sicht der Dinge entsprach.

Ingrid Schorscher hatte ihre künstlerisch hochraffinierte und alle Sinne ansprechende SprachKlang Peformance nur für diesen Abend entworfen, und so war die Aufführung im Kontext der Ausstellung vom Zauber der Einmaligkeit geprägt.

Das Publikum ließ das Zusammenspiel von Bildern, Farben und Klängen mit Genuss auf sich wirken und belohnte es mit Applaus.

(Pressemitteilung: Stadt Tuttlingen)