Ostern kommt bestimmt

Ostern kommt bestimmt
Mike Jörg, seit 1994 bekannt für seinen Jahresrückblick „Wa(h)r was?“ (Bild: PR/Mike Jörg)
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Redaktion

Mike Jörg, oberschwäbischer Kabarett-Grandseigneurs aus Weingarten, heitert Sie, in diesen humorlosen Zeiten, jede Woche bei uns ein bisschen auf. Der Satiriker ist seit 1994 bekannt für seinen satirischen Jahresrückblick „Wa(h)r was?“ Aus bekannten Gründen müssen alle Termine für die treffsicheren Sticheleien landauf und landab leider ausfallen. Nicht aber bei uns. Lassen Sie sich jede Woche überraschen, mit was Mike Jörg Ihre Lachmuskeln digital kitzeln wird. Viel Vergnügen!

Seit über einem Jahr befinden wir uns in der Corona-Zeit. Da vergessen wir leicht, dass wir gerade in der Fastenzeit leben. Während meiner Kindheit war die Fastenzeit eine Zeit der Vorfreude. Während dieser zehn Wochen hatte ich alle meine Süßigkeiten in einem großen Glas gesammelt und Tag und Nacht bewacht.  Dabei habe ich mich auf Ostern gefreut. 

Wie ist es dieses Jahr? Markus Söder hat in einer Sendung bei Anne Will zu Protokoll gegeben: „Ich habe auch gebetet in der Zeit.“  Warum nur auch? 

Die Corona-Zeit hat unsere religiösen Erwartungen verändert. Vor der Corona-Zeit haben die Christen während der Adventszeit auf die Ankunft des Christkindes, auf die Ankunft des Erlösers gewartet. Während der letzten Adventszeit haben alle auf die Ankunft des Impfstoffes gewartet. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit …“ Und das Wunder geschah.  Am zweiten Weihnachtsfeiertag wurde erstmals geimpft. 

Auf was hoffen wir jetzt in der vorösterlichen Zeit? Auf was schaute Söder bei seinem Gebet? Ich schaute während der Fastenzeit immer auf mein großes Glas mit Süßigkeiten. Dieses Jahr hoffen viele, dass wir ab Osten wieder alle Süßigkeiten des Lebens genießen dürfen. Das ist auch eine Art von Auferstehung. Als Kind schaute ich täglich auf unseren Herrgottswinkel; heute schaue ich täglich auf die Inzidenz. Früher betete ich zum Heiligen Antonius, wenn ich etwas verloren hatte. Zu wem hatte Söder gebetet? Zur Heiligen Corona? Sie ist für Seuchen zuständig. In Österreich ist die Corona eine hochgeschätzte Heilige. Nach ihr wurde die österreichische Währung benannt: Die Krone. Aber auch in   Österreich beten nur wenige zur Heiligen Corona. Sie nehmen auch kein Weihwasser, bevor sie aus dem Haus gehen. Stattdessen gurgeln sie, um sich auf Corona zu testen. 

Früher gingen die Christen an Aschermittwoch zur Kirche, um sich vom  Pfarrer ein Aschenkreuz auf die Stirn machen zu lassen. Dieses Jahr konnten sich Gläubige in einer Gemeinde in der Eifel beim Pfarrer ein Glas mit Asche abholen, um sich selbst zu bekreuzigen. Im Glas war ein Gemisch aus Asche und Weihwasser. Was passierte? Einige erlitten ätzende Entzündungen auf der Stirn. Meine Oma hätte das nie gemacht. Sie  benutzte so ein Gemisch aus Wasser und Asche, um beim Frühjahrsputz den Boden kräftig zu schruppen.

Schwere Zeiten. Nicht mal das Aschekreuz macht, was man sich von ihm erhofft. Was ist der Unterschied zwischen hoffen und erhoffen,  zwischen leben und erleben, zwischen geben und ergeben? 

Ich wünsche Ihnen ein fröhliches Osterlachen.