Studieren mit besonderen Herausforderungen Open Campus am Hochschulcampus Tuttlingen zum Thema Bildungsgerechtigkeit

Open Campus am Hochschulcampus Tuttlingen zum Thema Bildungsgerechtigkeit
Die Teilnehmenden der sehr lebhaften und persönlichen Gesprächsrunde beim Open Campus: Dr. Katharina Buß (HFU), Felix Schneider, Referentin Jaana Espenlaub (Arbeiterkind.de), Ufuk Özgentürk und Schulleiterin Susanne Galla. (Bild: Hochschule Furtwangen)
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Redaktion

„Mehr Arbeiterkinder an die Hochschule!“ – das war der Titel der Veranstaltung aus der Reihe Open Campus, zu der die Hochschule Furtwangen an den Hochschulcampus Tuttlingen eingeladen hatte.

Laut Deutschem Hochschulbildungsreport (2020) entscheiden sich in Deutschland gerade einmal 27 Prozent der Kinder, die in Nichtakademikerfamilien aufwachsen, für ein Studium. Viel zu wenig, verdeutlichte Referentin Jaana Espenlaub vom gemeinnützigen Verein Arbeiterkind.de, aber durchaus nachvollziehbar. Denn fehlende Vorbilder bedeuten auch fehlende Informationen, führte Espenlaub aus – „viele wissen nicht, welche Unterstützungsmöglichkeiten es beispielsweise bei der Finanzierung gibt, und sie wissen auch nicht, wen sie fragen können“. So entstehe schnell der Eindruck: „Ich muss das ganz alleine schaffen“, zeigte Espenlaub auf, die in ihrer Familie selbst die Erste war, die studierte. Dazu kommen Vorbehalte aus der eigenen Familie. Studieren, aber auch die potentiell folgenden Berufe würden oft nicht als „richtige Arbeit“ gesehen, Jugendliche würden lieber dazu ermuntert, etwas „Handfestes“ zu lernen, so Espenlaub.

Den sehr lebensnahen Vortrag ergänzten in der anschließenden Gesprächsrunde Susanne Galla, Schulleiterin der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule in Tuttlingen, sowie Felix Schneider und Ufuk Özgentürk, beide Arbeiterkinder und Alumni der Hochschule Furtwangen. Gemeinsam mit Jaana Espenlaub und unter Moderation von Dr. Katharina Buß von der HFU tauschten sie ihre Erfahrungen und Erlebnisse auf dem eigenen Bildungsweg aus. „Wäre schon cool gewesen, wenn es jemanden gegeben hätte, den ich mal etwas hätte fragen können“, bestätigte zum Beispiel Felix Schneider die besonderen Herausforderungen, denen er selbst begegnete. Er habe sich für die HFU auch gerade deshalb entschieden, weil das Studium so einen hohen Praxisbezug habe – tatsächlich sei der Anteil von Arbeiterkindern an Hochschulen höher als an Universitäten, ergänzte Jaana Espenlaub.

Susanne Galla berichtete von der Steinbeis-Schule, dass dort das Stigma „Ich bin NUR ein Arbeiterkind“ ganz bewusst bekämpft werde.  Jeder Mensch solle sein Potenzial bestmöglich ausschöpfen, so Galla: „Wir sind da, um Mut zu machen und den Weg zu weisen.“ Unter anderem verschicke die Schule Lobbriefe über ihre Schülerinnen und Schüler an deren Eltern, die oft sehr überrascht aufgenommen würden.

Die vielen interessierten Fragen aus dem Publikum zeigten, wie wichtig und ungelöst das Thema Bildungsgerechtigkeit immer noch ist. Dr. Katharina Buß konnte für die HFU zusammenfassen: „Wir freuen uns sehr, dass wir mit diesem Open Campus Abend einen Impuls setzen konnten. Für alle Studieninteressierten und ihre Familien bieten wir jederzeit gerne Beratungen an – uns darf und soll man wirklich alles fragen, was das Studium betrifft. Gemeinsam finden wir sicher eine passende Lösung!“

Katharina Buß ist selbst Arbeiterkind und am Campus Tuttlingen als Koordinatorin für Lehre und Labore tätig. Sie ist erreichbar über die Mailadresse katharina.buss@hs-furtwangen.de.

(Pressemitteilung: Hochschule Furtwangen)