Gegen den Abbau der Krankenhäuser „Notfallsprechstunde“ am 2. Oktober in Bad Waldsee

„Notfallsprechstunde“ am 2. Oktober in Bad Waldsee
Auf dem Podium bei der „Notfallsprechstunde“ setzten sich für das Krankenhaus Bad Waldsee und eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung in der Region ein (von links nach rechts): Oberbürgermeister Matthias Henne, der Klinikdirektor der Städtischen Rehakliniken Charles Hall (verdeckt), Thomas Bertele von der BI Krankenhaus Bad Waldsee (am Rednerpult), Markus Nold, der frühere Bürgermeister Prof. Rudolf Forcher, Bürgermeisterin Monika Ludy, Stadtrat Franz Daiber und SPD-Kreisrat Rudolf Bindig, MdB a.D. (Bild: Oliver Hofmann)
WOCHENBLATT
Redaktion

Mehrere hundert Personen kamen am vergangenen Sonntag trotz des wechselhaften Wetters zur „Notfallsprechstunde“ auf den Gut-Betha-Platz, um so gegen die derzeitige Entwicklung in der Gesundheitsversorgung in Bad Waldsee und der gesamten Region zu demonstrieren. Die Stadtverwaltung sowie die Bürgerinitiative Krankenhaus Bad Waldsee hatten zu der Kundgebung eingeladen.

Oberbürgermeister Matthias Henne verwies auf die nach wie vor ungeklärte Zukunft der Gesundheitsversorgung in der Region, auch über die Landkreisgrenzen hinaus, und forderte, die Menschen in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen. Schon heute bestünden bei der Oberschwabenklinik (OSK) lange Wartezeiten in der Notaufnahme und könnten am Klinikum in Ravensburg Betten nicht belegt werden. Gleichzeitig werde mit dem Krankenhaus Bad Waldsee ein bislang eingespieltes und funktionierendes Haus nun sukzessive geschlossen. Dabei sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar, wie ein zukünftiges medizinisches Versorgungszentrum in Bad Waldsee aussehen soll.

Zudem sei zu beobachten, wie die unklare Perspektive viele Beschäftigte verunsichere. Nicht wenige seitherige Mitarbeiter würden sich bereits anders beruflich orientieren und würden somit zukünftig nicht mehr in der Gesundheitsversorgung zur Verfügung stehen.

Unter den gegebenen Umständen sei es nicht sinnvoll, schlüssig oder gerechtfertigt, am Kreistagsbeschluss zur Schließung des Krankenhauses Bad Waldsee festzuhalten. Daher forderte Oberbürgermeister Matthias Henne die Verantwortlichen auf, diesen Beschluss für die Dauer von mindestens drei Jahren auszusetzen, um in dieser Zeit eine tragfähige und zukunftsfähige Lösung im Sinne der Patienten wie auch der Beschäftigten zu finden. Das Stadtoberhaupt bot an, diese Lösung gemeinsam und vorausschauend zu erarbeiten. Die Stadt Bad Waldsee beginne bereits im Laufe der Woche mit dem Projekt Primärversorgungszentrum und sei bereit, eine Konzeption für die Menschen in der Region gemeinsam mit dem Kreistag und dem Aufsichtsrat der OSK zu entwickeln.

Mehrere hundert Menschen kamen während des verkaufsoffenen Sonntags zum Gut-Betha-Platz. Ein herzlicher Dank für die Vorbereitung und Organisation geht an die Feuerwehr und den städtischen Baubetriebshof.
Mehrere hundert Menschen kamen während des verkaufsoffenen Sonntags zum Gut-Betha-Platz. Ein herzlicher Dank für die Vorbereitung und Organisation geht an die Feuerwehr und den städtischen Baubetriebshof. (Bild: Christof Rauhut)

Für die Bürgerinitiative Krankenhaus Bad Waldsee brachte Thomas Bertele den Unmut zum Ausdruck, der nicht nur durch den genannten Kreistagsbeschluss entstanden sei, sondern auch durch die seitherige Entwicklung. Während bereits die Schließung der ersten Abteilung in Bad Waldsee in wenigen Wochen zu befürchten sei, mangle es noch völlig an einer funktionierenden Strategie zur zukunftsfähigen Ausgestaltung der Gesundheitsversorgung in der Region. Hinzu kämen die aktuellen Probleme an der Spitze der OSK, die das gesamte Unternehmen belasten. Angesichts dieser Umstände forderte er ein entschlossenes und zukunftsfähiges Handeln für die gesamte OSK, um nicht letzten Endes eine Privatisierung des Krankenhaussektors im Landkreis Ravensburg hinnehmen zu müssen.

Bertele appellierte eindringlich an die Verantwortung der Entscheidungsträger, eine Lösung im Sinne der Menschen zu finden, und schloss sich der Forderung des Oberbürgermeisters an, die Umsetzung des Kreistagsbeschlusses auszusetzen. Insbesondere müsse die anstehende Verlegung der Orthopädie nach Wangen gestoppt werden, da ansonsten ein geregelter Weiterbetrieb in Bad Waldsee nicht sinnvoll möglich sei. Er verwies schließlich auf eine Entscheidung im Bodenseekreis zum Krankenhaus in Tettnang, welches nun sogar aufgewertet wurde, obwohl der Gesundheitsminister auch für diesen Standort keine Zukunft gesehen habe.

Kritik an den Entscheidungsträgern übte auch SPD-Kreisrat Rudolf Bindig und forderte, die nun offenbar werdenden Fehler zu korrigieren. So sei es möglich, den knapp ausgefallenen Beschluss des Kreistags vom 31. Mai angesichts der aktuellen Entwicklungen nochmals auf die Tagesordnung zu setzen und eine erneute Beschlussfassung herbeizuführen.

(Pressemitteilung: Stadt Bad Waldsee)