Nicht genug Geld für die Gas- oder Stromrechnung – was kann ich tun?

Nicht genug Geld für die Gas- oder Stromrechnung – was kann ich tun?
Wenn das Geld für die Strom- oder Gasrechnung nicht mehr reicht, hilft das Anlegen einer Checkliste. (Bild: moquai86 / stock.adobe.com)
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Redaktion

Trotz sommerlicher Temperauren machen sich viele Sorgen um ihre Energieversorgung. Der nächste Winter kommt bestimmt. Was ist, wenn das Geld für die Strom- oder Gasrechnung nicht mehr reicht? Laut Verbraucherzentralen ist es sinnvoll, anhand einer Checkliste zunächst einige grundsätzliche Dinge zu prüfen.

Stimmt die Abrechnung?

Abrechnungen für Strom oder Gas können fehlerhaft sein. Es lohnt sich zu prüfen, ob alles korrekt verbucht ist. Worauf Sie achten sollten: Stimmt die Zählernummer? Stimmen Anfangs- und Endzählerstand? Wurde der Verbrauch abgelesen oder geschätzt? Ist der korrekte Preis angegeben? Sind Ihre Zahlungen richtig verbucht? Wenn Ihre Rechnung falsch ist, können Sie diese beanstanden. Hierzu gegen die Verbraucherzentralen Tipps.

Passen die Abschläge zum Verbrauch?

Behalten Sie Ihren Energieverbrauch im Blick. Wer nicht weiß, wie viel Energie er verbraucht, kann bei der Jahresabrechnung eine böse Überraschung erleben. „Lesen Sie den Stromzähler regelmäßig ab, wir empfehlen mindestens einmal im Quartal, und notieren dies z.B. in einer Tabelle.“ Achten Sie darauf, dass Ihre Abschlagszahlungen zum Stromverbrauch passen und weder zu niedrig noch deutlich zu hoch bemessen sind.

Zu niedrige Abschläge führen zu hohen Nachforderungen bei der Jahresabrechnung

Realistische Werte erhält man bei Strom- und Gaslieferverträgen. So geht’s: Zunächst die Zahl der Kilowattstunden auf der Jahresrechnung mit dem aktuellen Preis pro Kilowattstunde multiplizieren. Dann den sogenannten Grundpreis für das ganze Jahr hinzurechnen. Zum Schluss die entstandene Summe durch zwölf teilen.

Schauen Sie nach, welche Preisbenachrichtigung oder Preisänderung Sie erhalten haben und verwenden Sie diesen für die Berechnung. Bei einer Preiserhöhung sollten Sie vor dem Stichtag Ihren Zähler ablesen und Ihren jeweiligen Verbrauch dann getrennt nach Preis berechnen.

Lassen Sie die Abschläge bei Bedarf von Ihrem Energieversorger an den tatsächlichen Bedarf anpassen – wenn Ihr monatliches Budget dies zulässt. Ansonsten beachten Sie die weiteren Hinweise.

Gibt es Rücklagen?

Besteht nur ein kurzer finanzieller Engpass, ist es sinnvoll, auf Rücklagen zurückzugreifen. Damit verhindern Sie weitere Kosten z.B. für Inkassotätigkeiten oder Verzugszinsen. Davon abgesehen erhalten Sie aktuell wenig Zinsen auf Spareinlagen. Diese sind niedriger als Kreditzinsen, daher ist es wirtschaftlicher, das Gesparte zur Deckung einer Nachzahlung einzusetzen.

Die Energierechnung aus dem Dispo mit entsprechend hohen Dispozinsen zu leisten ist deutlich teurer. Ihre Rücklagen sollten Sie in wirtschaftlich besseren Zeiten bald wieder aufstocken.

Altersvorsorgebeträge nicht sofort auflösen

Wer plötzlich weniger Geld zur Verfügung hat, fragt sich möglicherweise, ob einige langfristige Verträge auf den Prüfstand gestellt werden können, die für die Altersvorsorge gedacht sind. Doch Vorsicht: Für Riester-Verträge, die betriebliche Altersvorsorge, Rürup-Verträge oder private Verträge, zum Beispiel in Form der klassischen kapitalbildenden Lebensversicherung kann es zwar ratsam sein regelmäßig zu prüfen, ob sich die eigenen Ziele verändert haben und die ursprünglich abgeschlossenen Verträge weiterhin passen.

Sie sollten sich aber nicht unüberlegt und übereilt davon trennen! Prüfen Sie auch Alternativen zur Kündigung wie Beitragsfreistellung, Stundung oder den Vertrag ruhend zu stellen.

Ist eine Ratenzahlung möglich?

Wenn Sie die Nachzahlung/Jahresrechnung nicht auf einmal zahlen können, versuchen Sie mit Ihrem Energieversorger eine Ratenzahlung auszuhandeln. Achten Sie darauf, dass die Raten aus dem verfügbaren Einkommen bezahlt werden können. Tragfähig ist eine Ratenzahlungsvereinbarung nur dann, wenn Sie es schaffen über einen längeren Zeitraum sowohl die geforderten Raten als auch die laufenden Abschläge zu zahlen. Daher im Zweifel besser eine längere Laufzeit bei niedrigeren Raten wählen.

Antrag auf Übernahme der Energieschulden möglich

Achtung: Stellen Sie bei Zahlungen an den Energieversorger unmissverständlich klar, welcher Anteil der Summe auf die laufende Abschlagszahlung entfällt und welcher auf die Altforderung. So vermeiden Sie weitere Zahlungsrückstände.

Ist keine Ratenzahlung möglich, sollten Sie sich an das örtliche Jobcenter oder Sozialamt wenden. Dort können Sie einen Antrag auf Übernahme der Energieschulden stellen. Wird der Antrag bewilligt, erfolgt dies im Regelfall auf Darlehensbasis.  Auch als Arbeitnehmer mit geringem Einkommen können Sie beim Sozialamt (oder wenn Sie Aufstockungsleistungen erhalten beim Jobcenter) einen Antrag auf Übernahme der Energieschulden stellen, wenn Sie die Forderung aus eigenen Mitteln nicht zahlen können und alle anderen Möglichkeiten wie z.B. Ratenzahlungsvereinbarungen mit dem Energieversorger ausgeschöpft sind. Zahlen Sie Ihre Energierechnungen nicht – egal ob Abschläge oder Jahresrechnung, – droht früher oder später eine Sperre z. B. Ihrer Strom- oder Gasversorgung.

Welche Zahlungen haben Vorrang?

Wenn das Geld nicht für alle Zahlungen reicht, müssen Sie genau überlegen, welche Rechnungen Sie noch bezahlen. Erstellen Sie eine Liste der offenen Zahlungen und wählen daraus diejenigen aus, die zur Sicherung Ihrer existenziellen Lebensbedürfnisse notwendig sind. Lassen Sie sich nicht von Gläubigern beeinflussen, die besonders drängen, sondern entscheiden Sie nach objektiven Kriterien, was für Sie im Moment absolut wichtig ist.

Existenziell wichtig sind: Miete, Energiekosten, sowie Lebensmittel und notwendige Medikamente, aber auch Unterhaltsleistungen.

Weitere hilfreiche Infos gibt’s bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

(Pressemitteilung: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen)