Nach über zwei Jahren warten Hausärzte immer noch auf Antworten

Nach über zwei Jahren warten Hausärzte immer noch auf Antworten
Kaum im Amt, will sich Landrat Mario Glaser mit Ärzten zusammensetzen, um gemeinsam die Gesundheitsversorgung im Raum Riedlingen voranzubringen (Bild: Landratsamt Biberach)

Seit mehr als 10 Jahren kämpfen verschiedene Akteure im Raum Riedlingen darum, wenigstens eine am Patientenwohl ausgerichtete Gesundheitsversorgung zu etablieren. Fortschritte sind erkennbar, stammen aber aus Eigeninitiativen. Der große „Wurf“ ist nach so langer Zeit immer noch nicht gelungen. Stattdessen steht mittlerweile auch in der Raumschaft Riedlingen die hausärztliche Versorgung auf der Kippe. Dazu wird auf der Homepage des Hausarztzentrums Ertingen unter „Aktuelles“ informiert.

Bekannt ist, dass deutschlandweit eine Rentenwelle der Hausärzte zu erwarten ist. Auch vor dem Kreis Biberach macht diese Entwicklung nicht halt. Wörtlich ist dazu nachlesbar: „Um den Jahreswechsel herum, haben mehrere Praxen im näheren Umkreis ohne Nachfolger ihre Türen geschlossen. Weitere Ruhestände von regionalen Kollegen sind in den nächsten Jahren absehbar.“

Landrat Dr. Schmid und Kreistag reagierten nicht

Kaum verständlich ist, dass die Bemühungen der Hausärzte, um zukunftsgerichtete Maßnahmen zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung weder bei Alt-Landrat Dr. Heiko Schmid, noch bei den Kommunalpolitikern (Kreistag) Gehör fand. Doch aus der Stellungnahme der Praxis geht eindeutig hervor, dass dem tatsächlich so war: „Aus diesem Grund gingen wir aktiv über mehrere Jahre auf die Kreisverwaltung, den Kreistag aber auch auf den Biberacher Landrat zu. Zuletzt 2020 mit einem Schreiben, das viele der niedergelassenen Kollegen im westlichen Landkreis Biberach mitunterzeichnet hatten. Unser Ziel war es, Strukturen zu etablieren, welche eine geordnete Übernahme von Praxen, durch junge Kollegen erleichtert hätten. Leider erhielten wir bis heute keine offizielle Antwort. Heute ist die Situation in der ärztlichen Versorgung unumkehrbar.“

Landrat Glaser will sich einbringen

Wir nahmen mit Landrat Mario Glaser Kontakt auf und baten ihn um Stellungnahme zum Sachverhalt. Dazu stellten wir Fragen: Welche Möglichkeiten sehen Sie die „Scharte“ auszuwetzen? In Riedlingen macht der Prozess zu einer Nachfolgeregelung für das geschlossene Krankenhaus nur zögerlich Fortschritte. Welche Möglichkeiten hat der Landkreis, um für die Bevölkerung im westlichen Landkreis eine adäquate Gesundheitsversorgung zu befördern?

Für den Landrat antwortete Philipp Friedel (Zentralstelle für Gremien, Öffentlichkeitsarbeit und Wirtschaftsförderung beim Landratsamt Biberach): „Landrat Mario Glaser betont, dass es gilt, bei der ganzen Thematik nicht zurück, sondern nach vorne zu blicken. Der Kreis hat für das ambulante medizinische Dienstleistungszentrum in Riedlingen schon in einem Kreistagsbeschluss im vergangenen Jahr Unterstützung zugesagt, wenn ein tragfähiges Konzept zustande kommt. In Abstimmung mit Bürgermeister Schafft wird der Landkreis auch beim zweiten, demnächst stattfindenden Runden Tisch der Stadt Riedlingen mit den niedergelassenen Ärzten der Raumschaft teilnehmen. Obwohl die ambulante ärztliche Versorgung keine Aufgabe des Landkreises ist, wird der Landkreis in Riedlingen in das ehemalige, im Kreiseigentum stehende Schwesternwohnheim in den kommenden Jahren investieren. Die Planungen hierzu laufen bereits und die Finanzmittel werden im Haushalt bereitgestellt, um den Praxen vor Ort eine langfristige und adäquate Perspektive zu bieten. Es ist in diesem Zusammenhang immer noch zu bedauern, dass die Kassenärztliche Vereinigung die halbe, weitere Facharztstelle für einen Internisten bzw. eine Internistin nicht genehmigt hat.“