Migrationsforscherin Claudia Diehl in wissenschaftliche Kommission aufgenommen

Migrationsforscherin Claudia Diehl in wissenschaftliche Kommission aufgenommen
Gehört nun dem Gremoum an: Prof. Dr. Claudia Diehl, Professorin für Mikrosoziologie und Co-Sprecherin des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz. (Bild: Ines Janas)
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Redaktion

Konstanz – Seit dem vergangenen Jahr bereitet die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (kurz: Kultusministerkonferenz, KMK) – laut Mitteiling der Universität Konstanz – die Berufung eines wissenschaftlichen Beratungsgremiums vor, der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (Stäwiko).

Um eine politische und proporzgesteuerte Besetzung des Gremiums zu verhindern und seine wissenschaftliche Unabhängigkeit zu wahren, betrauten die Länder eine Findungskommission mit der Benennung geeigneter Expert / innen, welche die KMK in ihrer Tätigkeit wissenschaftlich begleiten und beraten werden.

Die KMK nahm den Vorschlag der Findungskommission an und präsentierte in einer gemeinsamen Pressekonferenz am unlängst die künftige Zusammensetzung des Gremiums. Unter den künftigen Mitgliedern der Stäwiko befindet sich – so die Universität weiter – auch die Konstanzer Mikrosoziologin Prof. Dr. Claudia Diehl.

Ihre Forschungsinteressen gelten soziokulturellen Einflüssen auf den Bildungserfolg von Schülerinnen und Schülern, der Integration von Zuwanderern, ethnischen Grenzziehungen wie Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung sowie Prozessen internationaler Migration. Ihre Expertise in diesen Bereichen konnte sie bereits im Rahmen ihrer Tätigkeit im Sachverständigenrat für Integration und Migration einbringen, dem sie von 2015 bis 2021 angehörte.

Am Konstanzer Exzellenzcluster „The Politics of Inequality“, dem sie auch als Co-Sprecherin im Vorstand dient, leitet Claudia Diehl unter anderem ein Projekt über ein ihrer Ansicht nach vernachlässigtes Thema: „Wir reden zwar viel über Bildungschancen und Bildungsgerechtigkeit“, meint die Forscherin, „aber der Diskurs wird teilweise über die Köpfe der Schülerinnen und Schüler hinweg geführt.“

Und weiter: „Dabei haben die eine sehr genaue Vorstellung davon, welche Bildungsungleichheiten existieren und wer davon betroffen ist. Wir untersuchen daher die vergleichsweise wenig beachtete Frage, wie die Schülerinnen und Schüler selbst Bildungsungleichheit wahrnehmen.“

Claudia Diehl ist von der Findungskommission als eine Wissenschaftlerin vorgestellt worden, die nicht nur in Fragen der Migrations- und Integrationsforschung sehr ausgewiesen sei. Sie bringe auch außerordentliche Erfahrung in der Politikberatung mit, die für die vertrauensvolle Zusammenarbeit eines Beratungs- mit einem politischen Gremium von hohem Wert sei.

Bildungsforscher Prof. Dr. Manfred Prenzel (TU München) erläuterte als Vorsitzender der Findungskommission die Kriterien für die Auswahl, zu denen er – neben dem wissenschaftlichen Profil – auch den „Systemblick“, Vertrautheit mit der Bildungspraxis sowie Erfahrung in der Politikberatung zählte. Von großer Bedeutung für die Arbeit der Stäwiko werde die Abdeckung der verschiedenen Bildungsbereiche von der Vorschule bis in den tertiären Bildungsbereich sein, ebenso die Querschnitts-Themen Digitalisierung, Inklusion und Zuwanderung.

Ein unabhängiges wissenschaftliches Beratergremium wie die Stäwiko gebe es in vielen Politikbereichen, darunter die bekannten „Wirtschaftsweisen“. Die Präsidentin der KMK, Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst, beklagte in ihrem Eröffnungsstatement auf der Pressekonferenz, bisher habe eine kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung der KMK gefehlt.

Ihr Hamburger Amtskollege Ties Rabe bestätigte im Anschluss: „Es ist wichtig, dass wir uns fachlichen, unabhängigen, wissenschaftlichen Rat holen, und zwar institutionalisiert für alle Bundesländer gleichermaßen.“ Mit Blick auf die aktuelle Situation von Schüler / innen und Studierenden in der Pandemie betonte auch der hessische Kultusminister Ralph Alexander Lorz in seinem Statement: „Wir werden noch sehr dankbar sein, uns dieses Gremium geschaffen zu haben und auf dessen Beratungsleistung zurückgreifen zu können.“ 

Das Gremium solle seine Arbeit schnellstmöglich aufnehmen und voraussichtlich noch im Mai eine konstituierende Sitzung durchführen, sagte KMK-Präsidentin Ernst. Einstweilen freut Claudia Diehl sich auf die kommenden Aufgaben: „Der hohe Stellenwert, den eine unabhängige wissenschaftliche Beratung für die KMK einnimmt, ist sehr erfreulich. Die Nominierung ist für mich eine große Ehre, und der Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen sehe ich bereits mit Spannung und großer Freude entgegen.“