„Meine Zeit steht in deinen Händen“

„Meine Zeit steht in deinen Händen“
Der Gedenk-Gottesdienst für die im Jahr 2021 im Medizin Campus Bodensee Verstorbenen fand am Teich beim Klinikum Friedrichshafen statt (Bild: MCB)
WOCHENBLATT
Redaktion

Friedrichshafen – Im Rahmen eines Gedenk-Gottesdienstes gedachten Angehörige und Mitarbeitende des Medizin Campus Bodensee den über 500 Menschen, die in den Krankenhäusern Tettnang und Friedrichshafen im vergangenen Jahr verstarben.

In seiner Begrüßung betonte Prof. Dr. Roman Huber, Ärztlicher Direktor des Klinikums Friedrichshafen, dass die Pandemie sich noch immer auf den Krankenhausalltag auswirkt. „Viele der Menschen, sind im den vergangenen Jahren unter suboptimalen Bedingungen aus unserer Mitte gerissen worden, ohne dass der Abschied so gewesen wäre, wie wir es uns vorstellen“, sagt Prof. Dr. Huber und erklärt auch, dass mit der Gedenkfeier, musikalisch umrahmt von den Klängen des Bodensee-Alphorntrios, der Medizin Campus Bodensee einen kleinen Beitrag dazu leisten möchte, den Verlust der Verstorbenen zu verarbeiten.

Begleiter in schweren Zeiten

In der Hektik des Klinikalltags ist es nicht immer einfach, sterbende Menschen zu begleiten. „Auch wenn wir den Tod nicht verhindert haben, so haben wir doch versucht mit einer kleinen Geste, einem Lächeln, einem offenen Ohr den Patienten die letzten Tage zu erleichtern“, sagt Dr. Mona Schmidt, Fachärztin für Onkologie und Teil des Palliativteams Bodensee, dessen Mitglieder Patienten in der Endphase einer unheilbaren Krankheit versorgt und begleitet.

Auch Daniela Lamm ist als Fachpsychologin Teil dieses Teams und kennt das Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Leben und dem nahen Tod. „Die psychologische Begleitung der Palliativpatienten und Angehörigen ist eine wichtige Arbeit. Wir können eine Zeit lang Weggefährten auf Augenhöhe sein, weil wir die Gewissheit haben, dass wir uns alle irgendwann dem Tod stellen müssen“, berichtet sie aus ihrer Erfahrung im stationären und ambulanten Bereich. Aus ihrer Arbeit hat sie gelernt, dass es sich lohnt immer neugierig zu bleiben, die kleinen Geschenke des Lebens zu sehen. „Dort ist das Glück zu finden, bis zum letzten Atemzug“, so die Psychologin.

„Mach was draus“

Wieviel Zeit uns zum Leben bleibt, das steht nicht in unseren Händen und was wir aus dieser Zeit machen, das ist von Mensch zu Mensch verschieden. „Aber wer sich dem Tod stellt, schaut anders auf das Leben. Wir sind in den weiten Horizont Gottes eingespannt und wenn wir uns an dem ausrichten, der uns jenseits der Schwelle erwartet, hilft das schon im Hier und Jetzt“, weiß Pfarrerin Ulrike Hermann, Seelsorgerin am Klinikum Friedrichshafen. Gemeinsam mit ihrem Kollegen, dem katholischen Diakon Dr. Thomas Borne, gedenkt sie in dem kleinen Park auf dem Klinikgelände der Menschen, deren irdischer Lebensweg hier oder in der Klinik Tettnang zu Ende gegangen ist. Jeder von den Verstorbenen hatte seine eigene Geschichte, seinen unverwechselbaren Resonanzraum, einen einzigartigen Klang und der geht nicht verloren. „In der Physik geht man davon aus, dass ein einmal erzeugter Ton, auch wenn man ihn nicht mehr hören kann, für immer im Resonanzraum bleibt“, erklärt Dr. Thomas Borne. „Ich finde das einen sehr tröstlichen Gedanken“, ergänzt der Seelsorger und stellvertretend für alle Verstorbenen lässt er sieben Mal einen Gong ertönen, dessen Klang langsam leiser wird, irgendwann nicht mehr zu hören ist, aber nie aufhört zu existieren.

(Pressemitteilung: Medizin Campus Bodensee)