Mehr Barrierefreiheit in Friedrichshafen

Mehr Barrierefreiheit in Friedrichshafen
Freddy Pfleiderer, Behindertenbeauftragter der Stadt Friedrichshafen (links), und Erster Bürgermeister Fabian Müller an der Ecke Charlottenstraße-Katharinenstraße: Hier wurde der Gehweg wegen des Gefälles verbreitert, außerdem wurde ein Leitsystem für Sehbehinderte und Blinde angebracht. (Bild: Stadt Friedrichshafen)
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Redaktion

Treppen, Bordsteinkanten, Kopfsteinpflaster – für Menschen mit Einschränkungen oder auch mit Kinderwagen stellen diese baulichen Gegebenheiten oftmals unüberbrückbare Hürden dar. Im Sinne einer barrierefreien Stadt baut Friedrichshafen diese kontinuierlich ab.

Die Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, die Wege in Friedrichshafen möglichst barrierefrei zu gestalten. Fachkundige Unterstützung erhält sie hierbei von Freddy Pfleiderer, der seit 2017 als ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter der Stadt Friedrichshafen tätig ist. Seine Aufgabe ist es, die städtischen Dienststellen auf Barrieren, die in Friedrichshafen für Menschen mit Einschränkungen bestehen, aufmerksam zu machen. „Durch die direkte Zusammenarbeit mit den Vertretern der Stadt und die zeitnahe Umsetzung meiner Empfehlungen konnten in Friedrichshafen in den letzten Jahren schon zahlreiche Barrieren beseitigt werden“, so Pfleiderer.

Stellvertretendes Mitglied im Landes-Beirat für die Belange von Menschen mit Behinderungen

Die Expertise von Freddy Pfleiderer ist auch über Friedrichshafen hinaus gefragt: Im Juli 2022 wurde er auf Vorschlag des Gemeindetags Baden-Württemberg zum stellvertretenden Mitglied des Landes-Beirats für die Belange von Menschen mit Behinderungen Baden-Württemberg bestellt. Diese Ernennung sei eine besondere Anerkennung der unermüdlichen Arbeit Freddy Pfleiderers, betont Erster Bürgermeister Fabian Müller: „Das zeigt die Kompetenz von Herrn Pfleiderer, die zurecht über Friedrichshafen hinaus gesehen und genutzt wird.“ Pfleiderer wird im Landes-Beirat im Falle der Verhinderung eines ordentlichen Mitglieds als Vertreter an den jeweiligen Sitzungen teilnehmen. Der Beirat unterstützt die Beauftragte der Landesregierung bei allen wesentlichen Fragen, die die Belange von Menschen mit Behinderungen berühren. Die Arbeit im Beirat ist ehrenamtlich.

In Friedrichshafen kann Freddy Pfleiderer auf zahlreiche bereits umgesetzte oder bereits angeregte Maßnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit hinweisen. Jedes Jahr berichtet der Behindertenbeauftragte beispielhaft über die Fortschritte im Vorjahr, pandemiebedingt diesmal für zwei Jahre.

Barrierefreiheit auf allen Ebenen

Beim Aufspüren und Beseitigen von Barrieren im öffentlichen Raum werden sowohl Rollstuhlfahrer, Menschen mit Gehhilfen als auch Familien mit Kinderwagen bedacht. Neben der Überbrückung von Treppen, Bordsteinkanten und Kopfsteinpflastern sind unter anderem breite Zugänge, Haltegriffe und gut erreichbare Bedienfelder sicherzustellen.

Ein weiter zentraler Aspekt in Hinblick auf eine barrierefreie Stadt ist die Berücksichtigung von Menschen mit Sehbehinderung. Ihnen bieten neben akustischen Signalen bei Ampelanlagen insbesondere spezielle Bodenbelägen, sogenannte Blindenleitsysteme, Sicherheit und Orientierung.

Sicherheit für Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte

In diesem Sinne wurden in Friedrichshafen in den vergangenen zwei Jahren bei den Straßenquerungen in der Monfortstraße, der Eckenerstraße, der Ulrichstraße und der Marienstraße die Bordsteine abgeflacht und bei den Ampelanlagen Blindenstreifen am Boden angebracht. Bei der Fußgängerampel an der Kreuzung Eckenerstraße Hünistraße wurde zudem der Zeitraum des akustischen Signals von 22 Uhr auf 23 Uhr verlängert.

Die Bushaltestelle im Haselweg vor der Sanierung.
Die Bushaltestelle im Haselweg vor der Sanierung. (Bild: Stadt Friedrichshafen)
Die Bushaltestelle wurde verbreitert und der Norm angepasst, auch hier wurde eine Leitsystem für Sehbehinderte und Blinde ergänzt.
Die Bushaltestelle wurde verbreitert und der Norm angepasst, auch hier wurde eine Leitsystem für Sehbehinderte und Blinde ergänzt. (Bild: Stadt Friedrichshafen)

Um Rollstuhlfahrern und Sehbehinderten auch bei der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs mehr Sicherheit zu bieten, wurde 2020 die Bushaltestelle Lindenstraße Haselweg behindertengerecht umgebaut: Die Wartezone wurde deutlich verbreitert und zusätzlich mit einem Blindenstreifen versehen.

Barrierefreies Parken

Mit der Einrichtung des ersten Behindertenparkplatzes mit E-Ladestation werden im Parkhaus Altstadt Barrierefreiheit und Umweltfreundlichkeit vereint. Die E-Ladestationen wurden zudem tiefer montiert, sodass auch Rollstuhlfahrer die E-Ladepunkte problemlos nutzen können. Zur besseren Orientierung werden hier seit 2021 die Behindertenparkplätze nun auch in der digitalen Beschilderung angezeigt.

Weitere Beispiele für Barrierefreiheit beim Parken: Im Parkhaus am Stadtbahnhof wurde ein neu installierter Parkscheinautomat bedienfreundlich auf Rollstuhlhöhe gesetzt. Neue Behindertenparkplätze wurden außerdem am Fischerheim in der Untereschstraße, beim Ärztehaus in der Kitzenwiese, in der Eisenbahnstraße beim Bahnhof Fischbach, in der Allmandstraße und am Marie-Curie-Platz angelegt.

Rampen und Halterungen in städtischen Gebäuden

Auch abseits des öffentlichen Straßenverkehrs wurden in Friedrichshafen barrierefreie Neuerungen 2020 und 2021 umgesetzt: In Zusammenarbeit mit dem Behindertenbeauftragten der Stadt und dem Stadtforum hat das Stadtmarketing 2020 eine mobile, klappbare Test-Rampe beschafft, mit der Einzelhändler und Gastronomen den Zugang für Rollstuhlfahrer ausprobieren konnten. Mit der mobilen Rampe können bis zu drei Treppenstufen überwunden werden. Einzelhändler und Gastronomen können nach erfolgreichem Test die Rampe beim Stadtmarketing bestellen.

Auch in den Häfler Bädern wurde in den vergangenen zwei Jahren die Barrierefreiheit weiter verbessert – und manchmal sind auch die kleinen Maßnahmen sehr hilfreich: Im Sportbad und im Frei- und Seebad Fischbach wurden etwa im Behinderten-WC Haltegriffe montiert. Im Frei- und Seebad Fischbach wurde zudem eine verstellbare Duschstange angebracht. „Wir konnten gemeinsam mit den unterschiedlichsten Akteuren wieder eine Vielzahl an weiteren Maßnahmen gemeinsam umsetzen, die wichtig sind für den barrierefreien Zugang“, sagt Freddy Pfleiderer. „Und ich freue mich, dass ich mit meinen Anregungen und Vorschläge auf offene Ohren und eine große Bereitschaft zur Verbesserung stoße – nicht nur in den vergangenen beiden Jahren, sondern seit ich mich als Behindertenbeauftragter für die Stadt einbringe.“

Weitere Informationen unter www.barrierefrei.friedrichshafen.de 

(Quelle: Stadt Friedrichshafen)