Medizin Campus Bodensee arbeitet nach Hacker-Angriff unter besonderen Bedingungen

Medizin Campus Bodensee arbeitet nach Hacker-Angriff unter besonderen Bedingungen
Nach dem Hackerangriff: Krankenhäuser des MCB laufen, MVZen noch in dieser Woche betriebsbereit. (Bild: picture alliance / Christopher Neundorf/Kirchner-Me | Christopher Neundorf)
WOCHENBLATT
Redaktion

Friedrichshafen/Tettnang (MCB) – Auf dem Fax-Gerät am Empfang des Klinikums kommen stündlich Labor-Berichte an, die stationsweise sortiert werden und dann abgeholt werden. Fünf Meter weiter werden am Nachmittag die Daten der Patienten-Besuchenden handschriftlich erfasst und jeder, der an das Klinikum Friedrichshafen oder die Klinik Tettnang eine E-Mail schreibt, bekommt eine prompte Mailer-Daemon-Antwort, denn auf diesem Weg ist der Medizin Campus Bodensee seit dem Hackerangriff am vergangenen Donnerstag nicht erreichbar.

Analoges Arbeiten

Seit vergangenen Samstag sind die beiden Krankenhäuser wieder betriebsfähig – vieles läuft nicht wie gewohnt, vieles analog und wieder „auf Papier“ – wie beispielsweise die Laborbefunde oder die Essensbestellungen der Patienten. Auch diese werden analog von den Versorgungsassistentinnen aufgeschrieben und nicht in einen kleinen Tablet-PC eingegeben, bevor sie an die Krankenhausküche geschickt wird.

Sicherheit der Patienten hat oberste Priorität

Wenn in einer Klinik die IT-Systeme heruntergefahren werden (müssen), hat dies eben mannigfache Auswirkungen, aber bei allen Überlegungen hat die Sicherheit der Patienten oberste Priorität. Auch deshalb sind mehr Mitarbeitende des MCB in der Telefonzentrale eingesetzt – kaum eine Minute, ohne dass ein Telefon klingelt und um Auskunft gebeten wird. „Die Anrufe sind aber fast alle verständnisvoll und freundlich“, erzählt eine dortige Mitarbeiterin. Stärkerer Mitarbeiter-Verkehr herrscht aktuell auch im Zentrallager im Kellergeschoss des Klinikums oder in der Zentralapotheke.

Arztbriefe

Bilder aus der Radiologie, also vom Röntgen oder CT- beziehungsweise MRT-Untersuchungen können nicht „automatisch“ an jedem Platz im Haus angeschaut werden – entsprechend den Notfallplänen schauen die Fachärzte sich die Bilder in der Radiologie an oder auf einer gebrannten CD. Und natürlich bekommt jeder Patient bei seiner Entlassung auch seinen „Arztbrief“ mit nach Hause, auch wenn es in manchen Fällen nur ein „vorläufiger“ sein kann.  

Arbeiten laufen auf Hochtouren

In der EDV-Abteilung konzentrieren sich derweil alle auf ein verantwortungsbewusstes möglichst zügiges Hochfahren des MCB in allen Bereichen, so dass auch die Medizinischen Versorgungszentren sich sehr bald wieder um ihre Patienten kümmern können.

Zur Mittagszeit bilden sich in der Cafeteria, die den Mitarbeitenden vorbehalten ist, lange Schlange – die Waagen zur Ermittlung der Portionsmenge und –preise sind an die Kasse gekoppelt und beides ist außer Betrieb… auch hier wurde nach wenigen Tagen, an denen der Menüpreis „geschätzt“ wurde, eine pragmatische Lösung gefunden und Einheitspreise festgelegt.

Störmeldungen 

Die Haustechnik läuft an beiden Standorten stabil, „Störmeldungen werden auf unsere Telefone geschickt“, berichtet der Technische Leiter gelassen. Dass die Schranken am Parkplatz beim Klinikum Friedrichshafen seit Donnerstag offenstehen, hat mit dem Hacker-Angriff zu tun und ist insofern eine besondere technische Störung.  

(Pressemitteilung: MCB)