Massive Unwetter durch Sturzfluten, Hagel und Überschwemmungen – Feuerwehr im Dauereinsatz

Massive Unwetter durch Sturzfluten, Hagel und Überschwemmungen – Feuerwehr im Dauereinsatz
Starkregen sorgte in den letzten Stunden und Tage für regionale Überschwemmungen. (Bild: Davor Knappmeyer)

Nachdem es am Montagabend und in der Nacht auf Dienstag Gewitter mit Hagel, Sturm und Starkregen gegeben hat, erwischte es dort nicht nur den Landkreis Biberach, sondern auch weite Teile Oberschwabens. Am Dienstagabend erreichte das Unwetter dann den Bodenseekreis – und das stellenweise heftig.

Die Unwetter der vergangenen Stunden und Tage verursachten am Bodensee größere Überschwemmungen. Mancherorts fielen die Gewitter relativ schwach aus, während andere Ortschaften mehr oder weniger unter Wasser und standen. Zudem verstarb ein Mann in seiner eigenen Wohnung.

Solch ein Unwetter habe ich hier noch nie erlebt!“, erklärte Petra Deuter aus Hagnau.

Bereits am Samstag und Sonntag bildeten sich in der schwülen Luft vereinzelte Schauer und Gewitter, die örtlich für Starkregen und Sturmböen sorgten. Das sollte allerdings nur ein kleiner Vorgeschmack sein, denn: Am Montag, Dienstag und Mittwoch zogen mitunter kräftige Unwetter mit Starkregen und Hagel durch einige Regionen. Zum Teil entstanden größere Sachschäden durch Überschwemmungen.

Extremer Starkregen in Biberach – Mann verstarb in eigener Wohnung

In den Abend- und Nachtstunden von Montag auf Dienstag war der Landkreis Biberach durch anhaltenden Starkregen für viele Stunden extrem betroffen.

Feuerwehrleute stehen neben einem Feuerwehrboot auf einer Straße in den Fluten eines heftigen Unwetters. Ein Mann war bei den heftigen Regenfällen in seiner Wohnung im Untergeschoss eines Mehrfamilienhauses ertrunken. (Bild: picture alliance/dpa/VMD Images | Simon Adomat)

Die Einsatzkräfte waren die ganze Nacht und Tag danach damit beschäftigt, die Überschwemmungen in den Griff zu bekommen. Dabei verstarb ein 65-Jähriger Mann in Rot an der Rot (Landkreis Biberach) im eigenen Haus.

Er sei am Montagabend in seiner Wohnung im Untergeschoss eines Mehrfamilienhauses von den Wassermassen überrascht worden, sagte ein Sprecher der Polizei.

Insgesamt wurden über 20 Häuser in der Gemeinde durch die Überschwemmungen beschädigt.

Mächtige Unwetter ziehen über den Bodensee

Am Dienstag entwickelte sich in den Nachmittagsstunden im Oberallgäu ein mächtiges Gewittercluster, das südostwärts in Richtung Bodenseekreis zog. Bis dahin lag der Schwerpunkt rund um den Markt Oberstaufen.

Das Unwetter sorgte in Lindau für Starkregen, Windböen und kleinkörnigen Hagel. (Bild: Davor Knappmeyer)
Aufgrund der Starkregenfälle stand das Wasser zum Teil auf den Straßen. (Bild: Petra Deuter)

Binnen weniger Minuten, gegen 18:00 Uhr nahmen die Gewitterwolken Kurs auf Lindau. Kompakte und dunkle Wolken breiteten sich vom Pfänder (1.064m) aus und erreichten kurze Zeit später den Landkreis. Starkregen, Sturmböen und kleinkörniger Hagel waren die Folge.

Größere Schäden, Verletzte oder gar Tote sind glücklicherweise nicht zu beklagen.

Das Unwetter zog anschließend weiter in Richtung Westen und den Untersee. Zuvor sorgte es für Furore über dem Obersee. Teile des Stadtgebiets in Friedrichshafen sowie in Kluftern waren „abgesoffen“, hieß es von Augenzeugen.

Die Gewitter mit unwetterartigen Regenfällen sorgten für örtliche Überflutungen auf den Straßen. (Bilder: Davor Knappmeyer)

Die Feuerwehren aus Friedrichshafen, Ailingen, Ettenkirch, Aderach und Kluftern sowie Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Eriskirch, Meckenbeuren, Markdorf und Langenargen waren im Dauereinsatz. Zwei Schwerpunkte waren durch den ergiebigen Starkregen in den Ortschaften Kluftern und Ettenkirch.

Überfluteter Keller (Bild: Stadt Friedrichshafen)
Überfluteter Treppenabgang (Bild: Stadt Friedrichshafen)
Anzeige

In Unterraderach standen die Kellerräume mehrere Gebäude einer Gärtnerei unter Wasser, darunter ein Lager mit etwa 800 Quadratmetern. In diesem sei das Wasser etwa 70 Zentimeter hoch gestanden – im benachbarten Wohngebäude war der Keller bis zur Decke überflutet.

In Ettenkirch führte das Hochwasser eines Weihers zu mehreren Einsätzen in überfluteten Kellern. In Fischbach gab es einen Blitzeinschlag in ein Wohngebäude, der Dachstock und eine Wohnung seien völlig verkohlt gewesen. Aber: Personen seien weder dort noch bei anderen Einsätzen verletzt worden.

Im Einsatz seien rund 100 Feuerwehrkräfte mit etwa 35 Fahrzeugen gewesen. In Appenweiler, einer Ortschaft unweit von Ettenkirch, wurden am Dienstagabend aufgrund des Starkregens mehrere Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie einige Straßenabschnitte komplett unter Wasser gesetzt.

Überflutung der Kreuzung Appenweiler (Bild: Stadt Friedrichshafen)

Gegen 24 Uhr seien in Appenweiler noch 45 Einsatzkräfte der Feuerwehren Friedrichshafen, Kluftern, Fischbach, Ettenkirch, Raderach und Meckenbeuren im Einsatz gewesen. Insgesamt waren um diese Zeit noch rund 75 Einsatzkräfte mit Abpumparbeiten an den verschiedenen Einsatzorten aufgrund der Überflutungen beschäftigt.

Während es im Häfler Stadtgebiet stellenweise „nur“ kleineren Hagelschlag gab, erwischte es beispielsweise Hagnau wesentlich schlimmer.

Starkes Unwetter mit Starkregen und großem Hagel in Hagnau. (Bild: Petra Deuter)

„Solch ein Unwetter habe ich hier noch nie erlebt“, erläuterte Petra Deuter aus der Ortschaft. Heftiger Starkregen und Hagelkörner, die Tischtennisbällen gleichen, sind hier vom dunklen Himmel herab gefallen. Straßen mussten von Wassermassen und Ästen durch Einsatzkräfte befreit werden. Es herrschte „Endzeitstimmung“.

In Weingarten/Ravensburg zog ein Gewitter mit Hagel durch. (Bild: Monja)

Am frühen Mittwochabend erreichte eine Gewitterfront noch Ravensburg/Weingarten mit Regen und kleinkörnigem Hagel. Das dortige Ereignis ging mit kräftigem Regen, Hagel und Windböen vonstatten. Größere Schäden sind bisher nicht bekannt.

Fazit: Das Wetter und seine Schattenseiten

Dass das Wetter neben seinen schönen Momenten auch seine Schattenseiten hat, wurde uns nach diesen Naturereignissen deutlich bewusst. Es ist beachtlich, was „unser“ Wetter für enorme Auswirkungen auf uns hat.

Ende der Unwetterlage?

Zum Glück lässt sich sagen, dass das Gröbste der Unwetter hinter uns liegt. Bis einschließlich Donnerstag bleiben zwar Schauer und örtliche Gewitter ein Thema, wobei die Intensität deutlich nachlässt. Zum Wochenende und darüber hinaus dürfen wir uns auf ruhigere Tage mit viel Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen einstellen.

Anzeige