Landwirtschaftliche Produkte sind auch ohne Bio-Siegel hochwertig

Landwirtschaftliche Produkte sind auch ohne Bio-Siegel hochwertig
Alexander Keller (Gutenzell-Hürbel) ist in die Vorstandschaft des Kreisbauernverbands BC-SIG gewählt worden. (Bild: Privat)

Freier Redakteur
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Vor einigen Wochen haben die Mitglieder des Kreisbauernverbandes Biberach-Sigmaringen einen neuen Vorstand gewählt. Mit einer deutlich verjüngten Mannschaft stellt sich Kreisobmann Karl Endriß (Gammertingen-Bronnen) den Herausforderungen. Es gilt nicht nur die Interessen der rund 3.500 landwirtschaftlichen Betriebe in den Kreisen Biberach und Sigmaringen zu wahren, sondern auch Akzente für eine zukunftsgerichtete Weiterentwicklung der Landwirtschaft zu setzen.

Damit unsere Nutzer*innen wissen, wer die Geschicke des Kreisbauernverbandes mitbestimmt, stellt das Wochenblatt die neuen Vorstandsmitglieder vor. Wir starten mit einem Interview, bei dem sich Alexander Keller (Gutenzell-Hürbel) äußert.

Herr Keller, könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

Mein Name ist Alexander Keller, ich bin 37 Jahre alt, verheiratet und von Beruf Landwirtschaftsmeister.

… und ihren Betrieb?

Zusammen mit meinen Eltern und meiner Frau bewirtschafte ich einen Milchviehbetrieb mit eigener weiblicher Nachzucht, sowie dem dazu gehörenden Acker- und Futterbau. Zur Veredlung der anfallenden Gülle, betreibe ich eine kleine 75 kW Gülle- Biogasanlage. Zudem sind PV- Anlagen im Betrieb integriert, u.a. auch zur Eigenstromnutzung.

Haben Sie weitere Betriebszweige, wie Hofladen/Direktverkauf, Energiehof, Wochenmarktbeschickung etc.?

Ja, die bereits angesprochene Biogasanlage und PV-Anlagen.

Wie sehen Sie die Zukunft der Landwirtschaft?

Die Zukunft der Landwirtschaft sehe ich als eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung an. Wir als Landwirte arbeiten meist schon über mehrere Generationen direkt in und mit der Natur und wissen diese als Basis unsers täglichen Lebens zu schätzen. Die Herausforderungen der künftigen Landwirtschaft liegen darin, dass konventionelle Landwirte von der Öffentlichkeit/ den Verbrauchern besser wahrgenommen werden müssen und auch der Verbraucher dafür sensibilisiert werden muss, dass auch die konventionelle Landwirtschaft mit der Natur arbeitet. Die öffentliche Wahrnehmung rückt gerade eher in den Fokus, dass nur Bio das Nonplusultra ist und alle anderen landwirtschaftlichen Produkte ohne Bio-Siegel „vergiftet“ sind, diese Tendenz gilt es durch Aufklärung wieder in ein normales Licht zu rücken.

Weiter muss es in der Landwirtschaft so sein, dass wir für unsere Erzeugnisse entsprechend entlohnt werden. Preissteigerungen im Bereich der Futtermittel, Baustoffe, Maschinen usw. treffen uns mit voller Wucht und einzig und allein unsere Produkte sind nach wie vor so günstig wie seit 30 Jahren.

Wie können höhere Einkünfte/Erträge generiert werden?

Wir müssen bei den Verbrauchern eine Wertschätzung der von uns produzierten Lebensmittel erreichen. Zudem sollten wir sie dafür sensibilisieren, dass die Kaufentscheidung, die im Supermarkt getroffen wird, auch Auswirkungen hat. Beispiel Haltungsstufen: Haltungsstufen sind teils mit enormen baulichen Maßnahmen verbunden, die ein Landwirt zu tragen hat. Kauft der Verbraucher das Fleisch der Haltungsstufe XY dann auch zum Preis was es kostet, oder entscheidet er sich in der Anonymität des Supermarktes, dann doch für das Fleisch mit unbekannter Herkunft für kleines Geld?

Worin sehe Sie die größten Bedrohungen für den Beruf?

Unüberlegte Vorgaben in Bezug auf Klimaschutz und Artenvielfalt. Keine Frage Klimaschutz und Artenvielfalt sind wichtig, aber heute zu sagen, ihr dürft keine Pflanzen-S C H U T Z-mittel mehr einsetzen, ohne die langfristigen Auswirkungen zu berücksichtigen, finde ich den falschen Weg. Was machen wir, wenn die Ernten in unserem Land aufgrund vieler vorschneller Vorschriften zurückgehen- wir importieren- damit ist aber niemandem geholfen. Veränderungen mit Maß und Ziel und auch eine Abwägung/Risikoanalyse bzw. Forschung oder Versuche, bevor es heißt „so wird es gemacht“.

Was wünschen Sie sich von den Verbrauchern?

Mehr Interesse an heimischer Landwirtschaft – egal aus welcher Sparte – einfach nachfragen, was der Landwirt gerade auf dem Feld macht, was der Hintergrund dafür ist und dabei im Hinterkopf haben, dass der Landwirt mit der Natur arbeitet und nicht dagegen.

Was bewog Sie zum ehrenamtlichen Engagement beim Kreisbauernverband?

Viele Jahre war ich im erweiterten Vorstand, nun habe ich die Möglichkeit aktiver mitgestalten zu können.