Kunstdialog mit der Pianistin Henriette in der Galerie der Stadt Tuttlingen

Kunstdialog mit der Pianistin Henriette in der Galerie der Stadt Tuttlingen
Im Gespräch mit Pianistin Henriette. (Bild: Stadt Tuttlingen)
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Redaktion

Tuttlingen – Zur Ausstellung „Karlheinz Müller – Zeitlose Bilder“ fand am 31. Mai ein Kunstdialog mit der Pianistin Henriette statt, der durch gespielte Klangproben ergänzt wurde.

Im Gespräch mit der Galerieleiterin Anna-Maria Ehrmann-Schindlbeck und dem Publikum entfalteten sich spannende Gedanken zu den Berührungspunkten und Affinitäten von Musik und Kunst. Ausgangspunkt waren die Bild-Kompositionen von Karlheinz Müller, der das Wesen der Gegenstandswelt erfasste, in eine eigene bildnerische Sprache „übersetzte“ und „vielstimmige“ Klangatmosphären aus Farbe schuf. Ebenso wie beim musikalischen Vortrag ist bei Karlheinz Müllers Technik, dem Aquarell, höchste Konzentration erforderlich.

Der einmal gesetzte Pinselstrich ist ebensowenig rückgängig zu machen, wie ein einmal gespielter Ton. Eindrucksvoll brachte Henriette Gärtner dies am Beispiel von Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate C-Dur zu Gehör. Wenngleich diese Sonate mit „facile“, also „einfach“, betitelt ist, ist sie komplex und ausgereift und erfordert hohe Meisterschaft im Spiel. Was sowohl in der Musik als auch in der Kunst „leicht“ daherkommt, muss umso stimmiger und sicherer im Vortrag sein.

Man war sich im weiteren Gespräch einig, dass gerade die sogenannte Einfachheit in der Musik sowie die Reduktion in der Malerei besonders große Freiräume in der Vorstellungskraft des Rezipienten eröffnen. „Weniger ist mehr“, blieb in Bezug auf das „facile“ bei Mozart und die Abstraktion in den Stadtansichten von Karlheinz Müller gleichermaßen festzuhalten. Auch anhand von Johann Sebastian Bachs Konzert für Pianoforte (BWV 974) konnte die Pianistin den Empfindungsreichtum in der Klarheit des Elementaren illustrieren.

Das Vorbild, nach dem Johann Sebastian Bach dieses Konzert verfasst hatte, das Oboenkonzert von Antonio Marcello, spielte sie – als Überraschung – gemeinsam mit dem Leiter der Musikschule Alfons Schwab als Solisten an der Oboe. Die Zuhörer und Zuhörerinnen waren verzaubert.

Das Stück mache deutliche, so Henriette Gärtner, dass versierte Komponisten stets über fundierte Kenntnisse der Vorgeschichte verfügen. Hier konnte die Galerieleiterin anfügen, dass es genau deshalb die Kunstgeschichte dem Maler Karlheinz Müller ein wichtiges Anliegen war und er sich durch das Studium der Vorbilder zu schulen suchte. Sowohl den Musiker als auch den bildenden Künstler zeichnet es aus, so waren sich beide einig, dass sie stets „dabei bleiben“. Das bedeutet Struktur, tägliche Übung, Detailarbeit. Wiederholung und Variation sind sowohl in der Musik als auch in der Kunst von Bedeutung und Bedingung der Meisterschaft.

Es lag bei der Thematik des Abends auf der Hand, dass auch die „lautmalerische“ Musik zur Sprache kam und Boris Mussorgskys Programmkomposition „Bilder einer Ausstellung“ erwähnt wurde. Aufgrund der Ausdrucksweisen zwischen Hell und Dunkel, Ruhig und Lebhaft, Extrovertiert und Introvertiert, Dramatisch und Klar entstehen vor dem inneren Auge der Zuhörer und Zuhörerinnen unterschiedliche Bilder.

Indem die Pianistin Henriette Gärtner Pétris Vasks (geb. 1946) Komposition „Weiße Landschaft“ spielte, versetzte sie das Publikum in einen meditativen Zustand voller Magie, den in ähnlicher Weise eine großflächige Darstellung von Karlheinz Müller oder das Erlebnis einer weiten Schneelandschaft hervorrufen kann.

Der Musikabend mit Henriette Gärtner war der Abschluss eines Vermittlungsprojektes, das sie in der Galerie exklusiv am selben Tag mit Schüler:innen der 4. Klasse der Karlschule Tuttlingen durchgeführt hatte. Das Erlebnis von Kunst in Verbindung mit Musik war für die Kinder überaus spannend und inspirierend.

(Pressemitteilung: Stadt Tuttlingen)