Ein Kommentar Krankenhausschließungen: Armutszeugnis der Politik

Krankenhausschließungen: Armutszeugnis der Politik
Mit großer Wehmut nahmen Beschäftigte, Mitglieder des Fördervereins und Bürger Abschied von ihrem Saulgauer Krankenhaus (Bild: Larissa Lott-Kessler)

Freier Redakteur
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Seit Mittwoch ist das Bad Saulgauer Krankenhaus Geschichte. Mit Kreuzen, Grablichtern und Kränzen erinnerten die teilnehmenden Mitarbeiter, Mitglieder des Krankenhausfördervereins und Bürger an die Geschichte dieser für die Raumschaft segensreichen Einrichtung.

Die Kreistagsmehrheit und der Klinikbetreiber SRH hatten sich mit ihren Planungen und Beschlüssen über die Bedürfnisse der Bürger im Raum Bad Saulgau hinweggesetzt und das Aus dieser Klinik beschlossen.

Wenigstens war die Zeit des Bangens um den Erhalt der Klinik kurz. Die Mitglieder des Krankenhausfördervereins, die Saulgauer Lokalpolitiker und Bürger im Einzugsgebiet der Stadt kämpften hingebungsvoll, sie waren letztlich aber auf verlorenem Posten. Wie lange nun die Leidenszeit der Patienten der Raumschaft dauert, ist noch nicht absehbar. Zwar geistert als „Ersatz“ die Vision eines Primär-Versorgungszentrums (PVZ) durch die Lande, aber es stellen sich die Fragen nach dem wann, wo und wie? Alles noch ungeklärt! Bis das PVZ installiert ist, müssen die Patienten der Raumschaft nun mit Einschränkungen bei der wohnortnahen Gesundheitsversorgung rechnen.

Schon ist die Hausarztversorgung im Raum Bad Saulgau schwierig, die Zukunft im Ländle macht keine Hoffnung, im Gegenteil. Zu den jetzt schon landesweit 800 fehlenden Hausärzten kommen weitere 1400, die bereits über 60 Jahre alt sind. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass nur ein kleiner Teil einen Nachfolger finden wird. Das hinderte aber die Entscheider nicht, die Bevölkerung der Raumschaft Bad Saulgau ohne ein installiertes Nachfolgekonzept im Regen stehen zu lassen. Einzelschicksale nannte die Landrätin mögliche Opfer dieser Versorgungssituation. Diese Aussage lässt leider jegliche Empathie vermissen.

Leider wurde den privaten Klinikbetreibern der rote Teppich für die Übernahme von Kliniken ausgerollt, weil der Staat sich auf allen Ebenen aus der staatlichen Daseinsfürsorge der Gesundheitsversorgung zurückgezogen hat. Dies hätte nie geschehen dürfen und das haben die meisten Politiker mittlerweile auch realisiert. Kein Wunder also, das sich die Abgeordneten aus Bund und Land auch als Kreistagsmitglieder ganz still verhalten und öffentliche Aussagen zu den Dramen tunlichst vermeiden. Dies ist ein echter Skandal, denn sie haben den Scherbenhaufen angerichtet, die Kreistagsmitglieder waren nur noch willfährige Erfüllungsgehilfen.